Therapieeinstieg nach der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft bei MS wird häufig in Frage gestellt. Die Sorge um Kind und Mutter ist bei Unwissenden groß, so war es auch bei mir. Häufig bekam ich Fragen gestellt, wie „Darfst du denn schwanger werden?“ oder „Ich denke, du bist krank?“. Andere versuchten mich zu belehren: „Ein Leben kann auch ohne Kinder wundervoll sein.“ – Ja, sicher kann es das, aber wenn man einen Kinderwunsch hat, können Aussagen wie diese verletzend sein und verunsichern. Dabei gibt es dafür gar keinen Grund. Ganz im Gegenteil, die meisten Frauen haben während der Schwangerschaft trotz Absetzen der Medikamente keine Schübe. Lasst euch also nicht verunsichern! Zurückblickend denke ich, es wäre besser gewesen, meinen Kinderwunsch nicht jedem in meinem direkten Umfeld zu teilen.

Was ihr bei einem Kinderwunsch aber definitiv beachten solltet, ist eure Medikation. Jede Schwangerschaft verläuft anders und auch die MS-Therapie vor, während und nach der Schwangerschaft ist sehr individuell. Es gibt Medikamente in der MS-Therapie, die dem Kind unter Umständen schaden können und teilweise schon Monate vor der Schwangerschaft abgesetzt werden sollten. Nehmt euch also Zeit, zunächst alle wichtigen Fragen zu klären und euch auf eine Schwangerschaft vorzubereiten. Ich rate jeder MS-Erkrankten, ihren Kinderwunsch zunächst mit ihrem Neurologen oder Gynäkologen zu besprechen. Lasst euch darüber aufklären, ob eure Medikamente geeignet sind oder eventuell umgestellt oder vorübergehend abgesetzt werden müssen. Keine Sorge, es findet sich eigentlich immer eine gute Lösung.

Vor der Schwangerschaft mit meinem großen Sohn spritzte ich mir meine Medikamente. Je länger ich spritzte, desto schlechter fühlte ich mich leider. Ich hatte während der ersten Basistherapie drei Schübe und ein paar neue Läsionen. Damit war klar: Ich musste meine Medikation umstellen (Weitere Infos zur richtigen Therapieentscheidung gibt es hier).

Die Umstellung erfolgte dann nach der Schwangerschaft in Form von Tabletten. Wesentlich angenehmer für mich, aber auch mit Nebenwirkungen verbunden. Die Tabletten erinnerten mich außerdem jeden Morgen und Abend an die Krankheit, jedoch glaube ich fest daran, dass sie mir sehr lange halfen.

Wie ist mein Therapie-Status heute? Ich mache weiterhin eine Therapie, aber wurde vor kurzem umgestellt. Mir war es bei der Entscheidung wichtig, mir die Option einer weiteren Schwangerschaft offenzuhalten, ohne gezwungen zu sein, das MS-Medikament Monate vorher absetzen zu müssen. Denn wer weiß was die Zukunft bringt!

Für mich war nach beiden Schwangerschaften klar, dass ich versuchen möchte zu stillen. Auch dabei gibt es bestimmte Medikamente, auf die in der Stillzeit verzichtet werden sollte; besprecht das ebenfalls unbedingt mit eurem Arzt. Ich war bereit, einen alternativen Weg zu gehen, wenn es zu einem Schub kommen sollte oder das Aussetzen der Therapie zugunsten der Stillzeit einfach nicht funktionieren würde. Versuchen wollte ich es jedoch in jedem Fall. Und zum Glück hatte ich keinerlei Probleme mit dem Stillen. Ich hatte außerdem keinen Schub und auch sonst fühlte ich mich großartig. Emil habe ich acht Monate lang gestillt, Theo neun Monate. Ich hatte mir nicht vorgenommen, wie lang ich stillen wollte – einfach so lange, wie es sich gut und richtig anfühlte.

Als ich bei meinen Kindern mit Beikost anfing und das Stillen weniger wurde, merkte ich schnell, dass es mir körperlich plötzlich nicht mehr so gut ging. Mein Körper zeigte mir, dass es an der Zeit war, wieder in die Therapie einzusteigen. Ich klärte alles schnell mit meinem Neurologen ab, ging noch ins MRT und stillte ab. Das hat wirklich gut funktioniert. Nach dem Abstillen startete ich beide Male direkt mit der Therapie und es fühlte sich richtig und gut an.

Ich hoffe, ich konnte dir vermitteln, dass es keine allgemeingültige Empfehlung gibt, wann man nach einer Schwangerschaft wieder mit der MS-Therapie starten sollte. Das unterscheidet sich von Frau zu Frau. Frauen, die nicht stillen wollen oder können, sollten innerhalb der ersten zwei Wochen wieder mit der Medikation beginnen. Ähnlich ist es bei Patientinnen mit hoher Krankheitsaktivität. Und dann gibt es noch Frauen wie mich, die großes Glück haben und trotz MS lange beschwerdefrei stillen können. Jedoch sollte man, spätestens wenn wieder Symptome auftreten, mit seinem Neurologen sprechen und den Wiedereinstieg in die Therapie planen (Weitere Infos findest du hier).

Generell kann ich dir nur raten, hör auf dich und dein Gefühl! Dir und deinem Kind muss es gut gehen. Du musst niemandem etwas beweisen. Mittlerweile gibt es zum Glück viele Möglichkeiten und man findet immer einen passenden Weg. Lass dich im Vorfeld von deinem Neurologen aufklären und entscheide dann, welcher Weg zu dir passt.