Bewegung und Sport sind auch und gerade bei Multipler Sklerose wichtig und absolut empfehlenswert. Aber es kommt natürlich auf das richtige Maß an. Sich zu überfordern macht keinen Sinn. Und es gibt auch durchaus Sportarten, die nicht so empfehlenswert sind.

Grundsätzlich muss man allen Menschen, deren körperliche Fitness eingeschränkt ist, von gefährlichen und unfallträchtigen Sportarten abraten. Das gilt natürlich vor allem dann, wenn Sie gerade unter Beschwerden wie Gleichgewichtsstörungen, Muskelschwäche oder starker Erschöpfung leiden. Und auch wenn Sie festgestellt haben, dass körperliche Erhitzung zur Verschlechterung Ihrer Symptome führt (Uhthoff-Phänomen), ist Zurückhaltung angebracht. Wobei es natürlich auch hier immer auf das Maß ankommt. Beispiel Skifahren: Ein halbwegs gemächliches Heruntergleiten auf der blauen Piste ist etwas anderes als das Herunterpreschen im Tiefschnee.

Folgende Regeln zum Thema Sport sollten Sie mit MS in jedem Fall beachten:

  • Teilen Sie Ihrem Arzt Ihr Sport-Vorhaben mit und holen Sie sich seinen Rat ein!
  • Versuchen Sie sich ruhig in mehr als einer Sportart und beurteilen Sie dann, was Spaß macht und Ihnen gut tut. Nutzen Sie Schnupperstunden in Sportclubs und -studios oder Tanzschulen.
  • Beginnen Sie den Sport langsam und bauen Sie langsam Kondition und Kraft auf. Vermeiden Sie beim Sport Stress und Leistungsdruck. Maßstab aller Leistung und auch des Spaßes sind allein Sie und Ihr Körper.
  • Ein akuter MS-Schub macht meist ein Kürzertreten erforderlich. Vermeiden Sie Überanstrengungen.
  • Vermeiden Sie längere Sportpausen und trainieren Sie möglichst regelmäßig.
  • Meiden Sie Sport bei zu warmen Umgebungstemperaturen (besonders im Sommer zur Mittagszeit, bei praller Sonne aber auch in überheizten Räumen).
  • Vermeiden Sie Überanstrengung. Bei bekanntem Uhthoff-Phänomen sollten Sie Ihr Ausdauertraining lieber mit reduzierter Intensität betreiben.
  • Sport im Wasser sorgt für Kühlung. Dabei sollte die Wassertemperatur aber nicht über 28 Grad Celsius betragen.
  • Sorgen Sie für Abkühlung durch kalte Getränke und Lutschen von Eiswürfeln. Und nach dem Sport hilft langsame Abkühlung durch Duschen oder kalte Fußbäder.
  • Tragen Sie zur sportlichen Aktivität passende, atmungsaktive Kleidung. Abkühlung verschafft auch sogenannte Kühlkleidung (wie Westen mit Kühlaggregaten).

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild
Audiodatei

Steve erzählt, wie wichtig Sport und Bewegung für jeden von uns sind. Früher hat er professionell Fußball gespielt. Heute sagt er:

„Ich mache zum Beispiel fast täglich mein - ja nicht Rehasport, wie heißt es? Physiotherapiesport.“ Dabei ist ihm wichtig: „Ich soll auf meinen Körper hören. Also wenn es mir nicht gut geht, soll ich es nicht machen, was ich auch immer mache.“

Download Audio-Datei (17,4 MB) Download Transkript (18,9 KB) Transcript lesen

I: Willkommen zu einem neuen NeoDoc MS-Spezial-Podcast. Schön, dass du eingeschaltet hast und auch heute wieder mit dabei bist. Gemeinsam möchte ich mich mit dir und mit Steve an meiner Seite über das Thema Sport und Bewegung bei Multipler Sklerose unterhalten. Wir alle wissen ja, wie wichtig Sport und Bewegung sind; für jeden von uns. Und gleichzeitig ist natürlich jeder Körper von uns anders. Was dem Einen gut tut, ist nicht unbedingt für den Anderen förderlich. Ich freue mich aber, dass Steve heute neben mir sitzt; und mit ihm möchte ich mich jetzt einmal darüber unterhalten, was denn für ihn Bewegung ist und ob er noch Sport macht. Und nun wollen wir aber beginnen. Also viel Spaß dir beim neuen NeoDoc MS-Spezial-Podcast!
 


I: Steve, wie gelingt es dir, den inneren Schweinehund immer wieder zu überwinden? 

