Sommertipps und Hilfsmittel

Es ist Sommer, die Temperaturen steigen und das Uhthoff-Phänomen lässt bekanntlich grüßen. Etwa 80 Prozent aller MS-Betroffenen leiden darunter, es handelt sich um eine vorübergehende Verschlechterung der neurologischen Symptome. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, schau gern in dieser Kolumne vorbei, da habe ich ausführlich über das Uhthoff-Phänomen berichtet.

Seit Beginn meiner Erkrankung geht es mir richtig schlecht bei Hitze. Vor meiner MS-Zeit war ich immer ein richtiger Sommer-Sonne-Fan. Ich konnte ewig in der prallen Sonne liegen und habe es richtig genossen. Heute ist das nicht mal ansatzweise möglich.

Es flackern dann sämtliche mir schon bekannte Schubanzeichen auf. Das heißt bei mir:

  • Ich sehe auf dem rechten Auge schlecht
  • Meine linke Körperhälfte wird taub
  • Ich habe Spastiken in Armen und Beinen
  • Ich leider unter Fatigue-Erscheinungen

Du kannst dir sicher vorstellen, das ist keine angenehme Situation. Mittlerweile ist es mein sechster Sommer mit MS und ich bin schon recht geübt im Umgang mit dem Uhthoff-Phänomen. Daher möchte ich die Tipps, die mir helfen, gerne mit dir teilen:

 

Tipps gegen Sommerhitze

Ernährung:

  • Trinken, trinken, trinken: Viel trinken ist immer gut, aber noch viel wichtiger bei Hitze. Vorzugsweise Wasser, Schorlen oder Tee. Ich achte darauf, dass die Getränke, die ich zu mir nehme, nicht zu kalt sind. Der Körper benötigt wertvolle Energie, um sie auf Körpertemperatur zu bringen und schwitzt tatsächlich mehr. Für unterwegs habe ich gern eine Aluflasche dabei, darin hält sich Wasser lange in einer angenehmen Temperatur.
  • Leicht essen: Bei den heißen Temperaturen bevorzuge ich Obst, Gemüse und leichte Kost. Ich konnte feststellen, dass es mir damit körperlich sehr viel besser geht und auch hier wertvolle Energie eingespart wird.
  • Eis: Ich liebe Eis und die Kinder sowieso. Wenn ich merke, gerade wird es richtig schlimm für mich, esse ich ein Eis. Die Mäuse dürfen dann natürlich auch. Ich püriere einfach Obst meiner Wahl und friere es ein. So muss ich kein schlechtes Gewissen haben, wenn die Kinder mehr als ein Eis essen. Wenn ich gerade nichts auf Vorrat habe, geht auch gefrorenes Obst als kühler Snack.

 

Kleidung/Hilfsmittel:

  • Luftig, lockere Kleidung tragen. Vermeide feste Stoffe oder eng anliegende Kleidung wie Jeans. Greife bevorzugt zu Baumwolle oder Leinen. 
  • Kühlweste: DAS Nonplusultra. Ich weiß, Kühlwesten sind recht teuer, aber ihr Geld absolut wert. Mir hat es eine großes Stück Lebensqualität im Sommer zurückgeben. So geht es mir an warmen Tagen auf dem Spielplatz oder im Kinderturnen deutlich besser. Ich nutze sie auch beim Einkaufen und an besonders heißen Tagen trage ich sie auch einfach Zuhause. Ich möchte meine Kühlweste nicht mehr missen.

Kleiner Tipp: Lass dir von deinem Neurologen ein Attest schreiben und ein Rezept ausstellen. Reiche das mit einem Kostenvoranschlag bei deiner Krankenkasse ein. Einige Kassen übernehmen die Kosten für die Kühlweste oder geben immerhin einen Teil dazu. Das ist eine Einzelfall-Entscheidung. Probieren kannst du es auf jeden Fall.

  • Kühlmatte für Tiere: Auch super geeignet für uns Menschen, um uns darauf zu legen und den Körper zu kühlen. Die Matte ist wesentlich günstiger als die Produkte für Menschen und erfüllt auch voll und ganz ihren Zweck.
  • Sonnenschutz: Unheimlich wichtig. Wir cremen uns alle ein und achten auch auf eine Kopfbedeckung, um uns vor zu starker Sonneneinstrahlung zu schützen. Ich habe mir auch schon manchmal einen kleinen Kühl-Akku unter den Hut gelegt.
  • Mittagshitze meiden: Ich versuche „anstrengende“ Tätigkeiten wie Sport, einkaufen oder Gartenarbeit auf den Morgen zu legen, damit ich mich in der Mittagshitze bewusst nicht lange draußen aufhalten muss.
  • Ventilator: Auf jeden Fall hilfreich, wenn du im Dachgeschoss wohnst oder sich deine Wohnung im Sommer extrem aufheizt. Achte aber auf Zugluft. Dies kann zu schlimmen Verspannungen oder sogar zu Nervenschmerzen führen.
  • Abkühlen: Füße und Hände ins kalte Wasser halten oder eine kleine kühle Dusche sorgen für Erfrischung. Manchmal tut es schon ein feuchter Waschlappen im Nacken. Gerne halte ich meine Füße ins Planschbecken oder mache eine Wasserschlacht mit den Kindern. Du kannst auch einfach etwas Pfefferminztee kochen und diesen abkühlen lassen- wenn du dich dann damit etwas einreibst hat es einen sehr angenehm kühlenden Effekt auf der Haut.
  • Sonstige kleine Hilfsmittel: Erfrischungsspray, Handventilator oder ein Fächer für unterwegs.
  • Abdunkeln und lüften: Zuhause merke ich einen extremen Unterschied. Bis 2019 haben wir in der Stadt gewohnt und es war häufig nicht auszuhalten – diese Schwüle, selbst nachts. Nun ist es mein zweiter Sommer auf dem Land in 400m Höhe und sehr viel angenehmer. Hier weht meist ein leichtes Lüftchen. Tagsüber machen wir die Rollläden runter und über Nacht und am frühen Morgen lüften wir. Es kühlt hier nachts angenehm ab.
  • Ausflüge: Einkaufszentren, Möbelhäuser und Museen sind meist klimatisiert. Daher sehr angenehm kühl und man kann sich gut darin aufhalten.

Und mein ganz persönlicher Tipp, die Sitali-Atmung aus dem Yoga. Sie wirkt kühlend und du kannst sie überall anwenden. Sie eignet sich auch hervorragend wenn du mal unter einem Flush leidest.

So funktioniert die Sitali-Atmung:

  • Setz dich ruhig und bequem hin, wenn möglich schließe die Augen (muss aber nicht)
  • Rolle nun die Zunge der Länge nach zusammen, wie ein „Röhrchen“
  • Strecke das „Röhrchen“ nun aus dem Mund heraus.
  • Atme nun langsame und tiefe Atemzüge durch das Röhrchen und Atme durch die Nase aus.
  • Wiederhole den Vorgang, bis zu einen kühlenden Effekt spürst.

Du solltest es unbedingt ausprobieren!

Ich hoffe, der ein oder andere Tipp hilft dir durch den Sommer. Vielleicht hast du ja auch noch einen super Tipp, dann gern her damit!