Schwangerschaft mit MS
Neurologie trifft Babywunsch

Im August 2019 stand das Fortbildungsprogramm ganz unter dem Motto Neurologie trifft Babywunsch“.

Wir geben Ihnen nun gerne die Möglichkeit drei der informativen Vorträge anzuschauen.

 

PD Dr. Meves
Frau PD Dr. med. Saskia Hannah Meves

Frau PD Dr. Meves verbrachte den Großteil ihrer medizinischen Laufbahn am St. Josef-Hospital in Bochum, bei der sie die Leitung des Ultraschall-Labors innehatte. 2015 wechselte sie schließlich zum Klinikum St. Josef-Krankenhaus Essen-Kupferdreh und baute zudem eine zertifizierte Stroke Unit im St. Marienhospital Mülheim auf. Seit 2018 ist sie DEGUM-Kursleiterin (Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V.) der Stufe III.

Dr. Thiel
Dr. rer. nat. Sandra Thiel

Frau Dr. Thiel verfasste, während ihrer Arbeit als Apothekerin am Deutschen Multiple Sklerose und Kinderwunschregister der neurologischen Klinik der Ruhr Universität Bochum, ihre Dissertation zur Anwendung von MS-Therapeutika in der Schwangerschaft. Seit 2016 ist sie Projektmanagerin an selbigem Register.

Dr. Florian Weißinger

Dr. Weißinger arbeitet derzeit als Oberarzt im Humboldt-Klinikum für Neurologie.

MS und Schwangerschaft

Interview mit Priv.-Doz. Dr. med. Karl Baum 

Mit seiner langjährigen Erfahrung bei der Behandlung von MS-Patienten stellt sich Priv.-Doz. Dr.

Das gesamte Interview gibt es hier auch zum Nachlesen! 

 

Herr Priv.-Doz. Dr. med. Karl Baum leitet die Neurologische Abteilung der Klinik Hennigsdorf nahe Berlin. Die Klinik Hennigsdorf ist ein MS-Schwerpunktzentrum (DMSG-Zertifikat), ambulant wie stationär.

Babywunsch bei MS möglich

Interview mit Prof. Dr. Kerstin Hellwig

 

Können MS-Patientinnen sich ihren Kinderwunsch erfüllen? Wenn ja, was gilt es zu bedenken?

Die meisten MS Patienten können und sollen sich ihren Kinderwunsch erfüllen. Die rechtzeitige Absprache mit dem Neurologen zum besten Vorgehen hinsichtlich der MS ist ratsam.

Bis zu welchem Zeitpunkt vor Eintritt einer Schwangerschaft können/sollen MS-Patientinnen die Therapie fortsetzen?

Das hängt von der Therapie ab.

In einer sehr großen Kohorte mit mehr als 1300 Frauen, die unter Betaferon schwanger geworden sind, sind mehr als 90% der Lebendgeborenen mit bekanntem Gesundheitsstatus gesund.

Komplikationen wie Fehlbildungen, Totgeburten, Fehlgeburten, die auch bei gesunden Frauen, die keine Medikamente einnehmen, auftreten können, waren nicht erhöht. Diese große Kohorte liefert einen wichtigen, zusätzlichen Beitrag in der Beratung von MS-Patientinnen, die schwanger werden wollen.

Prof Dr. Kerstin Hellwig

Frau Professor Dr. Kerstin Hellwig leitet die neurologische Ambulanz und Poliklinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Krankenhaus. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der Neuroimmunologie und ganz besonders im Bereich Multiple Sklerose (MS) und Familienplanung.

 

 

Literatur
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1Hellwig K., eigene Erhebung

 

Therapielose Zeit vermeiden

Früher wurde MS-Patientinnen häufig von einem Babywunsch abgeraten. Diese Einschätzung hat sich mittlerweile geändert, da immer mehr Daten zeigen, dass eine Schwangerschaft keinen nachteiligen Einfluss auf den MS-Krankheitsverlauf hat.1

Mütter sind bei der Geburt ihrer Kinder heute deutlich älter.3

Hinzu kommt die mit dem Alter abnehmende Konzeptionswahrscheinlichkeit der Frau.4

In der Folge dauert es immer länger, bis Frauen schwanger werden.

Wegen des zunehmenden Alters und der sinkenden Konzeptionswahrscheinlichkeit entsteht ein größeres Zeitfenster zwischen dem Babywunsch und dem tatsächlichen Eintritt der Schwangerschaft.

Mit der Zulassungsänderung im September 2019 ist jetzt eine Therapie mit Interferonen (z. B. Betaferon) auch in der Schwangerschaft, wenn klinisch erforderlich, möglich.6

Literatur

Familienplanung mit Multipler Sklerose

Bei der Multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter, Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer.

Aufgrund zahlreicher neuer Daten ist heute keiner Frau mit MS von ihrem Wunsch nach Kindern abzuraten, sondern es muss dahingehend aufgeklärt werden, dass durch die MS keine negativen Effekte für die kindliche Entwicklung und Geburt zu erwarten sind und der Krankheitsverlauf durch eine Schwangers

Wichtig für die Betroffenen ist, sich im Vorfeld mit dem Thema Babywunsch zu beschäftigen sowie Ängste, Sorgen und Fragen mit Ihnen als behandelnden Neurologen offen zu teilen:

Vor der Schwangerschaft

Bezüglich der Fertilität lässt sich feststellen, dass diese bei Frauen und Männern mit MS nicht eingeschränkt ist.2,3 

Cousin hat MS

0,7%

Nachkomme eines MS-Elternteils

2,0%

Geschwisterkind hat MS

3,5%

Auch das Thema Verhütung spielt, vor allem bei jungen Patientinnen, eine wichtige Rolle. Nach dem derzeitigen Wissensstand gibt es keine Interaktion zwischen oralen Kontrazeptiva und einer MS-Therapie.3

Während der Schwangerschaft

Im Rahmen einer Schwangerschaft kommt es zu multiplen physiologischen Veränderungen, die unter anderem zu einer Änderung des Immunstatus führen und so den Verlauf der Multiplen Sklerose (günstig) beeinflussen können.So nimmt die

Nach der Schwangerschaft

Postpartal kommt es in den ersten drei Monaten häufig zu einem signifikanten Schubanstieg, etwa 30 % der Frauen erleiden in diesem Zeitraum einen Schub.

Weiterführende Informationen

Das unabhängige deutschsprachige Multiple Sklerose und Kinderwunsch Register (DMSKW) ist ein Projekt, in dem prospektiv Daten zu Schwangerschaften oder Kinderwunschbehandlungen von MS-Betroffenen gesammelt werden (weitere Informationen zur

Literatur