B: Gute Frage. Hauptsächlich durch gute Freunde und auch, weil man sich dann auch besser fühlt. Es ist ja nicht nur jetzt die Krankheit betroffen, sondern auch der ganze Körper. Man kann teilweise besser denken. Ich habe es damals schon im Studium gemerkt usw., dass wenn du irgendwo festsitzt, einfach mal rausgehst. Es muss ja nicht mal Hochleistungssport sein. Einfach mal eine Runde laufen oder spazierengehen, dass der Kopf wieder frei wird. Das hilft dir da auch ziemlich gut. Und z.B. jetzt auf die MS gesehen, wenn ich Muskelzittern habe, wenn dann auch teilweise die Hand verkrampft usw., dann irgendwas, was es lockert wie z.B. wenn die Hand verkrampft, Liegestützen auf den Fingern. Tut zwar am Anfang übelst weh, aber es hilft im Nachhinein. Wenn man es dann ab und zu mal macht, vor allem, wenn man es dann lernt zu machen, dann wird das besser und besser, weil es natürlich auch die Muskulatur stärkt. Aber vor allem die Krämpfe hören dann auch auf. Ich habe das jetzt, gehe einfach manchmal auch - mittlerweile scheiße ich mir da auch nichts mehr drum, wenn ich das sagen darf - wenn ich irgendwo bin bei Freunden oder so: Du, hey! Die wissen es auch, was ich habe. Die wichtigsten Leute wissen es eh, weil man sich ja vernünftig darüber unterhält, weil es ist ja auch scheiße, wenn dann mal was ist. Und wenn ich dann einfach mal am Boden gehe, mal kurz zwei mache oder was, weil es mir einfach besser geht. Und damit hat auch keiner ein Problem. Und ja, was auch wichtig ist, sind halt auch Freunde, mit denen man Sport macht, weil es einfach Gemeinsamkeiten sind. Die eine will abnehmen, der Nächste will fit bleiben, der Nächste will fitter werden. Man hat einfach auch gemeinsame Interessen.  

I: Wie wichtig ist denn bei dir jetzt Mannschaftssport? Oder gehst du eher alleine ins Fitnessstudio und auf die Gymnastikmatte? 

B: Also Fitnessstudio überhaupt nicht mehr. Ich mag das pure Pumpen überhaupt nicht. Das ist eher langweilig. Mannschaft und alleine ist trotzdem da. Also ich mache z.B. fast täglich mein - ja nicht Rehasport, wie heißt es? So Physiotherapiesport, was sie mir gezeigt haben, so eine Art Balance Board habe ich da oder halt auch so Übungen z.B. mit Dehnen und was, einfach für meine Beine, wo ich die meisten Probleme habe. Das dauert so, ja, täglich viertel Stunde, 20 Minuten. Und dann kommt es darauf an. Manchmal mache ich einfach so Übungen, aber ich mache auch viel mit meinen Freunden oder halt, ich war früher regelmäßig im Boxen drin. Da gehe ich jetzt auch noch hin, wie es geht. Leider geht es nicht mehr so wie früher, da es ziemlich wankt bei mir in letzter Zeit. Deswegen wie ich es halt kann. Habe das eben am Anfang auch mit meinen Trainern geredet, dass die Bescheid wissen, wenn ich halt nicht mehr kann, dass ich mich einfach mal kurz hinhocke oder einfach auf die Seite stelle, weil gerade irgendwas ist. Und dann mache ich aber auch weiter. Und das verstehen die auch total. Im Gegenteil, der eine Trainer, der feiert mich total immer, wenn ich komme, weil er sagt: Gas geben und für die Krankheit kann ich nichts, aber dass ich immer noch versuche weiterzukämpfen, auch wenn ich nicht mehr in den Ring darf, findet er toll. Und es funktioniert. Und man muss sich auch nichts scheißen. Es gibt immer Idioten, die sich dann einen auslachen, weil du dann auf einmal irgendwas hast oder sonst was. Aber da kommen halt auch andere her, die total begeistert sind, wenn die dann mitkriegen: Oh hey, du hast das. Ein Kumpel von mir, der lässt sich total gehen, der sitzt im Rollstuhl. Und du kämpfst, super geil. Habe ich auch schon erlebt. 

I: Hat der Sport denn Auswirkungen auf deine körperlichen Funktionen? Sprich Verbesserung der Koordination, des Blutdrucks oder vielleicht Herz-Kreislauf-Systems? 

B: Herz-Kreislauf-System und Koordination auf jeden Fall. Also Blutdruck hatte ich noch nie Probleme mit, da kann ich jetzt nicht darüber reden. Aber Koordination auf jeden Fall, vor allem von den Beinen, da bei mir immer die Beine auch mein Hauptthema sind, die auch teilweise - wie soll man sagen - aussetzen oder mir auch gern mal das Knie wegklappt. Ich weiß jetzt nicht, wie das medizinisch so Klappgelenk oder wie das heißt. Es bringt auf jeden Fall viel. Ich habe damit die Häufigkeit verringert, was sehr angenehm ist. Und jeder der das hat, weiß, wie bescheuert das ist, wenn man irgendwas macht und dann auf einmal das Knie wegzieht und man sich einfach irgendwo in die Gegend reinlegt. 

I: Du machst jetzt sehr, sehr viel Sport. Was ist denn die Meinung deines Arztes dazu? 

B: Ich soll auf meinen Körper hören. Also wenn es mir nicht gut geht, soll ich es nicht machen, was ich auch immer mache. Aber ich schaue schon, dass ich drei-, viermal die Woche Sport mache. Aber es gibt halt auch Wochen jetzt wie in letzter Zeit, wo ich jetzt drei Wochen einfach ausgesetzt habe, weil es nicht ging. Und das muss man halt einfach akzeptieren. Aber wichtig sind halt die Freunde drum rum. Man fühlt sich besser und man muss es halt trotzdem akzeptieren, was man hat und was man ist. Aber nur, weil ich jetzt eine Krankheit habe und deswegen aussetzen muss, bin ich nicht weniger wert, sondern ich bin noch genauso viel wert. Weil A kann ich nichts dafür und trotzdem gehe ich in meinem Leben weiter. 

