Schwanger werden mit Multipler Sklerose

Bundesweit leben rund 200.000 Menschen mit der Erkrankung Multiple Sklerose, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Häufig wird die Diagnose zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr gestellt. Also genau zu der Zeit, wo sich die Frage nach dem eigenen Nachwuchs stellt. Viele Betroffene beschäftigen sich damit, ob sie Kinder bekommen wollen und ob das mit Multipler Sklerose überhaupt möglich ist.

Gerade bei dem Thema Familienplanung und Schwangerschaft mit Multipler Sklerose kommen viele Fragen und Unsicherheiten auf. Kann man mit Multipler Sklerose schwanger werden? Möchte ich Kinder haben? Kann man mit MS ein gesundes Kind bekommen? Wie wirkt sich die Schwangerschaft und Geburt auf die Krankheit aus? Und wie wird der Alltag aussehen? Wann ist die beste Zeit für ein Baby? Kann ich das überhaupt so schaffen? Und wenn bei MS-Patientinnen und -Patienten dann noch die Frage nach der Multiple Sklerose-Therapie im Raum steht, kommen noch weitere Unsicherheiten hinzu: Passt die MS-Therapie zu dem Kinderwunsch? Kann ich bei Anwendung der MS-Therapie schwanger werden? Darf ich dann überhaupt schwanger werden? Was passiert mit dem ungeborenen Kind, wenn ich ungeplant schwanger werde?

Vor der Schwangerschaft: Familienplanung mit Multipler Sklerose (MS) – Was sollte ich beachten?

Ein Kind auf die Welt zu bringen bedeutet für viele jungen Familien ein großes Glück. Dieses Abenteuer erfordert stets Zeit, Geduld, Kraft und Ausdauer – sowohl mit als auch ohne Multiple Sklerose. Vor allem Frauen, die an MS erkrankt sind, setzen sich intensiv mit den Möglichkeiten und Grenzen Ihrer Fertilität sowie den gesundheitlichen Folgen einer Schwangerschaft auseinander.

Zunächst einmal kann hier eine Entwarnung ausgesprochen werden: Auch, wenn Sie an MS erkrankt sind, steht Ihrer Familiengründung gesundheitlich nichts im Wege. Dank zahlreicher Erhebungen und Studien weiß man inzwischen, dass die Erkrankung keine negativen Auswirkungen auf Ihre Fertilität, Schwangerschaft, Geburt und auch kindlichen Entwicklung Ihres Neugeborenen hat. Bei einigen Frauen konnte sogar festgestellt werden, dass während der Schwangerschaft hormonbedingt die Schubrate rückgängig ist. Darüber hinaus sollen Frauen mit MS eine ähnlich normale Schwangerschaft erleben wie gesunde Frauen. Somit besteht kein besonders erhöhtes Risiko von Fehlgeburten, einer extrauterinen Schwangerschaft, Frühgeburten oder anderen Schwangerschaftskomplikationen.

Vererbungsrisiko einer Multiplen Sklerose

Sie sind an Multiple Sklerose erkrankt und planen, eine Familie zu gründen? Viele Paare interessiert neben der Fertilität jedoch vor allem das Risiko, die Krankheit zu vererben. Bei Multiple Sklerose handelt es sich um keine klassische erblich bedingte Krankheit, jedoch besteht ein erhöhtes Risiko selbst zu erkranken, wenn bereits im Verwandtenkreis eine Erkrankung vorliegt. Das bedeutet, dass auch bei dem geplanten Kind ein erhöhtes Risiko vorliegt, aber dass dies noch nichts über die Veranlagung zur MS aussagt. Neben dem genetischen Erbgut spielen für die Erkrankung vor allem äußere Umweltfaktoren eine wichtige Rolle. Zum aktuellen Stand wurde dieses Zusammenspiel von genetischer Anlage und Umweltbedingungen jedoch noch nicht ausreichend erforscht, um hier treffsichere Antworten geben zu können.

Vererbungsrisiko bei MS

  • Bei Kindern ohne MS-Erkrankung bei den Eltern, liegt das Risiko bei 0,1 bis 0,2 %, an MS zu erkranken.
  • Bei Kindern mit nur einem an MS erkrankten Elternteil liegt das Risiko an MS zu erkranken bei 2 %.
  • Bei Kindern mit zwei erkrankten Elternteilen liegt das Risiko, an MS zu erkranken, bei 20 %.
Was sollten Sie bei der Familienplanung bedenken?

