MS und Nahrungsergänzungsmittel

Als ich die Diagnose bekam und mich mit allen Bereichen die MS betreffend sehr intensiv auseinandersetzte, stieß ich bei der Recherche ziemlich schnell auf das Thema „Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel bei MS“ und befasste mich eindringlich damit. Schließlich wollte und will ich meinen Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und mir etwas Gutes tun.

Ich möchte versuchen, dir einen kleinen Überblick zu verschaffen. Ich bin aber keine Ernährungswissenschaftlerin, Biologin oder sonstige Expertin auf dem Gebiet. Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel sind grundsätzlich ein riesengroßes Thema, deshalb habe ich auch andere Betroffene gefragt, was sie einnehmen und stelle dir nun die Relevantesten vor.

Vorab möchte ich aber auch sagen: „Nicht viel hilft viel.“ Du kannst viele wertvolle Nährstoffe ausreichend über die Ernährung aufnehmen. Es ist nicht immer notwendig oder gar ratsam, Nährstoffe zusätzlich zuzuführen. Ein Vitaminmangel sollte natürlich immer vermieden werden - ob mit oder ohne MS.

 

Vitamin D

Vitamin D ist sicher das erste, worauf du bei der Recherche gestoßen bist. Wusstest du, dass Vitamin D eigentlich überhaupt kein Vitamin ist? Genau genommen ist es eine Hormon-Vorstufe, welches an lebenswichtigen Funktionen beteiligt ist.

Viele MS-Patienten leiden an einem Vitamin D-Mangel – das war bei mir auch der Fall. Wissenschaftler vermuten schon lange einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung bzw. dem Verlauf der MS und dem Sonnenhormon. Unklar ist allerdings, ob ein Vitamin D-Mangel die Ursache oder die Folge von MS ist.

Es gibt wohl eine Verbindung zwischen dem Vitamin D Spiegel und der Krankheitsaktivität. Wenn der Spiegel unter dem Normwert ist, treten häufiger Schübe auf. Der Normwert liegt laut dem Robert – Koch Institut bei mindestens 50nmol/l. Ca. 60% der Deutschen, leiden unter einem Vitamin D Mangel. Wenn dein Arzt es noch nicht getan hat, lass dir den Vitamin D Wert im Blut bestimmen, es schadet nicht!

Wenn du einen nachgewiesenen Mangel hast, wird dein Arzt dir Vitamin D verschreiben. Wichtig zu wissen: Vitamin D ist fettlöslich; am besten nimmst du es daher mit einer fetthaltigen Mahlzeit zu dir – ich mag die Kombination mit Avocado gern, meist verarbeitet als Smoothie. Es wird empfohlen, Vitamin D morgens einzunehmen, da es die Produktion von Melatonin blockieren kann und somit einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus begünstigen könnte.

Besprich die Einnahme unbedingt mit deinem Arzt, um eine Überdosierung zu vermeiden. Generell ist das Thema Vitamin D und MS sehr vielschichtig und nicht ganz unkritisch. Am besten machst du dir selbst dein eigenes Bild von dem aktuellen Forschungsstand.

 

Omega 3-Fettsäuren

Omega 3-Fettsäuren gehören zu den ungesättigten Fettsäuren. Sie sind wichtig für den menschlichen Stoffwechsel und haben eine entzündungshemmende Wirkung. Du findest Omega 3 in Fischen wie Makrele, Aal, Thunfisch und Lachs, aber auch in Pflanzlichen Ölen wie Lein- Raps- Hanf- und Walnussöl.

Aber Vorsicht: Während Omega 3 entzündungshemmend wirkt, fördert Omega 6 Entzündungen. Omega 6 Fettsäuren sind hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch und Wurst und auch Sonnenblumenöl und fertig verarbeiteten Lebensmitteln enthalten. Daher solltest du auf ein gutes Gleichgewicht von Omega 6 und Omega 3 achten, damit dein Körper vor allem Letzteres aufnimmt und davon profitieren kann.

 

Propionsäure

Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn steht schon lange bei einigen Forschern im Fokus. Es gibt mittlerweile immer mehr Hinweise darauf, dass die Zusammensetzung der Darmflora den Verlauf der MS beeinflussen kann. Propionsäure ist nämlich eine kurzkettige Fettsäure, die im Dickdarm durch Bakterien gebildet wird – hauptsächlich bei der Verdauung von schwer verdaulichen Ballaststoffen. Eine Studie ergab, dass teilnehmende MS-Patienten einen ausgeprägten Mangel an Propionsäure hatten.
Propionsäure als Nahrungsergänzungsmittel trage dann dazu bei, dass neue Zellen gebildet werden, die die Entzündungsreaktionen regulieren und so die Schubrate und das Auftreten von Nebenwirkungen senken können.

 

Magnesium und Calcium

Die Mineralstoffe Calcium und Magnesium sind zusammen verantwortlich für die Übertragung von Nervensignalen und Muskelkontraktionen: Während Calcium zu einer normalen Signalübertragung zwischen den Nervenzellen beiträgt, kümmert sich das Magnesium um das Funktionieren des Nervensystems. Ein Ungleichgewicht dieser Mineralien kann zu Muskelzucken führen. Magnesium ist außerdem wichtig für die Bildung von Vitamin D. Durch das erhöhte Osteoporose-Risiko, ausgelöst durch Kortison-Therapien, ist auf eine ausreichende Calciumzufuhr zu achten.

Calcium kommt in der Nahrung z. B. in Soja, Grünkohl, Hülsenfrüchten, Fisch und Milchprodukten vor. Magnesium ist in Sonnenblumenkernen, Mandeln, Walnüssen, Haferflocken oder Naturreis enthalten.

