Impfungen können helfen, sich vor Krankheiten zu schützen. Sie können das Immunsystem stärken und ein Abwehrsystem gegen Krankheiten aufbauen. Krankheitserreger haben es durch Impfungen schwerer, Ihre Gesundheit anzugreifen. Dies gilt auch für MS-Betroffene.

Aufgrund der aktuellen Studienlage wird MS-Patienten empfohlen, Impfungen mit Lebendimpfstoffen zu meiden. Als mögliches Risiko kann es durch Lebendimpfstoffe zum Auftreten von Schüben kommen. Inwieweit der Ausbruch einer MS mit beeinflusst werden kann, ist Gegenstand der Forschung. Nach gegenwärtiger Datenlage können Totimpfstoffe bei MS-Patienten eingesetzt werden.

Eine Grippeschutzimpfung auf jeden Fall sinnvoll – vor allem für die Risikogruppen, wie Senioren über 60, Schwangere, Pfleger, medizinisches Personal und chronisch Kranke. Denn diese haben durch ihr geschwächtes Immunsystem oder durch den Umstand, dass sie den Viren stärker ausgesetzt sind, eine deutlich erhöhte Infektionsgefahr. Wer einmal eine Grippe hatte, weiß zu gut: Medikamente bleiben oft wirkungslos! Denn die Viren verändern sich ständig und bilden sogar Resistenzen. Was die Grippe außerdem gefährlich macht: Sie verbreitet sich rasend schnell! 2017 gab es in Deutschland mehr als 330.000 Infektionen, fast 2.000 Menschen sind an der Grippe gestorben. 

Bei MS-Patienten kommt hinzu, dass Infekte das Schubrisiko erhöhen und somit quasi eine doppelte Gefahr mit sich bringen. Vor diesem Hintergrund wird die Grippeschutzimpfung für MS-Patienten sowohl vom Krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) als auch von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts (RKI) ausdrücklich empfohlen.

Eine Impfung funktioniert so, dass der Körper seine eigene Abwehrstrategie nutzt, um eine Infektion abzuwehren. Dafür wird er mit den im Impfstoff enthaltenen abgeschwächten oder abgetöteten Krankheitserregern in Kontakt gebracht, um die Bildung von passenden Antikörpern auszulösen. So stärkt eine Impfung das Immunsystem und baut ein Abwehrsystem gegen Krankheiten auf.

MS-Patienten sollten beim Impfen auf die verschiedenen Impfstoffe achten. Hier unterscheidet man zwischen sogenannten „Totimpfstoffen“ und „Lebendimpfstoffen“. Wie der Name schon nahelegt, enthalten Totimpfstoffe nur abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können. Diese werden vom Körper als fremd erkannt und regen das körpereigene Abwehrsystem an, ohne dass die jeweilige Krankheit ausbricht. Lebendimpfstoffe hingegen enthalten geringe Mengen des Krankheitserregers, die auch noch in der Lage sind, sich weiter zu vermehren. Da sie aber so abgeschwächt wurden, dass sie die Erkrankung nicht auslösen, sind sie für gesunde Menschen völlig harmlos. Für MS-Patienten besteht bei Lebendimpfstoffen jedoch – laut aktueller Studienlage – ein erhöhtes Schubrisiko, weshalb diese vermieden werden sollten. Zu den Lebendimpfstoffen gehören beispielsweise Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Totimpfstoffe, die unter anderem gegen Diphtherie, Hepatitis B und Tetanus eingesetzt werden, sind auch für MS-Patienten unkritisch.

Generell gelten für MS-Patienten die gleichen Impf-Empfehlungen wie für gesunde Menschen: Erwachsenen sollten sich gegen Poliomyelitis, Masern (für alle Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und nicht bzw. in der Kindheit nur einmal gegen Masern geimpft wurden), Diphtherie, Tetanus und Pertussis (Keuchhusten) schützen. Die Schutzimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis müssen dabei alle 10 Jahre aufgefrischt werden. Für Erwachsene ab 60 Jahren werden außerdem Schutzimpfungen gegen Influenza (Grippe), Pneumokokken und Herpes zoster (Gürtelrose) empfohlen. In manchen Regionen Deutschlands sollte man sich zusätzlich gegen FSME schützen. Welcher Impfschutz individuell wichtig ist, sollte man direkt mit dem Hausarzt klären. Daher empfiehlt es sich: Zum nächsten Arztbesuch einfach mal den Impfausweis mitnehmen und überprüfen lassen, ob alle Schutzimpfungen ausreichend und aktuell sind.