I: Wie wichtig ist es denn für dich, unter die Leute zu kommen? Und jetzt erst mal weg vom Sport in dem Gespräch zu gehen, sondern Richtung Bewegung, wie wichtig ist es wirklich, für Leute sich aktiv an der frischen Luft zu bewegen? Und würdest du sagen: Ja, das wirkt sich positiv auf die Krankheit aus? 

B: Natürlich. Also ich gehe vor allem jetzt hier im Frühling, im Sommer fast täglich auch alleine spazieren, weil es einfach auch für Gemüt gut tut. Und ich merke auch den Unterschied zwischen Tabletten und der Sonne. Und aber auch so ist mit Freunden einfach mal spazierengehen und rausgehen oder auch mal mit der Freundin einen romantischen Spaziergang, wer kennt das nicht. Das ist ja auch ganz wichtig. Auch außerhalb der Krankheit. 

I: Was würdest du Hörerinnen und Hörern raten, die momentan kaum oder gar nicht Fitness machen? Wie sollten sie starten? 

B: Gute Frage. Also ich weiß, wie ich damals gestartet habe. Mich hat ein Kumpel dazu gezogen. Ich kenne auch andere, die von selber dann einfach rausgekommen sind, weil sie einfach was ändern wollten. Aber wenn sie krank sind und nicht wissen, wie ist es vielleicht sinnvoll, auf jeden Fall mal vorher mit dem Arzt zu reden. Ich weiß, ich habe damals, als ich die Diagnose bekommen habe, auch direkt damals mit meinen Arzt geredet und er hat mir sehr gute Tipps gegeben, z.B. was die Krankenkassen unterstützen, die einem auch Beratungsgespräche geben, wie man gut reinstartet. Es gibt ja auch Sport oder vielleicht nicht nur unbedingt einen Sport, sondern auch die Art und Weise, wo man sich auch verschlechtern könnte. Und deswegen einfach mal mit den Leuten reden. Viele Trainer haben auch eine gute Ahnung, also Fitnessstudio bringt auch was. Man braucht halt ein gutes. Also nicht nur eines, wo man reingeht, wo man keine Beratung hat, nur weil es billig ist, da rein gehen und nur drücken, das ist Quatsch. Auf jeden Fall jemand, der dir auch beibringt, das richtig zu machen, weil man außerhalb der Krankheit sich ja auch verletzen kann. Wie z.B. keine Ahnung, wenn man die Klimm-, nein Klimmzüge nicht, aber wenn man jetzt mit der Hantelstange falsch macht und dann Sehnen verletzt oder sonst was, das geht ja auch.

I: Auf jeden Fall sehr, sehr wichtig, was Steve gerade abschließend gesagt hat. Nämlich, dass wir unsere Sportübungen alle auch richtig ausführen. An dieser Stelle möchte ich mich ganz Herzlich bei Steve für das Interview bedanken und wie bereits zu Beginn des Podcast angesprochen, kann man diese Meinung natürlich nicht pauschalisieren. Es handelt sich hier nur um einen Einblick, den Steve gibt. Aber vielleicht hilft es auch dir weiter, um einmal mehr über das Thema Sport und Bewegung nachzudenken. Vielleicht kannst auch du davon profitieren, was Steve gesagt hat. Das kleine Wort Sport mit den fünf Buchstaben ist natürlich schon eine Ansage für sich. Und gerade mit der Diagnose MS muss man hier aufpassen, dass man wirklich nichts falsch macht. Wenn du mit deiner behandelnden Ärztin, oder deinem behandelnden Arzt, über das Thema Sport gesprochen hast, und sie bzw. er dir davon abrät, dann ist womöglich einer der nächsten Podcasts für dich von Interesse. Hier möchten wir gemeinsam über das Thema Krankentherapie, Physiotherapie und Ergotherapie reden. Schau also einfach noch einmal vorbei. Und nun vielen Dank an dich Steve, dass du für das Interview zur Verfügung standest; und auch an dich zu Hause, dass du wieder einmal mit dabei warst und eingeschaltet hast, wenn NeoDoc mit dem MS Spezial-Podcast wahre Geschichten von Betroffenen erzählt. Alles Gute für dich und bis zum nächsten Mal, dein NeoDoc-Team!

Bild
Audiodatei

Krankengymnastik, Ergotherapie und Physiotherapie sind für Meinhard besonders wichtig. Meinhard ist auf den Rollstuhl angewiesen und erfährt zu Hause Unterstützung:

„Die Therapeuten kommen zu mir nach Hause. Zweimal die Woche Physiotherapie, also jetzt Krankengymnastik plus Lymphdrainage, zweimal die Woche auch Ergotherapie. Also da bin ich gut versorgt.“

Download Audio-Datei (25,4 MB) Download Transkript (27,8 KB) Transcript lesen

Und wir sind wieder auf Sendung! Ich begrüße dich ganz herzlich zu einer neuen Ausgabe des NeoDoc MS-Spezial Podcasts! Dein Podcast, in dem Betroffene wahre Geschichten erzählen. Geschichten über sich, ihren Alltag und die Diagnose Multiple Sklerose. 

