Multiple Sklerose und die dunkle Jahreszeit

nadine kolumne dunkle jahreszeit

Wenn Weihnachten und Silvester vorbei sind, dann beginnt für die meisten die triste Jahreszeit. Der romantische Weihnachtszauber und die ausgelassene Feierlaune sind verschwunden, der schillernde Silvesterschmuck zieht in den Keller und was kommt jetzt? Genau – die unspektakulären, tristen Wintermonate. Ich habe häufig das Gefühl, dass der Januar und der Februar sich ziehen wie Gummi. Geht euch das auch so? Es ist häufig grau, kalt und dunkel. Sehnlichst warte ich jedes Jahr auf den Frühling und kann es kaum erwarten bis die ersten Blumen blühen und mir warme Sonnenstrahlen auf der Nase tanzen. Endlich nicht mehr dick eingepackt auf den Spielplatz rennen und einfach mal entspannt auf der Parkbank sitzen – ohne, dass einem die Füße einfrieren. 

Wir kennen alle das Wort  „Winterdepression“ oder „Winterblues“. Häufig haben wir es schon beiläufig dahin gemurmelt, wenn die Laune mal nicht so gut war – passt eben zum Wetter, ist ja naheliegend. Aber wusstet ihr, dass Menschen mit MS grundsätzlich ein höheres Risiko haben an Depressionen zu erkranken? Und da könnt ihr euch natürlich vorstellen, dass dunkles, tristes Winterwetter nicht gerade förderlich ist. Es wird vermutet, dass die Entzündungsherde der MS eine Rolle spielen sowie eine Funktionsstörung bestimmter Botenstoffe im Gehirn – die sogenannten Neurotransmitter. 

Eine Depression zu erkennen ist nicht leicht, da sie anfänglich mit üblichen MS-Symptomen verwechselt werden kann. Starke Abgeschlagenheit und Müdigkeit (Fatigue), Konzentrationsstörungen, Schwierigkeiten den Alltag zu planen, ein Gefühl von Leere, Nachdenklichkeit, Antriebslosigkeit und vielleicht auch Schlafstörungen sind einige dieser klassischen Symptome. Sind wir mal ehrlich, die Diagnose „Depression“ ist erstmal ein Schock und für jeden eine Ausnahmesituation. Ich und depressiv? Das kann doch nicht sein! Das hat doch jeder mal – oder? Und was kann man dagegen schon machen? Bilde ich mir das vielleicht auch nur ein? Das sind typische Gedanken, die einem durch den Kopf schießen. Das ist völlig normal und diese Ängste und Gedanken holen dich immer mal wieder ein. Besonders, wenn du in einem Schub steckst, körperliche Probleme hast oder die Fatigue dich ausknockt. Du schläfst und bist trotzdem müde, du gehst duschen und fühlst dich, als hättest du einen Marathon hinter dir. Das zieht die Stimmung natürlich herunter und kann dich schon mal zum Verzweifeln bringen. 

Ich würde behaupten bisher keine „richtige“ Depression gehabt zu haben, vielleicht kleine Phasen und Episoden, in denen es mir mental nicht so gut ging. Nennen wir es vorübergehenden „Winterblues“. Fakt ist: Es kann jeden von uns treffen! Dafür muss sich niemand schämen, denn eine Depression ist eine ernsthafte Krankheit und keine kleinzuredende Einbildung. Niemand kann etwas dafür, wir alle sind froh, wenn wir davor verschont bleiben. Wichtig ist, wenn ihr Symptome einer Depression bei euch feststellt und es auch nicht besser wird, holt euch Hilfe! Und zwar nicht erst nachdem ihr monatelang ausgeharrt habt. Wenn ihr nicht wisst wohin mit euch, an wen ihr euch damit wenden könnt, kann euer Neurologe oder Hausarzt des Vertrauens euch sicher einen Psychotherapeuten oder Psychiater empfehlen. Es kann euch gezeigt werden, wie man Denkmuster ändert und in einigen Fällen können auch Medikamente helfen. Sie greifen in die Stoffwechselvorgänge im Gehirn ein und machen dich erstmal wieder handlungsfähig. Interessant zu wissen ist, dass moderne Antidepressiva weder süchtig machen, noch schränken sie das Reaktionsvermögen ein – wie häufig vermutet wird. Natürlich müsst ihr euch selbst damit wohlfühlen – macht also das, was ihr für richtig haltet, aber sprecht euch mit eurem Arzt dazu ab.

