Wie sage ich es …?

Ihrer Familie von der Diagnose zu erzählen, ist vielleicht das erste, was Sie tun. Oder Sie überlegen noch, wem Sie davon erzählen, denn gerade am Anfang (und vielleicht für lange Zeit) sieht man die MS gar nicht. Sich den vertrauten Menschen zu offenbaren ist sicherlich ein ganz wichtiger Schritt, denn nur dann können Sie mit dem nötigen seelischen Beistand rechnen, den Sie gut gebrauchen können.

Es ist wahrscheinlich nicht sinnvoll, dass sich sehr kleine Kinder mit der Krankheit MS auseinandersetzen, aber es ist wichtig, dass ihre Fragen nach Bedarf und wenn sie auftreten, beantwortet werden. Kinder merken instinktiv, dass etwas nicht stimmt und dass Sie etwas beunruhigt. Vielleicht schämen sich Kinder auch und verstehen nicht, warum Vater oder Mutter nicht mehr mit ihnen wie bisher spielen kann. Zum Beispiel werden sie ganz genau mitbekommen, wenn Vater oder Mutter nicht mehr richtig laufen kann.

Kinder bekommen sehr schnell Angst und fürchten, dass der Elternteil sterben könnte und dass sie von einem Tag auf den anderen völlig allein gelassen sind. Gelegentlich fühlen sich Kinder sogar verantwortlich für die Krankheit und geben sich die Schuld, dass dies passiert ist. Aus diesem Grund ist es absolut notwendig, mit den Kindern offen über die Krankheit zu sprechen. Die Wahrheit ist kaum jemals so furchterregend wie ihre Ängste. Wie detailliert Sie sie informieren, hängt von ihrem Alter und ihrer Reife ab.

Ältere Kinder und Jugendliche müssen informiert werden, aber es bedarf einer umsichtigen Herangehensweise. Obwohl sie äußerlich ruhig und möglicherweise sogar gleichgültig erscheinen, sind sie höchstwahrscheinlich sehr betroffen. Man kann ihrer Angst jedoch mit Informationen begegnen. Wenn die Kinder Sorgen äußern, sollten Sie sofort darauf eingehen und Sie sollten ihnen auch zu verstehen geben, dass Sie jederzeit bereit sind, mit ihnen die aufkommenden Fragen zu besprechen.

Jugendliche wollen wie Erwachsene behandelt werden und wenn ihnen nicht zugestanden wird, eine verantwortungsvolle Rolle bei einem Familienproblem zu übernehmen, sind sie oft verletzt und nachtragend und zeigen ein destruktives Verhalten. Wenn sie aber zur Mitarbeit und zum Mitdenken ermutigt werden, werden sie oft erstaunlich reif und können eine wichtige Quelle der Stärke werden. Wenn Sie versuchen, das Problem für sich zu behalten, werden Sie damit den Jugendlichen ihre Angst und ihre Befürchtungen nicht nehmen.

Den eigenen Eltern von der Diagnose zu erzählen, kann auch schwierig sein. Für Eltern ist es sehr schwer, die Diagnose ihres Kindes zu akzeptieren und es ist äußerst wichtig, sensibel mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen umzugehen. Besonders Mütter werden wahrscheinlich extrem fürsorglich sein und fühlen sich nicht selten Schuld an der Krankheit ihres Kindes.