Vor ein paar Tagen hieß es für uns in der Redaktion: Auf in die Wein- und Domstadt Worms. Worms liegt in Rheinhessen, 40km südlich von Mainz. Vielleicht hast du von der Stadt auch schon einmal etwas in Zusammenhang mit Martin Luther oder der Nibelungensage gehört. Einmal im Jahr finden hier auch seit einigen Jahren die Nibelungenfestspiele statt. Zudem ist die Stadt für das hervorragende Weinanbau-Klima bekannt. Wein siehst du so weit das Auge reicht. In Hülle und Fülle.  

Wie konnte es da anders sein, als dass wir uns gemeinsam mit Meinhard in einem Weingut getroffen haben. Neben Wein gibt es natürlich auch leckeren Traubensaft, den man bei den sommerlichen Temperatuen gemischt mit etwas Wasser genießen kann. Auch für dich ganz lecker, wenn du mal etwas Abwechslung in deine Trinkgewohnheiten bringen magst.  

Meinhard ist auf den Rollstuhl angewiesen. Er erzählt, wie es bei ihm zur MS kam, wie bei ihm die Diagnose gestellt wurde und was er unternimmt, um sich fit zu halten. Krankengymnastik, Ergotherapie und Physiotherapie sind für ihn besonders wichtig um sich seine Selbstständigkeit möglichst zu erhalten. Dies uns was er ansonsten unternimmt, um mobil zu bleiben: jetzt, in unserer neuen Ausgabe von NeoDoc MS-Spezial. Viel Spaß! 
 


I: Meinhard, du hast selber die Diagnose MS gestellt bekommen, wie kam es denn dazu und wann war das bei dir? 

B: Das war die Diagnose am 14. Februar 2006, zum Valentinstag. Und wie es dazu kam: Ausfallerscheinungen am rechten Bein, das rechte Bein wollte nicht mehr, was ich wollte, der rechte Arm konnte nicht mehr schreiben, das war so an und für sich das Geläufigste. 

I: Welchen Stellenwert haben denn heute Fitness und Bewegung für dich? 

B: Ha!! Einen großen, weil das ja nicht mehr so geht. Die Bewegung ist eingeschränkt bei mir und Fitness, naja gut, Fitness ist/ Nein, Fitness geht, finde ich, kann man anstatt am Motomed ein bisschen, das ist an und für sich Fitness, Armbewegungen und Fahrradfahren am Motomed aber sonst lässt das zu wünschen übrig. 

I: Lass uns kurz einmal definieren, was der Motomed eigentlich genau ist. Denn das weiß sicher nicht jeder. Das ist also ein motorbetriebener Bewegungstrainer, zum Beispiel für Rollstuhlfahrer, mit dessen Hilfe du deine Arme und Beine schonend bewegen kannst. Er eignet sich also besonders für Menschen mit Bewegungseinschränkungen. Und was heißt bei dir jetzt genau, deine Fitness lässt zu wünschen übrig? Wie hältst du dich ansonsten fit?

B: Ja, wie gesagt, am Motomed, das ist Fahrradfahren, dann der Armtrainer auch am Motomed und die Krankengymnastik hauptsächlich und dann halt so Gangübungen, versuchen aufstehen und das ist halt alles nicht mehr so wie früher. 

I: Und machst das zu Hause oder wo machst du das? Und wie oft in der Woche?

B: Ja, zu Hause. Die Therapeuten kommen zu mir nach Hause. Zweimal die Woche Physiotherapie, also jetzt Krankengymnastik plus Lymphdrainage, zweimal die Woche auch Ergotherapie. Also da bin ich gut versorgt. 

I: Meinhard, würdest du denn sagen, das reicht dir auch an Therapieübungen und Unterstützung? Oder würdest du gerne noch mehr machen? 

B: Es reicht nicht. Ich war jetzt in Reha fünf Wochen lang und da ist der Anspruch vier- bis fünfmal die Woche und dann merkt man auch Verbesserungen. Also ich habe gemerkt, dass ich Muskelkater bekommen habe an einer Stelle, wo ich schon lange nicht mehr gewusst habe, dass da Muskeln sind und dann merkt man auch dann, dass Verbesserungen entstehen, das merkt man dann direkt. 

I: Was ist denn deine Meinung generell zu Fitnessübungen zu Hause? 

B: Man braucht immer jemanden, der einen antreibt, weil der innere Schweinehund siegt meistens und dann sagt man, nein, machen wir heute nicht, lieber einen Kaffee trinken. Das ist so. Also wenn man alleine ist, man muss sehr diszipliniert sein, sage ich mal, aber das ist der Mensch nicht freiwillig. Also man bräuchte einen, wo einem hinten reintritt. 

I: Lass uns doch bitte noch einmal das Stichwort „Reha“ aufgreifen. Wie kam es denn bei dir dazu, dass du eine Reha verordnet bekommen hast?

B: Normalerweise sollte man mit Multiple Sklerose alle zwei Jahre, wenn möglich ist, hingehen, um die Bewegungen beizubehalten, bei mir kam das aber aus einer Trotzreaktion, ich habe jetzt die MS schon einige Jahre, war auch schon lange nicht mehr in Reha und mir haben sie hier das Medikament, ich muss jetzt leider sagen, das war das Fampyra, das haben sie mir gestrichen von der Krankenkasse und dann habe ich gedacht, nein, aufgrund dessen, dass sie es mir streichen, dass wir es hier nicht mehr kriegen in Rheinlandpfalz, dann mache ich eine Reha. Dassoll dann so richtig Geld kosten.Und dann wurde die Reha relativ schnell genehmigt und in der Reha habe ich erfahren, man kann sogar jedes Jahr in Reha gehen. Man sollte es immer probieren und normalerweise funktioniert es. 

