Schwangerschaft und Stillzeit

Eine Schwangerschaft kann sich positiv auf die MS auswirken. Durch die Schwangerschaft kommt es zu einer Hormonveränderung im Körper, die auch zu einer Veränderung des Immunstatus führt. Dies kann den Verlauf der MS in der Schwangerschaft günstig beeinflussen. Die Schubraten nehmen während der Schwangerschaft meist kontinuierlich ab, oft bis zu 80 % im letzten Drittel.

Die Schwangerschaftsverläufe von Frauen mit MS und gesunden Frauen sind ähnlich. Es wird davon ausgegangen, dass durch die MS kein erhöhtes Risiko hinsichtlich Komplikationen in der Schwangerschaft, Spontanaborten oder Frühgeburten besteht. Es wurde ebenso kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen bei Kindern von Frauen mit MS beobachtet.

Falls es während der Schwangerschaft zu einem Schub kommen sollte, wird Sie Ihr Arzt ausführlich beraten, welche Behandlungsmöglichkeiten in Frage kommen.

Einschränkungen für die Geburt sollten sich durch die MS nicht ergeben. Der Schubanstieg nach der Geburt ist unabhängig von der Art der Entbindung. In den ersten drei Monaten nach der Geburt kann es zu einem Schubanstieg kommen - etwa 30% der Frauen erleiden in den ersten 3 Monaten nach der Geburt einen Schub. Im zweiten Trimenon nach der Geburt geht die Schubrate auf das (unbehandelte) Niveau von vor der Geburt zurück. Es lässt sich grundsätzlich sagen, dass eine Schwangerschaft keine längerfristigen negativen Effekte auf den weiteren Krankheitsverlauf hat.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass Sie Ihr Kind stillen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, zirka 4 bis 6 Monate voll zu stillen. Es gibt Untersuchungen, die einen moderaten positiven Effekt von ausschließlichem Stillen auf die Schubrate nach der Geburt zeigen. In der Stillzeit werden die verlaufsmodifizierenden Therapien ausgesetzt. Eventuell auftretende Schübe können auch in der Stillzeit mit hochdosierten Kortikosteroiden behandelt werden. Danach wird allerdings eine Stillpause von 4 Stunden empfohlen. Nach dem Abstillen kann mit der MS-Therapie wieder begonnen werden. Die Frage, ob das Baby gestillt werden soll, ist ganz allein Ihre Entscheidung! Jede Mutter muss für sich selbst entscheiden, ob sie stillt oder lieber Flaschennahrung für ihr Baby nehmen will. Wenn Sie nicht stillen möchten, ist eine zügige Wiederaufnahme der medikamentösen MS-Therapie nach der Geburt empfehlenswert.

Registerdaten

Das unabhängige deutschsprachige Multiple Sklerose und Kinderwunsch Register (DMSKW) ist ein Projekt, in dem prospektiv Daten zu Schwangerschaften oder Kinderwunschbehandlungen von MS-Betroffenen gesammelt werden. Hierdurch sollen Daten gewonnen werden, um offene Fragen zum Thema Kinderwunsch und MS besser beantworten zu können. In einem neuen Teilprojekt sollen außerdem Kleinkinder im Alter zwischen 1,5 bis 6 Jahren von Müttern oder Vätern mit MS mit Hilfe eines Entwicklungsfragebogens nachbeobachtet werden. Weitere Informationen finden Sie online unter www.ms-und-kinderwunsch.de