Du siehst schon, die Mineralstoffe sind in vielen Nahrungsmitteln vorhanden, daher kommt ein Mangel eher selten vor. Die Zufuhr mit einem Nahrungsergänzungsmittel ist meistens auch nicht nötig.

 

Vitamin B12

Viele MS Betroffene haben einen Vitamin B12-Mangel – warum ist derzeit noch unklar. Das Vitamin ist wichtig für die Zellteilung, Blutbildung und Nervenfunktion. Ohne das Vitamin würde die Signalübertragung der Nervenzellen nicht richtig stattfinden. Ein Mangel kann auch Nervenschmerzen zur Folge haben.

Ich selbst leide schon sehr lange unter einem Vitamin B12-Mangel. Als Jugendliche hatte ich sehr häufig ein ganz typisches Symptom dafür: Eingerissene Mundwinkel. Mein damaliger Hausarzt riet mir, ich solle einfach mal mehr Fleisch essen. Ich litt auch sehr oft unter starken Schmerzen in den Beinen. Mit der MS-Diagnose wurde der Mangel bestätigt; dabei kam auch raus, dass ich eine Aufnahmestörung habe. Das bedeutet, mein Körper kann das Vitamin B12 nicht über die Nahrung aufnehmen. Das kommt sehr selten vor. Deshalb spritze ich mir in regelmäßigen Abständen Vitamin B12 und meine Beinschmerzen treten wesentlich seltener auf.

Vitamin B12 findest du in Fisch, Fleisch, Eiern und Milchprodukten.

 

Kurkuma

Laboruntersuchungen zeigen, dass Kurkuma bzw. das darin enthaltene Curcumin entzündungshemmend wirkt. Ich persönlich finde, entzündungshemmend klingt gut und deshalb wollte ich es gern ausprobieren. Am bekanntesten ist wohl die traditionelle Anwendung von Kurkuma als verdauungsförderndes Mittel.

Wenn du mir vielleicht auf Instagram folgst, kannst du hin und wieder in meiner Story sehen, dass ich „Goldene Milch“ trinke.

Zu beachten ist unbedingt, dass das enthaltene Curcumin in Kurkuma nicht wasserlöslich ist – damit es vom Darm aufgenommen und umgewandelt werden kann, fügst du deinem Getränk am besten etwas Kokos- oder Leinöl hinzu. Als Basis greifst du am besten auf Pflanzenmilch zurück. Mein Persönlicher Tipp, wenn diese dir nicht schmeckt: Tausche die Pflanzenmilch gegen Orangensaft aus. Empfohlen wird auch, eine Prise schwarzen Pfeffer hineinzugeben, denn das enthaltene Piperin im Pfeffer sorgt dafür, dass das Kurkuma seine Wirkung besser entfalten kann.

Und hier kommt mein persönliches Lieblingsrezept für Goldene Milch; ich variiere auch immer mal und habe mich jetzt lange durchgetestet, wie es mir am besten schmeckt:

Goldene Milch:

  • 300 ml Orangensaft/Apfelsaft oder Kokosmilch (schmeckt mir mit allen sehr gut)
  • 1 TL Kokosöl
  • 1 Banane
  • 1 Apfel
  • 2 TL Kurkuma
  • 1 TL Zimt
  • 1 Prise Schwarzen Pfeffer

Optional:

  • 1TL Hagebuttenpulver
  • 1TL Gerstengras

 

Hagebuttenpulver: Enthält sehr viel Vitamin C, ist gut für das Immunsystem

Gerstengras: Gut für Haut, Haare, Nägel. Soll den Cholesterinspiegel senken, stärkt das Immunsystem, Anregung des Fettstoffwechsels, Ausgleich des Säuren-Basen-Haushalt

Alle Zutaten werden einfach in einem Mixer, Smoothie Maker oder mit einem Pürierstab zu einem dickeren „Smoothie“ verarbeitet. Achte unbedingt auf eine gute Qualität des Kurkumapulvers (am besten Bio) oder verwende eine frische Knolle.

Ich werde manchmal gefragt, ob ich schon einen Unterschied an mir bemerkt habe, seitdem ich die Goldene Milch trinke. Es fällt mir schwer, das zu beantworten. Ich trinke es mittlerweile sehr gerne und es gehört für mich zur Routine, ich habe damit das Gefühl, mir etwas Gutes zu tun. Schaden tut es mir jedenfalls nicht.

Du fragst dich jetzt sicher: Und von all den vorgestellten Nährstoffen und Vitaminen – was nimmt sie denn nun? Ich nehme täglich Vitamin D, Propionsäure und Kurkuma zu mir. Hin und wieder mal zusätzliches Calcium und etwas Magnesium. Vitamin B12 spritze ich ca. alle 4 Wochen oder sobald meine Beinschmerzen extrem werden. Ich versuche aber grundsätzlich viel durch die Ernährung auszugleichen, das gelingt mir auch ganz gut.

Ans Herz legen möchte ich dir unbedingt noch: Es gibt mittlerweile einige Firmen, die mit Versprechungen locken, dass sie alles, was MS-Patienten an Nahrungsergänzungsmitteln benötigen, in eine Pille gesteckt haben. Spare dir das Geld! Diese Produkte sind überteuert und du kannst das meiste, was darin enthalten ist, einfacher über die Nahrung einnehmen.

Hoffentlich konnte ich dir etwas Licht ins Dunkel bringen und freue mich, wenn du berichtest, wie dir das Rezept geschmeckt hat.