Stillen Interferon Beta

IFNß in der Schwangerschaft

Hellwig et al. J Neurol 2020

Für Interferon beta wurde im September 2019 nach erfolgter Bewertung durch die Europäische Arzneimittelagentur eine Zulassungsänderung zu Schwangerschaft und Stillzeit wirksam.

Update Fachinformation

Viele Frauen mit Multipler Sklerose (MS) und krankheitsmodifizierender Therapie (DMT) sind im gebärfähigen Alter. Für sie ist die Familienplanung ein wichtiges Thema. Bisher gibt es wenige Studien zur Sicherheit von DMT für Schwangere und die kindliche Entwicklung.

Fazit

Die Daten des europäischen Schwangerschaftsregisters deuten nicht darauf hin, dass eine Exposition mit IFN-beta vor Konzeption und/oder während der Schwangerschaft das Risiko für angeborene Fehlbildungen oder Spontanaborte erhöht. 

Literatur

Mehr zu Betaferon®

European Medicines Agency. Europäischer Beurteilungsbericht (EPAR) für Betaferon – Produktinformation.

Mütter unter MS-Therapie: Entwicklung der Säuglinge

Ciplea AI et al. Annual Meeting of AAN 2018

Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Stillen unter der Medikation mit IFNβ oder GLAT die kindliche Entwicklung in den ersten 1,5 Lebensjahren nicht beeinflusst.

Literatur

 

Mehr zum Thema

Register DMSKW. MS und Kinderwunsch. Webseite des St. Josef-Hospitals, Bochum.

IFNß in der Schwangerschaft zeigt keinen Einfluss auf kindliche Messwerte bei Geburt

Burkill et al. Breastfeeding PLoS One. 2019

Aufgrund der EU-weiten Zulassungsänderung im September 2019 wurde die Zulassung für Interferon Beta dahingehend aktualisiert, dass die Medikamente auch in der Schwangerschaft, wenn klinisch erforderlich, und in der Stillzeit eingesetzt werden können.

Subanalyse: Burkill et al. verglichen auch die Daten von Neugeborenen, deren Mütter im Studienzeitraum mehrere Kinder bekommen hatten, von denen nicht alle in der Schwangerschaft INFβ ausgesetzt waren.

Literatur

Kaum Interferon beta-1a in der Muttermilch

Hale et al. Breastfeeding Med. 2012

Viele an Multiple Sklerose erkrankte Mütter möchten ihre Kinder stillen, auch unter IFNβ Therapie. Eine texanische Forschungs-Gruppe bestimmte erstmals die IFNβ-1a Konzentrationen in der Muttermilch behandelter Frauen.

Studie kompakt

  • INF beta-1a ging nur in geringen Mengen in die Muttermilch über
  • INF beta-1a Exposition über die Muttermilch blieb für die Stillkinder ohne Nebenwirkungen
  • Oral aufgenommenes Interferon wird wahrscheinlich kaum vom Körper resorbie

Bisher war unklar, wie und in welcher Menge Interferon beta in die Muttermilch gelangt. Thomas Hale und sein Team von der Texas Tech Universität im US-amerikanischen Amarillo haben 2012 erstmals den Übertritt von Interferon beta-1a in die Muttermilch quantitativ erfasst.

 

Literatur

Praxis Kompakt: Stillen unter Interferon Beta

Dank einer Zulassungserweiterung im September 2019 ist der Einsatz von INFß nun auch bei Schwangeren, falls klinisch notwendig, und stillenden Müttern möglich. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.