I: Das heißt du wirst jetzt auch schauen, dass du jedes Jahr diese Reha in Anspruch nimmst? 

B: Ja. 

I: Was musstest du denn machen, um Reha zu beantragen? Hast du für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer ein paar Tipps, wie und wo sie sich weiter über das Thema informieren können?

B: Man muss mit seinem Arzt, mit seinem Neurologen, reden darüber und wenn der das befürwortet, was er auch im Normalfall tun sollte, wenn es ein guter Neurologe ist und dann beantragt der das bei der Krankenkasse, das heißt der macht einen Antrag, du gibst ihn selber ab, Begründung natürlich, warum, wieso, weshalb und dann geht das meistens durch. Wenn es nicht durchgehen sollten, dann muss man halt dann Widerspruch einlegen und dagegen eventuell auch klagen. Also man hat teilweise, wenn es schlecht läuft, einen sehr großen bürokratischen Aufwand aber im Normalfall sind die Krankenkassen einsichtig, weil sie gemerkt haben, bei dem und dem Patienten, der ist sehr klagefreundlich und macht was für seine Ziele und dann sagen sie schon eher Ja. Also man muss schon was tun. 

I: Um es mal genau zu sagen versteht man unter Reha die sogenannte Medizinische Rehabilitation. Hier hört man auch oft, dass der Umgamg mit Werkzeugen, die einen im Alltag unterstützen, gelehrt wird. Ich denke hier an Werkzeuge, die dich beim Essen oder Schneiden unterstüzen. Was hältst du davon und nutzt du auch solche Alltagshilfsmittel zu Hause?

B: Nein, zu Hause nicht aber ich habe es in der Reha gelernt, also sie haben es mir nahegelegt, dass ich dann so anderes Besteck nehmen sollte, wo die Griffe etwas dicker sind, wo vielleicht auch gebogen sind, so wie früher bei den Kindern, diese Lernwerkzeuge, dieses Lernessbesteck und das ist ungewohnt, sage ich mal, als erwachsener Mensch aber es ist dann doch schon/ man merkt, es ist hilfreich. Also ich weiß noch nicht genau, ob ich mir das jetzt zulegen werde aber man kann damit liebäugeln, sage ich mal. Also ich bin nicht abgeneigt, sagen wir so. 

I: Das heißt bei dir, du bist momentan noch mit deiner Koordination zufrieden? 

B: Jain. Also das ist auch Tagesform abhängig. Ich sage mal, ja, ich kann damit leben, sagen wir mal so. 

I: Und wenn du sagst, das ist Tagesform abhängig, würdest du sagen das liegt wirklich an der MS oder gibt es da vielleicht noch was anderes, was da mit reinspielt? 

B: Nein, das liegt an der MS. Das sind die Tagesformen, wie man sich fühlt, ob man genug Kraft hat oder wenig Kraft. Man merkt das morgens beim Aufstehen schon, ob das ein guter Tag wird oder ein schlechter Tag. Also bevor ich aufstehe, mache ich einmal so einen inneren Scan von mir, was ist noch und was funktioniert noch. Ich habe diese primär progrediente Form und da kann für mich jeder Morgen eine Überraschung sein. Aber im Moment bin ich zufrieden so weit. 

I: Wie wirkt sich das Training auf deinen Körper aus? Merkst du, dass es dir besser geht, wenn du physiotherapeutische Übungen machst? 

B: Nicht wirklich, also ich denke dann immer wieder, ah, dann tut mir das weh und dann tut mir das weh und ah, wieder da Verrenkungen und da wieder Muskeln, wo früher eigentlich normal war, dass da Muskeln waren, Muskeln an den Armen oder so, dann sage ich immer, da, wo früher Muskeln waren, sind jetzt Krampfadern. Aber das ist alles sehr/ weil der ganze Körper ist marode, sage ich mal, der ist einem Zustand, wo ich nicht will, wo nicht sein soll aber ich kann nicht raus, das ist das Problem. Aber im Nachhinein hilft es doch. Also ohne wäre es noch schlimmer. 

I: Was sagt denn dein Arzt zu MS und Fitness, befürwortet er das oder sagt er, da muss man aufpassen? 

B: Nein, mein Neurologe sagt: mach. Der sagt immer, Physiotherapie, also Krankengymnastik hauptsächlich, dann diese Gangübungen, Aufstehübungen, Kräftigungsübungen, das heißt Muskelaufbau ein bisschen und auch Ergotherapie, das sind diese Feinmotorik oder auch diese kognitiven Sachen, das ist alles sehr wichtig, weil das verkümmert, das verkümmert wirklich, weil man macht selbst nichts, sage ich mal und wenn eine Therapeutin da ist, dann wird man ein bisschen gezwungen und das ist auch ganz gut so. 

I: Ab und an hört man auch, dass das Schwimmen ganz gut tun kann. Denn jedes Kind weiß ja: im Wasser bin ich beinahe schwerelos und alles fällt einem leichter. Bist du auch davon überzeugt und gehst selber ab und an mal zum Schwimmen?

