Therapien bei MS

Registerstudie zu Interferon beta in der Schwangerschaft

Hakkarainen KM et al., Ther Adv Neurol Disord. 2020

Die Autorin untersuchte, gemeinsam mit ihrem Team, 2831 Schwangerschaften aus den finnischen und schwedischen Gesundheitsregistern.

Studie kompakt

Die Autorin zieht folgende Schlüsse:

Ziel der Studie

Ermittlung der Prävalenz und Vergleich unerwünschter Schwangerschaftsausgänge bei Frauen mit MS, die IFNß ausgesetzt waren, und Frauen mit MS, die nicht DMT-exponiert waren.

 

Schlußfolgerung

Diese große bevölkerungsbasierte Studie zeigte keine Hinweise darauf, dass bei Frauen mit MS eine Exposition mit Interferon beta sechs Monate vor oder während der Schwangerschaft zu einem Anstieg der Prävalenz unerwünschter Schwangerschaftsausgänge führt im Vergleich zu

Literatur

Mehr zum Thema

Seit September 2019 kann Interferon beta auch während einer Schwangerschaft, wenn es medizinisch indiziert ist, und in der Stillzeit eingesetzt werden.

MS-Medikamente und Kinderwunsch

Berenguer-Ruiz et al.  J Neurol. 2019

An Multiple Sklerose erkrankten Frauen wird meist empfohlen während einer Schwangerschaft keine krankheitsmodifizierenden Medikamente einzunehmen.

Studie kompakt

Die AutorInnen ziehen folgende Schlüsse:

Bei geplanter Schwangerschaft wird meist empfohlen, die den Krankheitsverlauf modifizierende Therapie (DMT) abzusetzen. Dies kann zum Wiederaufflammen oder zur Progression der Erkrankung führen. Risiken für Mutter und Kind sind genau abzuwägen.

Fazit

Für Leticia Berenguer-Ruiz et al. sprechen die Ergebnisse dafür, dass RRMS-Patientinnen mit Kinderwunsch, die Interferon beta oder Glatirameracetat spritzen, ihre Medikation nicht vor der Schwangerschaft beenden sollten.

Literatur

 

Mehr zum Thema

Seit September 2019 kann Interferon beta auch während einer Schwangerschaft, wenn es medizinisch indiziert ist, und in der Stillzeit eingesetzt werden.

Multiple Sklerose-Therapien in Schwangerschaft und Stillzeit im Überblick

Für die derzeit auf dem Markt befindlichen Wirkstoffe zur Behandlung der Multiplen Sklerose existieren unterschiedliche Zulassungen in Bezug auf die Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit.

Mit der Zulassungsänderung der Beta-Interferone, z.B. Betaferon, können Frauen ihre Beta-Interferon-Therapie nun auch während der Schwangerschaft anwenden, wenn klinisch erforderlich, und in der Stillzeit fortsetzen bzw. wieder aufnehmen.

Literatur

Therapie- und Verhütungszeiträume

bei Multipler Sklerose und Babywunsch

Heute wird MS-Patientinnen nicht mehr generell von einer Schwangerschaft abgeraten, trotzdem müssen verschiedene Aspekte, insbesondere im Hinblick auf MS-Therapie, berücksichtigt werden.

Je nach eingesetzter Therapieoption müssen Verhütungszeiträume eingehalten werden, die auch über die Therapiedauer hinausgehen können, wenn ein möglicher negativer Einfluss des Wirkstoffes auf die Kindesentwicklung gegeben sein kann.

Interferone (wie z. B. Betaferon) und auch Gilenya, Aubagio und Ocrevus haben individuelle Behandlungszeiträume. Für Lemtrada und Mavenclad sind zwei fixe Behandlungsphasen von 12 bzw. 14 Monaten vorgesehen. Bei diesen Therapien sind darüber hinaus die Verhütungszeiträume von 4 bzw.

Sobald die Interferon-Therapie abgesetzt wird, ist auch keine Verhütung mehr notwendig: Eine runde Sache!

Literatur

Therapielose Zeit vermeiden

Früher wurde MS-Patientinnen häufig von einem Babywunsch abgeraten. Diese Einschätzung hat sich mittlerweile geändert, da immer mehr Daten zeigen, dass eine Schwangerschaft keinen nachteiligen Einfluss auf den MS-Krankheitsverlauf hat.1

Mütter sind bei der Geburt ihrer Kinder heute deutlich älter.3

Hinzu kommt die mit dem Alter abnehmende Konzeptionswahrscheinlichkeit der Frau.4

In der Folge dauert es immer länger, bis Frauen schwanger werden.

Wegen des zunehmenden Alters und der sinkenden Konzeptionswahrscheinlichkeit entsteht ein größeres Zeitfenster zwischen dem Babywunsch und dem tatsächlichen Eintritt der Schwangerschaft.

Mit der Zulassungsänderung im September 2019 ist jetzt eine Therapie mit Interferonen (z. B. Betaferon) auch in der Schwangerschaft, wenn klinisch erforderlich, möglich.6

Literatur

Familienplanung mit Multipler Sklerose

Bei der Multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter, Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer.

Aufgrund zahlreicher neuer Daten ist heute keiner Frau mit MS von ihrem Wunsch nach Kindern abzuraten, sondern es muss dahingehend aufgeklärt werden, dass durch die MS keine negativen Effekte für die kindliche Entwicklung und Geburt zu erwarten sind und der Krankheitsverlauf durch eine Schwangers

Wichtig für die Betroffenen ist, sich im Vorfeld mit dem Thema Babywunsch zu beschäftigen sowie Ängste, Sorgen und Fragen mit Ihnen als behandelnden Neurologen offen zu teilen:

Vor der Schwangerschaft

Bezüglich der Fertilität lässt sich feststellen, dass diese bei Frauen und Männern mit MS nicht eingeschränkt ist.2,3 

Cousin hat MS

0,7%

Nachkomme eines MS-Elternteils

2,0%

Geschwisterkind hat MS

3,5%

Auch das Thema Verhütung spielt, vor allem bei jungen Patientinnen, eine wichtige Rolle. Nach dem derzeitigen Wissensstand gibt es keine Interaktion zwischen oralen Kontrazeptiva und einer MS-Therapie.3

Während der Schwangerschaft

Im Rahmen einer Schwangerschaft kommt es zu multiplen physiologischen Veränderungen, die unter anderem zu einer Änderung des Immunstatus führen und so den Verlauf der Multiplen Sklerose (günstig) beeinflussen können.So nimmt die

Nach der Schwangerschaft

Postpartal kommt es in den ersten drei Monaten häufig zu einem signifikanten Schubanstieg, etwa 30 % der Frauen erleiden in diesem Zeitraum einen Schub.

Weiterführende Informationen

Das unabhängige deutschsprachige Multiple Sklerose und Kinderwunsch Register (DMSKW) ist ein Projekt, in dem prospektiv Daten zu Schwangerschaften oder Kinderwunschbehandlungen von MS-Betroffenen gesammelt werden (weitere Informationen zur

Literatur