Ich bin jemand, der immer gerne und viel draußen an der frischen Luft ist. Da ist mein Kopf klar und frei, ich kann einfach besser denken. Im Januar und Februar fällt es aber auch mir nicht leicht mich aufzuraffen – besonders wenn das Wetter draußen schlecht ist. Aber auch dann sollte man sich motivieren das Haus für einen Spazierganz oder ähnliches zu verlassen – denn auch bei schlechtem Wetter tut die frische Luft gut. Ich fühle mich danach jedenfalls immer besser, egal wie ungemütlich das Wetter ist. Ich habe mir vorgenommen, solang es nicht wie aus Eimern gießt, jeden Tag ein wenig rauszugehen. Auch, wenn das „mal eben schnell spazieren gehen“ mit Kindern natürlich nicht so einfach ist. Bis ein Kind angezogen ist, hat sich das andere schon wieder halb ausgezogen. Bis es dann endlich losgehen kann, kann es dauern. Es lohnt sich dennoch! Emil läuft meist und Theo hab ich in der Trage. Meinen Emil kann ich immer überzeugen, er ist so gerne draußen. Und was soll ich sagen – er findet Regenpfützen natürlich prima. :-) Hin und wieder fährt er auch Laufrad oder Dreirad, wie er möchte. Meine Oma pflegt zu sagen „es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ da ist wohl etwas dran. 

Und: Wenn der Frühling dann endlich kommt, ist es umso schöner. Manchmal vergleiche ich die Natur mit unserem Körper. Wenn du weißt, wie es ist z. B. deine linke Seite nicht mehr zu spüren, ist es umso schöner, wenn sie wieder da ist. Hätten wir immer Frühling und ein tolles Wetter, wüssten wir dieses doch nicht zu schätzen – oder was meint ihr?

Die Natur braucht diese Zeit und wir Menschen benötigen die Ruhe. Es ist ruhiger und entspannter im Winter – jedenfalls bei uns. Mal Zeit für sich und unsere Familien zu nehmen, fällt noch leichter, wenn es nicht so viele mögliche Aktivitäten gibt, die man machen könnte. Den Tag im Schlafanzug zu verbringen mit übrig geblieben Plätzchen und dabei ein Kinderfilm zu schauen, ohne schlechtes Gewissen, weil wir sonst denken was zu verpassen, ist doch auch nicht schlecht, oder?

Klar ist: Düstere Stimmung schlägt mir auch mal auf das Gemüt. Es zieht mich auch mal runter, wenn es draußen nur in Strömen gießt oder schon um 5 Uhr dunkel ist. Ich komme auch an den Punkt, an dem ich kein Grau oder kahle Bäume mehr sehen kann. Das ist aber völlig normal, würde ich behaupten. Es gehört dazu und wir müssen da durch. Ich versuch mir dann oft die Bäume voller Blätter vorzustellen, nicht immer so leicht. 

Was mir hilft, wenn die Stimmung kippt?

  • Raus, raus, raus an die Luft. Und wenn es nur kurz ist. Das tut immer gut. 
  • Sport, der innere Schweinehund ist nach Weihnachten ganz fies, aber Sport setzt Endorphine frei und diese machen glücklich. 
  • Trefft euch mit Freunden. Erzählt von eurem Alltag und hört mal etwas anders. 
  • Nehmt euch bewusst Zeit! Wann warst du das letzte Mal beim Friseur? Oder mach irgendwas, was DIR Spaß macht. 
  • Macht einen Familienausflug, wie wäre es mit Hallenbad, Schlittschuhlaufen oder ein Museum? Das geht auch bei tristem Winterwetter, vielleicht sogar besonders dann?!
  • Lichtduschen sollen wohl auch hilfreich sein, jedoch kann ich persönlich dazu nichts sagen, da ich es noch nicht ausprobiert habe. Vielleicht bei der nächsten „Schlechte-Laune-Phase“.
  • Und haltet euch immer vor Augen: Nach Regen kommt Sonne und nach Winter kommt der Frühling... Das ist ganz sicher!

Hast du noch hilfreiche Tipps, die dir helfen die dunkle Jahreszeit zu überstehen?