MS und Fatigue

Nadine Kolumne Fatigue

Das Wort „Fatigue“ (ausgesprochen „Fatieg“) kommt aus dem Französischen und bedeutet „Erschöpfung“, Antriebslosigkeit“ oder „Müdigkeit“ und ist eine klassische Begleiterscheinung chronischer Erkrankungen, wie Multiple Sklerose, Rheuma oder AIDS und kommt auch bei Krebserkrankungen vor. In anderen Fällen kann Fatigue auch durch eine Mangelerscheinung ausgelöst werden. Sobald sich das Symptom bemerkbar macht, sollten etwaige andere Ursachen von einem Arzt ausgeschlossen werden.

Wie macht sich Fatigue bemerkbar? Neben einer unangenehmen, anhaltenden Müdigkeit oder Abgeschlagenheit, kann sie sich auch wie eine Depression anfühlen. Auch deswegen ist es wichtig, dies vom Arzt des Vertrauens professionell abklären zu lassen. Ganz typisch für die Fatigue ist außerdem, dass du einerseits zwar ausgeschlafen bist, dich aber andererseits trotzdem völlig fertig fühlst. Kommt dir das bekannt vor? Du fragst dich häufig, warum du nur so müde und lustlos bist? Und manchmal hast du deinen Kindern oder deinem Partner gegenüber sogar ein schlechtes Gewissen, denn du würdest dich viel lieber in dein Bett verkrümeln, als auf dem Spielplatz zu toben oder ein Eis essen zu gehen? Keine Sorge, du bist nicht alleine damit! 80% der MS-Betroffenen kennen dieses Gefühl! Müde sein – das hört sich erst einmal banal an, kann deinen Alltag aber erheblich beeinträchtigen.

Das Symptom kann bei MS jederzeit auftreten, egal welche Verlaufsform du hast oder wie schwer du insgesamt betroffen bist – häufig zeigt es sich schon zu Beginn der Erkrankung. Fakt ist: Fatigue ist nicht nachweisbar oder messbar, wir kennen bis heute nicht die genaue Ursache und eine Therapie gibt es dementsprechend bisher leider auch nicht. Forscher auf der ganzen Welt arbeiten mit Hochdruck daran, dieses Symptom besser zu verstehen. Warten wir ab – mehr können wir nicht tun.

Bei Fatigue wird grundsätzlich zwischen einer körperlichen und einer kognitiven Erschöpfung unterschieden. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich zu Anfang meiner Diagnose nachts immer noch sehr gut schlief. Ich hatte im Großen und Ganzen noch nie Probleme mit dem Schlafen und bevor meine Kinder auf die Welt kamen, war ich sogar ein richtiger Langschläfer. Es fing dann ganz plötzlich an mit der Müdigkeit, die vermehrt eintrat. Ich war wirklich ständig platt und antriebslos, als hätte ich die Nacht zuvor durchgefeiert. Nach dem Aufstehen musste ich mich häufig später noch einmal hinlegen, weil ich einfach keine Energie hatte. Das Schlimme war, ich wusste erst mal nicht woran es lag und konnte auch nichts dagegen machen. Ich war einfach dauerhaft total erschöpft. Geplante Ausflüge mussten wir absagen, weil ich keine Kraft dafür hatte. Hast du Bekannten und Freunden schon mal abgesagt, weil du müde bist? Ihr könnt es euch wahrscheinlich vorstellen: Das Verständnis ist nicht unbedingt groß, wenn keiner weiß, woran es liegt. Wenn du vor anderen erwähnst, wie müde oder erschöpfst du bist, kennst du sicher auch diese Antworten: „Dann musst du mal früher ins Bett gehen“, „Müde bin ich auch, stell dich nicht so an“ oder ähnliches. Es ist schwer greifbar und für gesunde Menschen wohl schwer nachvollziehbar, ohne dass es eine logische Erklärung dafür gibt.

Aus diesem Grund, also weil die Ursache der Fatigue noch so ungeklärt ist, fällt es mir auch sehr schwer, sie genauer zu beschreiben, also wie es mir dabei geht. Müde, kraftlos, antriebslos und platt gesagt: wie vom LKW überfahren. Das trifft es wohl am ehesten. An einigen Tagen merke ich, dass ich mich überhaupt nicht konzentrieren kann. Wenn ich beispielsweise ein Buch lese, weiß ich nicht mehr, was auf der letzten Seite stand. Das kennt ihr sicher auch, denn auch abseits der Fatigue gibt es mal Tage, an denen wir müde und einfach nicht aufnahmefähig sind. Da fällt einem selbst das Denken schwer. Stellt euch nun vor, dieser Zustand hält länger als einen Tag an oder tritt häufig auf. Das kann an den Nerven zehren. Es ist manchmal wirklich zum Haare raufen, aber so ist es und wir müssen lernen damit zu leben und es zu akzeptieren. Ich weiß, dies ist gar nicht so leicht umzusetzen, aber versucht es. J Bei mir kommen solche Tage zum Glück nicht so häufig vor. Wie ist das bei euch?

Was mir dagegen immer gut hilft? Bewegung! Nach einem Spaziergang geht es mir oft schon viel besser, habe ich festgestellt. Zur Prävention versuche ich den Morgen immer gleich mit einem kleinen Workout zu starten. Hinterher fühle ich mich immer wacher und fitter. Zudem versuche ich insgesamt viel zu Fuß zu erledigen und spazieren zu gehen. An warmen Tagen habe ich tatsächlich vermehrt mit Fatigue zu kämpfen. Kleiner Tipp mit Augenzwinkern: Wenn meine Kinder mittags schlafen, lege ich mich meist einfach dazu. Ein kleiner Power-Nap tut manchmal einfach gut. Dabei schlafe ich aber auch nicht immer, ich ruhe mich einfach ein wenig aus, damit ich für den Rest des Tages wieder Kraft und Energie habe. Insgesamt nehme ich mir tagsüber kleine Ruhepausen. Ich sag euch, Kleinkinder und Kinder benötigen tagsüber ebenfalls kleine Pausen. Ich setze mich mit den Kindern mal hin und wir lesen ein Buch, parken in Ruhe Autos oder bauen Duplo. Und ja: Hier wird auch Fernsehen geschaut und dabei gucke ich in Ruhe mit. Zurzeit muss ich aber ehrlich sagen, habe ich wirklich sehr selten damit zu tun – glücklicherweise! Ich glaube tatsächlich auch, dass sich eine gesunde und ausgewogene Ernährung ebenfalls positiv auf die Fatigue auswirkt – so wie wahrscheinlich bei jeder Beschwerlichkeit, da die Ernährung sich insgesamt auf das Wohlbefinden auswirkt.

Neulich habe ich andere Betroffene nach ihren Tipps zum Thema Umgang mit Fatigue gefragt und möchte sie nun gerne mit euch teilen:

  • viel trinken
  • Yoga
  • meditieren
  • Sport
  • Ausdauersport
  • kleine Pausen
  • kalter Kaffee 

Wie ihr seht, seid ihr keineswegs alleine damit. Ich hoffe, ihr konntet den einen oder anderen Tipp von mir mitnehmen. Vielleicht habt ihr sogar noch andere Tipps, die ihr mit mir und der gesamten Community teilen wollt? Gerne raus damit! ;-)