MS und Reisen

Nadine Kolumne Reisen

Ich bin mir ziemlich sicher, dass fast jeder gerne verreist, oder wie ist das bei euch? Wenn du eine Krankheit wie Multiple Sklerose hast, solltest du dabei einige Dinge beachten und abwägen, aber keine Sorge: Es ist weiterhin möglich, die Welt zu entdecken! 

Ich persönlich liebe das Reisen. Vor meiner Diagnose besuchte ich viele verschiedene Städte, Länder und Inseln, wie die Dominikanische Republik, Ägypten, Gran Canaria, Griechenland oder Mallorca. Vorzugsweise warme Orte mit viel Sonnenschein. Ich bin ehrlich: Nach meiner Diagnose machte ich mir natürlich einige Gedanken darüber, ob das Reisen nun weiterhin das Richtige für mich ist – besonders in warme Regionen. Ich hatte wirklich ein wenig Bammel und wollte erst mal lieber nicht weiter weg verreisen und wenn doch, dann auf jeden Fall nur in Ländern mit einer guten medizinischen Versorgung. Anfangs hatte ich extreme Angst vor einem Schub. Mittlerweile ist meine Angst ein wenig zurückgegangen, jedoch tut mir die Wärme leider einfach nicht gut und ich möchte mir und meinen Kindern keine längere Flugzeit zumuten – jedenfalls aktuell. Deshalb befinden sich meine Ziele zurzeit nicht so weit weg von zu Hause. Sobald die Mäuse ein wenig größer sind, könnte ich mir vorstellen, wieder in fernere Länder zu reisen. Nach meiner Diagnose habe ich Deutschland auch schon verlassen, so ist es nicht. Wir waren in England, Dänemark, Belgien, der Schweiz, in Italien, Monaco, Österreich und Frankreich. Ihr merkt, ich liebe das Reisen und könnte schwer darauf verzichten. Deswegen ist es toll, dass dies auch mit der MS möglich ist. Wichtig ist nur, dass du dich gut auf die Reisen vorbereitest und deine Medikamente dabei hast.

Egal, welche Medikamentenform du auch einnimmst, Medikamente gehören nicht in den Koffer, sondern ins Handgepäck (ganz wichtig)! Koffer gehen - gerade auf Flugreisen - gerne mal verloren. Auf Kleidung oder dein Buch kannst du gut mal ein paar Tage verzichten. Auf deine Medikamente in keinem Fall. In der Anfangszeit mit MS machte ich eine Basistherapie mit Spritzen – diese mussten gekühlt sein. Auf der ersten Flugreise nach England machte mich das Ganze doch etwas nervös. Das war aber völlig unbegründet. Um die Spritzen nun mit ins Handgepäck nehmen zu dürfen, benötigst du ein ärztliches Attest mit der Diagnose und dem Namen des mitführenden Medikamentes. Auch Zubehör sollte aufgelistet werden, wie beispielsweise der Spritzen-Pen, falls du diesen benutzt. Die Auflistung der Utensilien solltest du in Deutsch und in Englisch mit dir führen. Es muss nicht unbedingt sein, dass du es bei der Sicherheitskontrolle vorzeigen musst, aber geh lieber auf Nummer sicher. Man weiß schließlich nie und es wäre doch furchtbar schade, wenn der Urlaub deswegen ins Wasser fällt. Du kannst dich bei dem Hersteller deiner Spritzen informieren, die meisten bieten online ein Ausdruck dieser Formulare an, die du von deinem Neurologen nur unterschreiben und abstempeln lassen musst. Völlig unkompliziert. :-) Zudem wurden mir damals auch eine kleine Kühltasche und Kühl-Akkus gestellt. Geh lieber sicher und packe dir je nach Länge des Urlaubes „Back-up“-Spritzen ein.

Zurück zu meinem ersten Flug nach England. Ich hatte also die Spritzen in einer kleinen Kühltasche mit Kühl-Akkus dabei. An der Sicherheitskontrolle wurde ich kurz gebeten, die Tasche zu öffnen, und ich übergab mein Attest. Dies wurde geprüft, meine Tasche wieder geschlossen und mir eine angenehme Reise gewünscht. Auf kürzeren Strecken reichen in der Regel die Kühl-Akkus. Fliegst du länger, kannst du das Flugpersonal bitten dir Eiswürfel zu geben. Das sollte kein Problem sein. In meinem Fall damals war das Doofe, dass wir morgens um 6 Uhr in London ankamen, aber erst gegen 13 Uhr auf das Hotelzimmer konnten. Unser Gepäck wurde sicher in einem Raum im Hotel verstaut, wie man das so kennt. Auf meine Frage, ob sie bitte meine Spritzen kühlen könnten, bekam ich sofort eine positive Rückmeldung: Es war überhaupt kein Problem, die Spritzen wurden kalt gelegt. Das erleichterte mich und ich konnte meinen ersten Vormittag in England in vollen Zügen genießen. Wir hatten zwar einen Kühlschrank im Zimmer, aber keinen Gefrierschrank, also fragte ich am Abend vor dem Rückflug an der Rezeption, ob sie meine Kühl-Akkus einfrieren könnten, da ich meine „Back-up“-Spritzen ja wieder mit nach Hause nehmen wollte. Auch hier gab es keine Probleme. Es war wirklich alles viel unkomplizierter, als ich es mir vorab ausgemalt hatte. Wenn ihr nicht fliegt, sondern mit dem Auto in den Urlaub fahren wollt, reicht meiner Erfahrung nach auch die Kühltasche mit den Akkus. Wir haben uns damals einen Mini-Kühlschrank für längere Autofahrten gekauft, das ist aber nicht unbedingt nötig. Ich persönlich bin zudem beruhigter, wenn ich eine Reisekrankenversicherung im Ausland habe. Und das tatsächlich nicht nur wegen der MS, denn es kann immer etwas passieren. Das muss aber natürlich jeder für sich selbst wissen. Mit MS empfehle ich es auf alle Fälle.

Ich lege dir ans Herz: Gib deine Träume wegen der Krankheit nicht auf! Wenn du also reisen möchtest, dann mach es – auch mit der MS! Checke vorab deinen Impfstatus, das ist ebenfalls wichtig, ob mit oder ohne MS. Und mach dir keine Sorgen wegen dem Transport der Spritzen und Ähnlichem, wie du siehst, läuft mit einem Attest, einer Liste deiner Utensilien und einer Kühltasche alles ziemlich unkompliziert – auch beim Fliegen. Informiere dich einfach vorab genau und plane, dann kann nichts schief gehen! Und nicht vergessen: Trage deine Medikamente immer bei dir! Im Koffer haben sie nichts verloren. Ich wünsche dir eine tolle und entspannte Reise!