Damit Sie bestens auf Ihre Schwangerschaft vorbereitet sind, sollten Sie einige Hinweise und Zeitpunkte im Krankheitsverlauf berücksichtigen. So kann beispielsweise nicht jeder Zeitpunkt besonders passend für eine Schwangerschaft sein. Während Ihrer Schwangerschaft sollten Sie möglichst schubfrei sein.

Wenn Sie eine besonders hohe Schubfrequenz haben, können Ihnen eventuell Medikamente helfen, die Rate zu verringern. Beachten Sie dabei jedoch, dass einige Medikamente auch die Schwangerschaft erschweren und das Ungeborene schädigen können. In beiden Fällen sollten Sie vor eine Schwangerschaft das Gespräch mit Ihrem Frauenarzt sowie Neurologen suchen und sich ausführlich beraten lassen.

Unerfüllter Kinderwunsch und künstliche Befruchtung mit MS

Manchmal kann der Wunsch nach einer Familie noch so groß sein, doch der Erfolg bleibt aus. Die Gründe hierfür können vielseitig sein, sie stehen jedoch mit der Multiple Sklerose in keinem direkten Zusammenhang. Wenn eine Schwangerschaft auf natürliche Weise nicht zustande kommt, können reproduktionsmedizinische Medikamente als Unterstützung erwogen werden. Ob für Sie tatsächlich eine entsprechende Behandlung in Frage kommt, sollten Sie zunächst mit Ihrem behandelnden Arzt abklären. Ebenso kann eine künstliche Befruchtung in Frage kommen. Dies wird vor allem bei der Unfruchtbarkeit des Mannes in Erwägung gezogen. Für eine umfangreiche Beratung können Sie sich nicht nur an Ihren Frauenarzt, sondern auch an Spezialisten sogenannter Kinderwunschzentren richten.

Multiple Sklerose und Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft wirkt sich bei vielen Frauen mit MS positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Durch die Hormonveränderungen im Körper, welche durch die Schwangerschaft ausgelöst wurden, verändert sich auch der Immunstatus der Frau. Letzteres kann positive Auswirkungen auf den Verlauf der Erkrankung haben. So nehmen beispielsweise während der Schwangerschaft die Schubraten kontinuierlich bis zu 80 % im letzten Trimester ab. Der Verlauf der Schwangerschaft bleibt hierbei ähnlich zu gesunden Frauen. Falls es während Ihrer Schwangerschaft dennoch zu einem Schub kommen sollte, könne Sie Ihren Frauenarzt und Neurologen konsultieren und weitere Behandlungsmöglichkeiten erörtern.

Nach der Geburt: darauf sollten Sie mit Multipler Sklerose achten

Zwar ist Ihre Schubrate während der Schwangerschaft um bis zu 80 % gesunken, dennoch können Sie durch die erneute hormonelle Umstellung nach der Geburt einen Schub bekommen. Studien belegen, dass etwas 30 % aller Mütter innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt einen Schub erleiden. Im zweiten Trimenon wiederum normalisiert sich die Schubrate auf dasselbe Niveau wie vor der Geburt. Grundsätzlich lässt sich somit festhalten, dass die Schwangerschaft keine längerfristigen negativen Effekte auf Ihre MS haben wird.

Auch beim Stillen brauchen Sie keine Bedenken zu haben. Natürlich bleibt es Ihre Entscheidung, ob Sie ihr Kind stillen möchten oder nicht. Gesundheitlich sind hier jedoch keine Bedenken zu äußern. Studien belegen sogar einen moderaten positiven Effekt von ausschließlichem Stillen auf die Schubrate nach der Geburt. Eventuell auftretende Schübe können mit einem hochdosierten Kortikosteroiden behandelt werden. Nach dem Abstillen können Sie die MS-Therapie wie gewohnt fortsetzen.

 

Zum Thema „MS und Familienplanung" bieten wir eine Infobroschüre an, die Sie sich hier herunterladen können.