B: Ich habe gelesen und gehört und habe auch die Selbsterfahrung gemacht, im Wasser gibt es keine Balken, also ich habe Wassergymnastik gemacht, also am Anfang geschwommen noch, wo ich konnte, jetzt aber kann ich nicht mehr - also Schwimmen, ich weiß es nicht, ich glaube es nicht - aber das Wasser ist meistens zu warm in diesen Therapiebädern und dann ist es, wie gesagt, man macht mehr, als man eigentlich soll und kann. Wobei, dem einen tut es gut und dem anderen tut es nicht gut. Aber mir tat es damals nicht gut, ich habe zu viel gemacht und hatte dann keine Kraft mehr draußen im normalen Leben dann. Ich konnte beim Duschen kaum das Duschzeug halten, irgendwas, das war sehr schlimm. Also ich habe mich selbst überschätzt im Wasser. 

I: Meinhard, zum Schluss möchte ich dir an dieser Stelle die Frage stellen: auf was bist du stolz? Gibt es Erfolge, auf die du stolz bist? Und wie gelingt es dir dich immer und immer wieder neu zu motivieren?

B: Trotz der MS? Also ich habe meinen Lebensmut behalten und bin trotzdem noch witzig und alles, das Leben geht ja weiter, nur anders. Aber ich bin stolz noch darauf, dass ich zu Hause noch mit Rollator laufen kann ein paar Meter und dass ich noch dicht bin, oben und unten, sage ich mal, das ist auch wichtig, dass das noch funktioniert.

I: Und damit ein herzliches Dankeschön an dich, lieber Meinhard. Du hast uns in diesem Interview einmal mehr gezeigt, dass man auch trotz Rückschlägen seine lockere und positive Art beibehalten kann. Auch wenn die MS bei Betroffenen mit Einschränkungen in der Mobilität einhergeht: du schaffst es, dir deine Selbstständigkeit möglichst zu bewahren und immer und immer wieder den Inneren Schweinehung zu überwinden, um fit zu bleiben. Meinhard, ein herzliches Dankeschön an dich! Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft!

Wenn dir das Interview mit Meinhard gefallen hat, dann hört auch das nächste Mal wieder rein, wenn wir mit Meinhard gemeinsam darüber sprechen, wie es als Rollstuhlfahrer ist, in der Stadt unterwegs zu sein. Welche Herausforderungen gilt es zu bewältigen? Und was klappt schon richtig, richtig gut in unserer Gesellschaft? All das und viele weitere Themen im NeoDoc MS-Spezial Podcast! 

Ich bedanke mich bei dir für das freundliche zuhören und wünsche nun einen schönen Tag! Alles Gute!

Bild
Audiodatei

Alina ist ausgebildete Physiotherapeutin und anerkannte Hippotherapeutin. MS-Betroffene profitieren bei ihr von der Hippotherapie:

„Ich sehe immer wieder, wie man auch Leute motivieren kann auf Pferden, die eigentlich eher so einen depressiven Ausdruck hatten.“ Sie sagt, dass wenn „MS typische Anzeichen wie eine Spastik, ein Rigor, ein Tremor vorhanden sind, das alles positiv über die Hippotherapie beeinflusst wird.“

Download Audio-Datei (21,8 MB) Download Transkript (23,8 KB) Transcript lesen

I: Ich begrüße dich ganz herzlich zum NeoDoc MS Spezial-Podcast, dein Podcast über Multiple Sklerose mit Geschichten von Betroffen aus dem wahren Leben. Heute wechseln wir einmal die Perspektive und schauen nicht aus der Sicht eines Betroffenen oder einer Betroffenen, sondern wir gucken, was Alina Giesen so macht. Ich bin zu Gast auf dem Gut Reuschenberg und unterhalte mich mit Alina über die Hippotherapie. Neben der medikamentösen Therapie kann sich die Hippotherapie als eine ergänzende physiotherapeutische Einzelbehandlung mit und auf dem Pferd positiv auf den Verlauf deiner MS auswirken. Die Hippotherapeutin Alina reitet selbst schon seit 1996 und hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Als staatlich geprüfte Physiotherapeutin hat Alina noch zusätzlich die Ausbildung zur Hippotherapeutin absolviert. Mit viel Engagement und Verstand zeigt Alina, wie MS-Betroffene von der Wirkungsweise der Hippotherapie profitieren können. Und nun wünsche ich dir viel Spaß bei NeoDoc MS Spezial-Podcast mit Alina über die Hippotherapie.
 


Ja, ich bin hier auf dem Gut Reuschenberg. Vielen Dank, Alina, dass du dir die Zeit nimmst, jetzt Fragen zur Hippotherapie zu beantworten. Vielleicht kannst du zuerst einmal zu Beginn die Frage beantworten: Wie bist du eigentlich zur Hippotherapie gekommen?

B: Also ich reite seit ich sechs Jahre alt bin, auch hier auf dem Gut Reuschenberg, habe dann meine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht im Hinblick, die Hippotherapie später zu machen. Und seit einem Jahr mache ich das jetzt hier auf dem Gut Reuschenberg.

I: Ist die Ausbildung der Physiotherapie denn Pflicht oder wer darf eigentlich alles die Hippotherapie anbieten?

