MS und Ernährung

Nadine Kolumne Ernährung

Sicher kennst du den Spruch „Du bist, was du isst“ – hier ist etwas Wahres dran, meiner Meinung nach. Es ist allseits bekannt, dass die Ernährung auf unseren Körper und damit auf unser Wohlbefinden Einfluss nimmt. Somit ist es nur eine logische Schlussfolgerung, dass sie damit auch verschiedene Erkrankungen in gewisser Weise beeinflussen kann. Die tatsächlichen Zusammenhänge zwischen Ernährung und MS gerieten die letzten Jahre verstärkt in den Fokus der Wissenschaft. Beispielsweise sagte Professor Hartmut Wekerle, Direktor des Münchner Max Planck Institut: „Wir gehen davon aus, dass die Ernährung über die Darmflora auf die MS einwirkt, und zwar beim Entstehen der Erkrankung und vielleicht auch bei deren Fortschreiten“. Persönlich denke ich, ob krank oder gesund, das Thema „gesunde Ernährung“ rückt insgesamt immer mehr in unser aller Blickfeld – und das ist auch gut so!

Dass eine gesunde Ernährung gut ist und verschiedenen Krankheiten vorbeugt, muss ich wohl nicht erwähnen. Aber was bedeutet „gesund ernähren“ eigentlich, also was steckt dahinter, und wie soll ich mich mit MS genau ernähren? Zurzeit gibt es nicht „die MS-Diät“ und ob „low carb“, „vegan“ oder „glutenfrei“ – bei den verschiedenen Ernährungsweisen gehen die Experten Meinungen oft weit auseinander und man bekommt von allen Seiten unglaublich viele verschiedene Empfehlungen. Was soll man da glauben und welche Empfehlung sollte man sich zu Herzen nehmen? Schwierig!

Ich persönlich finde die antientzündliche Diät sehr interessant. Entwickelt wurde sie ursprünglich speziell für Rheuma-Patienten. Ich denke mir, ob Rheuma oder Multiple Sklerose, Entzündungen spielen bei beiden Erkrankungen eine Rolle, kann also nicht falsch oder schlecht sein – oder? Dazu ist zu sagen: Ich „lebe“ diese Ernährungsweise nicht, aber ich achte gewissermaßen auf die Lebensmittel, die ich verwende und lasse mich von dieser Diät inspirieren.

Wer mich bereits kennt und meine Beiträge gelesen hat, der weiß, dass ich eigentlich Krankenschwester bin. Zu Beginn meiner Erkrankung war ich also „gefangen“ im Schichtdienstmodell und mein Alltag hatte keine wirkliche Routine. Da könnt ihr euch ja sicherlich vorstellen, dass es auch mit meiner Ernährung nicht immer so geklappt hat, wie es eigentlich gut gewesen wäre. Ich bin ehrlich: Ich habe überhaupt nicht auf meine Ernährung geachtet, hatte nie Gewichtsprobleme und habe demnach einfach gegessen, wonach mir den Sinn stand. Meine Prämisse: Hauptsache schnell und einfach (und lecker). Unsere Krankenhausroutine bestand aus ständigen Pizza- oder Dönerlieferungen auf Station und der Plünderung unserer „Dankeschön“-Schokoladen von Patienten. Hauptsache man hatte im Feierabend keinen Stress mehr, musste nicht mehr einkaufen gehen oder kochen. Ihr seht also: Ich habe lange einen weniger gesunden Lifestyle gelebt.

Mein Mann kommt ursprünglich aus Mazedonien und dort zelebriert man das Essen, Genuss ist ein ganz wichtiges Thema. Als wir uns kennen lernten, dachte ich: „Der isst aber langsam!“ Für mich war es immer eher ein Mittel zum Zweck, d. h. Hauptsache satt – und das bitte schnell! Wir beide arbeiteten im Krankenhaus ohne wirklichen Rhythmus – wer mich noch nicht kennt, mein Mann ist Arzt - da bleibt nicht viel Zeit für gemeinsame Essen. Als ich dann meine MS-Diagnose bekam, beschäftigte ich mich das erste Mal wirklich mit MEINER Ernährung und welche Empfehlungen es speziell für MSler gibt. Und da war ich schnell im Dschungel aus Empfehlungen, Ratschlägen und Informationen angelangt. Wie gesagt, ein ziemliches Durcheinander.

Klarheit schaffte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), mit ihren für mich schlüssigen und guten Empfehlungen:

  1. Abwechslungsreich essen und dabei überwiegend auf pflanzliche Lebensmittel zurückgreifen
  2. Die „5 Portionen am Tag“-Regel. D. h. konkret: Nimm täglich 3 Portionen Gemüse (insgesamt ca. 400g) und 2 Positionen Obst (insgesamt 250g) zu dir. 
  3. Verwendung von Vollkornprodukten
  4. Tierische Produkte „bewusst“ auftischen: Fisch 1-2 Mal die Woche und Fleisch- sowie Wurstwaren nur 300-600g die Woche. Zudem sollte weißes Fleisch (Geflügel) stets bevorzugt werden. Schweinefleisch ist entzündungsfördernd und sollte eher gemieden werden
  5. Pflanzliche Öle sollten bevorzugt werden, wie Raps- und Olivenöl. Auf Butter und Schmalz sollte beim Braten generell verzichtet werden
  6. Zucker und Salz einsparen! Am besten auf zuckerhaltige Getränke verzichten.
  7. Mindestens 1,5 Liter am Tag trinken, am besten Wasser oder ungesüßte Tees.
  8. Die Gerichte sollte man schonend zubereiten, also gare deine Lebensmittel so lange wie nötig und so kurz wie möglich
  9. Insgesamt achtsam essen und genießen
  10. Auf dein Gewicht und ausrechend Bewegung achten

Das sind die Regeln, die ich grundsätzlich befolge (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel ;-))! Ich muss ehrlich sagen, mit der MS-Diagnose begann für mich schon ein gewisses Umdenken und ich pflege seither eine bewusstere und gesündere Ernährung. Als die Beikost damals bei meinen Sohn Emil startete, machte ich mir darüber auch sehr viel mehr Gedanken. Ich bin schließlich verantwortlich für diese wundervollen kleinen Wesen und möchte natürlich nur das Beste für sie. Deswegen informierte ich mich sehr viel und frage mich generell stets: Wo kommen die Lebensmittel her? Wie sind sie verpackt? Wie wird das Gemüse und Obst angebaut? Und ganz ehrlich: Ich kann kein abgepacktes Fleisch mehr kaufen, weil es mich anekelt. Wir kaufen bewusst ein, meist erstellen wir uns einen „Koch-Plan“ für die Woche und kaufen dementsprechend ein.

Ich bin kein Veganer und auch kein Vegetarier und mache, wie gesagt, keine strenge „Diät“ oder schränke mich strikt ein. Ich koche wirklich jeden Tag frisch. Bei Nudeln greife ich immer auf Dinkel oder Vollkorn zurück. Das ist meine ganz persönliche Ernährung, mit der es mir mit meiner MS gut geht. Und um das noch einmal zu betonen: Sündigen ist erlaubt! Wenn ich mal Lust auf eine Pizza, Schokolade oder Eis habe, dann gönne ich es mir – aber in Maßen. Als Tipp gebe ich euch gerne mit: Achtet auf die 10 Regeln der DGE und zwingt euch nicht zu irgendwelchen strengen Diäten. Ernährt euch bewusst und informiert euch, dann findet ihr den richtigen Weg! Ihr müsst niemandem etwas beweisen, die Hauptsache ist, ihr fühlt euch wohl!