Infektionsrisiko

Vulnerable Patientengruppen während der COVID-19-Pandemie: Ältere Menschen mit MS

Themen kompakt:

Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht bekannt, ob bei Menschen mit Multipler Sklerose ein erhöhtes Risiko für eine SARS-CoV-2-Virusinfektion oder ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf haben1.

Wichtig ist, dass für mit Betaferon behandelte Patienten KEINE Hinweise vorliegen, dass ihre MS-Therapie dieses Risiko weiter erhöht.1, 5-9

Was jedoch das Infektionsrisiko sowohl bei MS-Patienten sowie in der allgemeinen Bevölkerung erhöht, ist das Alter.

Die Prävalenz von Menschen mit MS und höherem Alter steigt.10

Eine wichtige Strategie zur Risikominimierung während der COVID-19-Pandemie besteht darin, anfällige Personen, wie ältere Menschen mit Multipler Sklerose zu motivieren, sich so weit wie möglich zu isolieren, um ihr Infektionsrisiko zu verringern.

Literatur

Hospitalisierung von Menschen mit Multipler Sklerose

Marrie et al. Neurol Neurosurg Psychiatry 2018

An Multiple Sklerose Erkrankte müssen heute seltener ins Krankenhaus als noch vor 25 Jahren.

Studie kompakt

In den letzten 20 Jahren hat sich für MS-Erkrankte viel verändert: Die Diagnostik hat sich verbessert, es vergeht weniger Zeit bis zur Diagnosestellung und für die Behandlung stehen wirksame krankheitsmodifizierende Therapien (DMT) zur Verfügung.

Literatur

Infektionsraten bei MS-PatientInnen

Persson et al. Mult Scler Relat Disord 2020

Eine große Datenbank-basierte Studie liefert aktuelle Daten zu Infektionsraten bei Multipler Sklerose.

Studie Kompakt

Infektionen werden mit bestimmten krankheitsmodifizierenden Therapien (DMT) der Multiplen Sklerose (MS) in Verbindung gebracht. Diese Infektionen können zur Exazerbation der MS führen.

Literatur

Mehr zum Thema

Weitere Informationen zu Infektionsraten bei MS-PatientInnen finden Sie in unserem Themen-Special: Infektionen

Kein Hinweis auf erhöhtes Infektionsrisiko durch DMT der 1. Generation

Wijnands et al. Neurol Neurosurg Psychiatry 2018

In einer auf Krankenkassendaten beruhenden Studie von Wijnands et al. sind Interferon beta oder Glatirameracetat bei Multiple-Sklerose-Erkrankten seltener mit Infektionen assoziiert als DMT der 2. Generation.

Studie kompakt

  • Kein höheres Infektionsrisiko unter IFNß oder GLAT im Vergleich zu PatientInnen ohne DMT
  • 59% höheres Infektionsrisiko unter Natalizumab im Vergleich zu PatientInnen ohne DMT

Methode

  • Design: retrospektive Kohortenstudie
  • Datenpool: prospektiv gesammelte bevölkerungsbasierte Gesundheits-Verwaltungsdaten der kanadischen Provinz British Columbia (1996-2013)
  • Teilnehmende: 6.793 Menschen mit MS, davon 4.999 Frauen
  • Outcome:

DM-Substanzen der 2. Generation waren mit 53% mehr Infektionsdiagnosen assoziiert als DM-Substanzen der 1. Generation (aHR 1,53; 95% CI 1,21 bis 1,95).

Zu den häufigsten Infektionskrankheiten zählten:

Literatur

Praxis Kompakt: Infektionsrisiko unter unterschiedlichen DMT

Unser Themenspecial April 2020

Menschen mit Multipler Sklerose sind anfälliger für Infektionen als die Allgemeinbevölkerung – bestimmte krankheitsmodifizierende Substanzen kö

„Menschen mit Multipler Sklerose sind anfälliger für Infektionskrankheiten als die Normalbevölkerung – dieses höhere Risiko ist seit Jahrzehnten bekannt“, betont Elisabeth Gulowsen Celius, Neurologin am Osloer Universitätsklinikum in ihrem Übersichtsartikel (

Obwohl MS-Kranke heute deutlich seltener stationär behandelt werden müssen als noch vor 30 Jahren, werden sie weiterhin häufiger wegen schwerer Infektionen eingewiesen (Marrie RA et al.

Manche dieser Substanzen können das Infektionsrisiko der damit Behandelten erhöhen. Eine latente Infektion kann reaktiviert werden, asymptomatische Infektionen können aufflammen und neue Erreger leichter eindringen (Pourcher 2019). 

Literatur

Infektionsrisiko unter krankheitsmodifizierender MS-Therapie

Schwedische Studie mit Real World Data

MS-PatientInnen unter Interferon beta und Glatirameracetat sind weniger anfällig für schwere Infektionen als unter Fingolimod, Natalizumab oder Rituximab (off-label

Studie kompakt

  • Infektionsanfälligkeit bei Behandlungsentscheidung berücksichtigen
  • Infektionshäufigkeit unter injizierbaren DMT am geringsten
  • Infektionshäufigkeit unter Rituximab (off-label Behandlung) am höchsten

PatientInnen mit MS haben ein höheres Infektionsrisiko als die Allgemeinbevölkerung – unabhängig davon, ob und wie sie behandelt werden. Bisher fehlten Studien mit realen Gesundheitsdaten (Real World Data), die das Infektionsrisiko nach Behandlungsart stratifizieren.

Infektionen unter Multiple Sklerose-Therapien

 

Nach multivariater Risikoadjustierung bestätigte sich ein signifikant höheres Infektionsrisiko unter Rituximab im Vergleich zu IFNß/GA. Das Risiko unter Natalizumab und Fingolimod war ebenfalls erhöht, jedoch nicht statistisch signifikant.

 

Originalstudie

Luna G et al. Infection Risks Among Patients With Multiple Sclerosis Treated With Fingolimod, Natalizumab, Rituximab, and Injectable Therapies. JAMA Neurol. 2019 Oct 7.