B: Die Hippotherapie wird nur von Physiotherapeuten oder Ärzten ausgeführt. Und ich habe die jetzt zum Beispiel beim Deutschen Kuratorium für therapeutisches Reiten gemacht. Die sind mit am anerkanntesten von den ganzen Vereinen, die das anbieten.

I: Was genau kann man unter der Hippotherapie verstehen?

B: Unter der Hippotherapie versteht man eine physiotherapeutische Einheit auf neurologischer Basis auf dem Pferderücken. Die wird vom Arzt verordnet, damit wir uns als Hippotherapeuten auch einfach absichern können, dass keine Kontraindikationen da sind, wo wir Fehler machen könnten. Und jetzt seit kurzem ist auch die Hippotherapie von der Umsatzsteuer befreit, deshalb bräuchten wir dann auch das Rezept dazu.

I: Du hast ja zahlreiche Anfragen von Personen, die sich für die Hippotherapie interessieren. Warum denkst du, kann die Hippotherapie den Verlauf der MS positiv beeinflussen?

B: Also die Hippotherapie wirkt sich positiv auf die MS aus, da ja bei der MS typische Anzeichen wie eine Spastik, ein Rigor, ein Tremor vorhanden ist, das alles positiv über die Hippotherapie beeinflusst wird. Es gibt eine Tornos-Regulierung, eine Rumpfaktivierung und -aufrichtung, also nicht nur der Tornos wird gesenkt bei der Spastik, sondern auch die Aufrichtung im Rumpf wird verbessert. Die Koordination, das Gleichgewicht wird verbessert oder bleibt gleichbleibend.

I: Wenn ich mich für die Hippotherapie interessiere, wer kann alles die Hippotherapie in Anspruch nehmen und wo gibt es mögliche Einschränkungen?

B: Also von der Einschränkung her, vom Alter ist es total egal. Da kann jeder kommen. Ich habe ja auch andere Krankheitsbilder auf den Pferden. Da kommen auch schon die Kinder, die eine infantile Zerebralparese zum Beispiel haben, die Kindheitslähmungen und Spastiken. Nach oben hin ist auch alles offen. Ich habe eine Therapie-Rampe, da kriege ich auch die Rollstuhlfahrer auf die Pferde drauf. Was halt nicht gut ist, wenn die Leute dann eine Pferdehaar-Allergie haben zum Beispiel oder so schwer herzkrank sind oder schlecht eingestellt sind, dass ich die nicht gerade auf dem Pferd stabilisieren kann. Epilepsie sollten sie auch nicht haben. Ja, das ist eine Kontraindikation.

I: Hast du denn ein Pferd für die Hippotherapie oder sind das mehrere Pferde, die du hier im Stall stehen hast?

B: Ich habe insgesamt vier Pferde, die ich für die Hippotherapie nutze. Da ist jede Größe dabei, vom Pony bis zum Großpferd, auch von der Breite und der Schrittfrequenz ist alles dabei. In der Hippotherapie ist ja das Ausschlaggebende der Schritt des Pferdes, weil der Schritt eine dreidimensionale Bewegung von dem Pferderücken zu dem Patienten überträgt. Und das gleicht dem physiologischen Gangbild des Menschen. Und da ist jeder individuell, ob er ein bisschen mehr an Frequenz in der Minute braucht oder weniger. Oder vom Sitzkomfort etwas breiter oder etwas schmaler.

I: Alina, erzähl doch mal bitte, wie läuft eine Hippotherapie-Sitzung ab, wenn ich an den Stall komme.

B: Also, die Patienten kommen in die Halle und begrüßen als erstes das Pferd, entweder durch Streicheleinheiten oder vielleicht auch mit Möhrchen dazu. Dann ist die Atmosphäre schon mal etwas aufgelockert. Je nachdem wie mobil die Leute sind, geht es entweder vom Boden oder von der Rampe aus auf das Pferd. Dafür führt der Pferdeführer das Pferd sachte an die Rampe heran, ich gehe mit dem Patienten auf die Rampe drauf und bringe den Patienten auf das Pferd. Dann geht es im Schritt, also die Hippotherapie ist alles im Schritt, geht es durch die Halle. Und je nachdem, was für einen Schwerpunkt wir haben, machen wir dann entweder mal ein paar Tempounterschiede oder die Hufschlagfiguren durch die Halle. Und zum Schluss, die letzten zehn Minuten, nochmal was Entspanntes, nur im Schritt jetzt, ohne groß was herum. Und dann geht es auch wieder zur Rampe. Die Patienten steigen dann wieder mit meiner Hilfe ab. Und dann gibt es nochmal eine Runde Leckerchen. Also die Leckerchen habe ich festgestellt, sind für die Patienten immer ein ganz großer Stellenwert und für die Pferde mittlerweile auch. Die wissen schon immer Bescheid.

I: Was mache ich denn jetzt, wenn ich Angst vor Pferden habe?

B: Ja, das kriegen wir immer ganz gut hin. Also allein das Pferd kriegt die Angst schon immer gut gehemmt, allein durch seine ruhige Erscheinung. Und ich nehme mir auch immer viel Zeit, um die Leute erst mal an das Pferd heranzukriegen. Ich würde sie jetzt auch nicht direkt davorsetzen und sagen: Bitteschön, einmal drauf. Wir gehen das immer ganz in Ruhe an. Erst mal die Pferde in den Stallungen besuchen mit einer Möhre oder mit einem Apfel und dann kommt das von ganz allein.

