Spritze oder Tablette?

Beides ist möglich. Die ersten Medikamente zur immunmodulierenden MS-Therapie kamen als Spritze auf dem Markt. In Tablettenform gab es die Medikamente erst später.

Mit Beta-Interferonen kamen Mitte der 1990-er Jahre erstmals Arzneistoffe auf den deutschen Markt, für die nachgewiesen werden konnte, dass sie die Häufigkeit und Schwere von Krankheitsschüben reduzieren können. Diese Medikamente werden als Injektion angewendet, entweder direkt unter die Haut oder in den Muskel gespritzt. Als Tablette wären diese Medikamente nicht wirksam, weil die empfindlichen Wirkstoffe nach einer Magen-Darm-Passage in unzureichender Menge ins Blut gelangen würden.

Da man diese MS-Medikamente regelmäßig spritzen muss, ist es in jedem Fall sinnvoll, das Spritzen möglichst selbst zu erlernen. Dadurch wird man unabhängig von ständigen Arztbesuchen und kann seine Therapie selbstständig „erledigen“. Sich selbst zu spritzen, hört sich zunächst vielleicht etwas unangenehm an. Aber die meisten Patienten kommen damit schon nach kurzer Zeit sehr gut zurecht. Ganz ähnlich den vielen Menschen, die Insulin oder Heparin spritzen müssen, empfindet man das Spritzen dann meist als zwar lästige, aber harmlose Routine. Für viele Patienten wird diese Routine so normal wie das Zähneputzen.

Es gibt auch MS-Therapien, die als Tabletten eingenommen werden. Das mag auf den ersten Blick einfacher erscheinen als die Selbstinjektion. Welche Therapie für „Ihre“ MS die richtige ist, entscheiden Sie am besten gemeinsam mit Ihrem Arzt. Wenn Sie selbst „hinter der Therapie“ stehen, also von der Notwendigkeit überzeugt sind, wird es Ihnen leichter fallen, die Therapie auch langfristig anzuwenden.