Multiple Sklerose

IFNß in der Schwangerschaft

Hellwig et al. J Neurol 2020

Für Interferon beta wurde im September 2019 nach erfolgter Bewertung durch die Europäische Arzneimittelagentur eine Zulassungsänderung zu Schwangerschaft und Stillzeit wirksam.

Update Fachinformation

Viele Frauen mit Multipler Sklerose (MS) und krankheitsmodifizierender Therapie (DMT) sind im gebärfähigen Alter. Für sie ist die Familienplanung ein wichtiges Thema. Bisher gibt es wenige Studien zur Sicherheit von DMT für Schwangere und die kindliche Entwicklung.

Fazit

Die Daten des europäischen Schwangerschaftsregisters deuten nicht darauf hin, dass eine Exposition mit IFN-beta vor Konzeption und/oder während der Schwangerschaft das Risiko für angeborene Fehlbildungen oder Spontanaborte erhöht. 

Literatur

Mehr zu Betaferon®

European Medicines Agency. Europäischer Beurteilungsbericht (EPAR) für Betaferon – Produktinformation.

Praxis Kompakt: Infektionsrisiko unter unterschiedlichen DMT

Unser Themenspecial April 2020

Menschen mit Multipler Sklerose sind anfälliger für Infektionen als die Allgemeinbevölkerung – bestimmte krankheitsmodifizierende Substanzen kö

„Menschen mit Multipler Sklerose sind anfälliger für Infektionskrankheiten als die Normalbevölkerung – dieses höhere Risiko ist seit Jahrzehnten bekannt“, betont Elisabeth Gulowsen Celius, Neurologin am Osloer Universitätsklinikum in ihrem Übersichtsartikel (

Obwohl MS-Kranke heute deutlich seltener stationär behandelt werden müssen als noch vor 30 Jahren, werden sie weiterhin häufiger wegen schwerer Infektionen eingewiesen (Marrie RA et al.

Manche dieser Substanzen können das Infektionsrisiko der damit Behandelten erhöhen. Eine latente Infektion kann reaktiviert werden, asymptomatische Infektionen können aufflammen und neue Erreger leichter eindringen (Pourcher 2019). 

Literatur

MS-Medikamente und Kinderwunsch

Berenguer-Ruiz et al.  J Neurol. 2019

An Multiple Sklerose erkrankten Frauen wird meist empfohlen während einer Schwangerschaft keine krankheitsmodifizierenden Medikamente einzunehmen.

Studie kompakt

Die AutorInnen ziehen folgende Schlüsse:

Bei geplanter Schwangerschaft wird meist empfohlen, die den Krankheitsverlauf modifizierende Therapie (DMT) abzusetzen. Dies kann zum Wiederaufflammen oder zur Progression der Erkrankung führen. Risiken für Mutter und Kind sind genau abzuwägen.

Fazit

Für Leticia Berenguer-Ruiz et al. sprechen die Ergebnisse dafür, dass RRMS-Patientinnen mit Kinderwunsch, die Interferon beta oder Glatirameracetat spritzen, ihre Medikation nicht vor der Schwangerschaft beenden sollten.

Literatur

 

Mehr zum Thema

Seit September 2019 kann Interferon beta auch während einer Schwangerschaft, wenn es medizinisch indiziert ist, und in der Stillzeit eingesetzt werden.

Mütter unter MS-Therapie: Entwicklung der Säuglinge

Ciplea AI et al. Annual Meeting of AAN 2018

Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Stillen unter der Medikation mit IFNβ oder GLAT die kindliche Entwicklung in den ersten 1,5 Lebensjahren nicht beeinflusst.

Literatur

 

Mehr zum Thema

Register DMSKW. MS und Kinderwunsch. Webseite des St. Josef-Hospitals, Bochum.

IFNß in der Schwangerschaft zeigt keinen Einfluss auf kindliche Messwerte bei Geburt

Burkill et al. Breastfeeding PLoS One. 2019

Aufgrund der EU-weiten Zulassungsänderung im September 2019 wurde die Zulassung für Interferon Beta dahingehend aktualisiert, dass die Medikamente auch in der Schwangerschaft, wenn klinisch erforderlich, und in der Stillzeit eingesetzt werden können.

Subanalyse: Burkill et al. verglichen auch die Daten von Neugeborenen, deren Mütter im Studienzeitraum mehrere Kinder bekommen hatten, von denen nicht alle in der Schwangerschaft INFβ ausgesetzt waren.

Literatur

Kaum Interferon beta-1a in der Muttermilch

Hale et al. Breastfeeding Med. 2012

Viele an Multiple Sklerose erkrankte Mütter möchten ihre Kinder stillen, auch unter IFNβ Therapie. Eine texanische Forschungs-Gruppe bestimmte erstmals die IFNβ-1a Konzentrationen in der Muttermilch behandelter Frauen.

Studie kompakt

  • INF beta-1a ging nur in geringen Mengen in die Muttermilch über
  • INF beta-1a Exposition über die Muttermilch blieb für die Stillkinder ohne Nebenwirkungen
  • Oral aufgenommenes Interferon wird wahrscheinlich kaum vom Körper resorbie

Bisher war unklar, wie und in welcher Menge Interferon beta in die Muttermilch gelangt. Thomas Hale und sein Team von der Texas Tech Universität im US-amerikanischen Amarillo haben 2012 erstmals den Übertritt von Interferon beta-1a in die Muttermilch quantitativ erfasst.

 

Literatur

Praxis Kompakt: Stillen unter Interferon Beta

Dank einer Zulassungserweiterung im September 2019 ist der Einsatz von INFß nun auch bei Schwangeren, falls klinisch notwendig, und stillenden Müttern möglich. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Infektionsrisiko unter krankheitsmodifizierender MS-Therapie

Schwedische Studie mit Real World Data

MS-PatientInnen unter Interferon beta und Glatirameracetat sind weniger anfällig für schwere Infektionen als unter Fingolimod, Natalizumab oder Rituximab (off-label

Studie kompakt

  • Infektionsanfälligkeit bei Behandlungsentscheidung berücksichtigen
  • Infektionshäufigkeit unter injizierbaren DMT am geringsten
  • Infektionshäufigkeit unter Rituximab (off-label Behandlung) am höchsten

PatientInnen mit MS haben ein höheres Infektionsrisiko als die Allgemeinbevölkerung – unabhängig davon, ob und wie sie behandelt werden. Bisher fehlten Studien mit realen Gesundheitsdaten (Real World Data), die das Infektionsrisiko nach Behandlungsart stratifizieren.

Infektionen unter Multiple Sklerose-Therapien

 

Nach multivariater Risikoadjustierung bestätigte sich ein signifikant höheres Infektionsrisiko unter Rituximab im Vergleich zu IFNß/GA. Das Risiko unter Natalizumab und Fingolimod war ebenfalls erhöht, jedoch nicht statistisch signifikant.

 

Originalstudie

Luna G et al. Infection Risks Among Patients With Multiple Sclerosis Treated With Fingolimod, Natalizumab, Rituximab, and Injectable Therapies. JAMA Neurol. 2019 Oct 7.

Briefvorlage vom Neurologen für den Gynäkologen

Die interdisziplinäre Kommunikation zwischen Kollegen ist aufgrund von Zeitmangel und Stress oft eine Herausforderung.

Die Briefvorlage bezieht sich speziell auf die Verschreibung von Betaferon, welches mit der Zulassungsänderung für Beta-Interferone nun während der Schwangerschaft, wenn klinisch erforderlich, und in der Stillzeit angewendet werden kann.