I: Welche Anforderungen muss denn ein Pferd, das für die Hippotherapie ausgebildet wird, erfüllen?

B: Also bei Pferden spricht man von dem Interieur und dem Exterieur. Das Interieur ist der Charakter des Pferdes. Das ist vor allem wichtig für die Hippotherapie, dass die Pferde von der Losgelassenheit gut dastehen, dass sie sich nicht schnell erschrecken, wenn mal ein lautes Geräusch kommt oder wenn mal eine Spastik eintritt. Die kann ja auch mal ruckartig an das Pferd herankommen, auch beim Aufsteigen. Das muss das Pferd alles gelassen sehen. Das wird aber vorher mindestens ein halbes Jahr mit den Pferden geübt.

I: Wie lange dauert denn eine Sitzung der Hippotherapie und kannst du eingrenzen, wie viele Sitzungen man benötigt?

B: Also die Hippotherapie geht 20 bis 30 Minuten mit dem Auf- und Absteigen. Ich sage aber auch immer dazu, wenn die Zeit ist, dass der Reiter oben drauf keine Kraft mehr hat und dass er ins Negative umschlägt, dann muss man es auch frühzeitig beenden. Das ist bis jetzt aber auch nur zweimal vorgekommen. Um da einen langfristigen Erfolg zu sehen, ist es zu empfehlen, das mindestens einmal die Woche zu machen.

I: Die Hippotherapie ist ja eine begleitende Therapiemöglichkeit neben der medikamentösen Therapie, wie sieht es denn da mit Zuschüssen von den Krankenkassen aus?

I: Also die Vergütung wird von den Kassen nicht übernommen. In Einzelfällen wird es übernommen. Man muss vorher, bevor man die Hippotherapie macht, immer bei der Krankenkasse anfragen. Die Krankenkasse möchte weitere Studien über die Hippotherapie haben, um das in Zukunft, irgendwann mal, zu vergüten. Da ist das Deutsche Kuratorium für das therapeutische Reiten auch gerade dabei, eine MS-Studie durchzuführen.

I: Wo bekomme ich denn jetzt weitere Informationen, wenn ich mich für die Hippotherapie interessiere?

B: Informationen kriegt man entweder beim Deutschen Kuratorium oder bei mir selber auf der Internetseite von Gut Reuschenberg unter www.gut-reuschenberg.de unter der Kategorie der Hippotherapie. Da steht alles beschrieben. Ich habe auch extra Formulare, die man den Ärzten vorlegen kann, wenn man zum Beispiel ein Rezept benötigt.

I: Und wie nehme ich am besten mit dir persönlich Kontakt auf?

B: Am besten erreicht man mich über eMail, über den eMail-Kontakt auf der Internetseite steht alles beschrieben, wie man mich am besten erreichen kann.

I: Sag doch bitte noch einmal, warum sich die Hippotherapie so positiv auf den Verlauf der MS auswirken kann.

B: Ich sehe immer wieder, wie man auch Leute motivieren kann auf Pferden, die eigentlich eher so einen depressiven Ausdruck hatten. Vor allem bei der MS ist ja oft auch diese Wesensveränderung auch in Richtung Depression vorhanden. Diese Therapiemüdigkeit nimmt ab, die Leute sind motiviert zu reiten. Und die Leute oder Patienten sagen auch nicht, sie kommen zur Hippotherapie, sondern zum Reiten. Also sie sehen das selber gar nicht so als Therapieform an.

I: Und welche Rolle spielt der eigene Wille bei der Therapie?

B: Na, der eigene Wille ist schon groß. Die Motivation sollte vorhanden sein. Also Interesse an Pferden sollte da sein, da das Ganze sonst auch keinen Spaß macht.

I: Wenn ich jetzt zur Hippotherapie komme, heißt das, ich kann meine medikamentöse Therapie abbrechen oder muss die auf jeden Fall noch gewahrt werden?

B: Die muss auf jeden Fall noch gewahrt werden. Die Hippotherapie ist immer nur eine Zusatztherapie zu einer Therapieform, ob es jetzt medikamentös oder von der Physiotherapie oder der Ergotherapie aus gesehen ist.

I: Wie wirkt sich denn die Hippotherapie auf die Psyche aus?

B: Positiv. Allein das Pferd in der Halle ist schon immer ein Lächeln Wert für die Leute, die dann kommen. Auch der Kontakt mit dem Pferd, das Berühren, die Wärme, der Geruch, das ist schon immer ein Eisbrecher.

I: Dann ein recht herzliches Dankeschön an dich, Alina, für das Interview. Und auch vielen Dank an euch für das freundliche Zuhören. Schön, dass ihr wieder mit dabei wart beim NeoDoc MS Spezial, mit dem Thema Hippotherapie. Wenn ihr weitere Informationen über Multiple Sklerose haben wollt, dann schaut doch einfach mal hier auf der Seite vorbei oder hört einen der anderen Podcasts, in dem Betroffene zur Wort kommen und ihre persönliche, wahre Geschichte erzählen. Ich würde mich freuen, wenn du auch nächstes Mal wieder einschaltest und wünsche dir nun alles Gute.