MS-Schub und Kortisontherapie

Wenn du Multiple Sklerose hast, kennst du das sicher: Es zwickt mal hier, kribbelt dort und fühlt sich anders als sonst an. Gerade am Anfang war ich häufig sehr verunsichert – macht sich da ein Schub bemerkbar oder ist es etwas anderes? Ich möchte dir heute ein paar grundsätzliche Informationen und Tipps zum Thema Schübe bzw. Kortisontherapie geben, die auch für deine Angehörigen hilfreich sein können.

Grundsätzlich gilt: Liegt tatsächlich ein neuer Schub vor, sollte er schnellstmöglich ärztlich abgeklärt werden. Wenn du dir also unsicher bist, suche deinen Neurologen auf, damit du dir Klarheit/Gewissheit verschaffst. Keine Sorge, mit der Zeit lernst du dich und deinen Körper besser kennen und wirst sicherer darin, potenzielle Anzeichen zu lesen.

Von einem Krankheitsschub bei MS spricht man, wenn…

  • neurologische Symptome plötzlich auftreten und länger als 24 Stunden andauern.
  • der letzte Schub mindestens 30 Tage zurückliegt.

Es wird 24 Stunden gewartet, um einen Infekt oder eine Verschlechterung durch das sogenannte Uhthoff-Phänomen ausschließen zu können. Die auftretenden Symptome sind vielseitig und individuell unterschiedlich, auch in der Intensität und Ausprägung: Die einen leiden unter Gefühls-, Seh-, Sprech- oder Gehstörungen, die anderen unter Müdigkeit und Antriebsschwäche oder gar unter kognitiven Funktionsstörungen (siehe auch "Einen MS-Schub erkennen").

Stellt dein Neurologe nun fest, dass du einen Schub hast, wird er dir in der Regel eine Kortison-Stoßtherapie empfehlen. Ich weiß, die Meinung zu Kortison ist nicht gerade die beste. Viele lehnen es ab und natürlich hast du auch die Wahl. Du solltest jedoch wissen, Kortison ist ein körpereigenes Stresshormon und wird in der Nebennierenrinde produziert. In der MS-Schub-Therapie müssen Kortison-Präparate kurzfristig sehr hochdosiert eingenommen werden, meist dann als Infusion. Als Medikament hat Kortison eine stark entzündungshemmende Wirkung und kann so den Schub schneller abklingen lassen (siehe auch "Behandlung in drei Stufen"). Die Kortison-Stoßtherapie dauert meist drei Tage; bei starken Schüben etwas länger. Die meisten Neurologen oder MS-Ambulanzen führen die Therapie ambulant durch.

Ich selbst musste bislang drei Kortison-Therapien durchlaufen. Ja, es ist hart und es gibt auch Nebenwirkungen, da gibt es nichts zu beschönigen. Der erste Therapietag verlief bei mir immer recht gut; ich bekam unter dem Einfluss der Infusion einen beschleunigten Puls und den typischen metallenen Geschmack im Mund. Viele berichten oft, verstärkt Hunger vom Kortison zu bekommen – das war bei mir nicht der Fall. Vielmehr begleitete mich der Metallgeschmack eine ganze Weile und mir wurde sehr übel; ich konnte leider nicht viel essen.

Das Kortison drehte mich zudem erst einmal total auf. An Schlaf war nicht zu denken, obwohl der Körper eigentlich nach Ruhe schrie. Der Schlafmangel und diese unendliche Müdigkeit schlugen mir sehr schnell auf mein Gemüt. Mein Körper lief ungewollt auf Hochtouren. Hinzukamen dann Herzrasen, glühend heiße Wangen, eine beschleunigte Atmung und die Schmerzen. Diese waren so schlimm, dass ich mir nicht einmal richtig meine Haare kämmen konnte.

Nach einigen Tagen setzt dann auch noch die totale Tiefphase ein. Die meisten von euch sind damit vertraut. Die Tränen laufen, alles ist doof und man möchte nur, dass es aufhört. Tatsächlich tut es das dann auch, denn du bekommst das Kortison ja nur für wenige Tage verabreicht. Ich merkte, dass mein Körper ein Problem mit dem abrupten Absetzen des Kortisons hatte. Ich hatte diese schlimmen Kopfschmerzen und fühlte mich wie in Watte gepackt, als sei ich nicht richtig anwesend, ganz merkwürdig. Bei meinen letzten beiden Schubtherapien schlich ich dann das Kortison noch ein paar Tage aus, das machte es deutlich erträglicher.

Häufige Nebenwirkungen von Kortison sind:

  • Erhöhter Blutdruck
  • Herzrasen
  • Wassereinlagerungen
  • erhöhte Infektanfälligkeit aufgrund seiner immundämpfenden Wirkung
  • Veränderung des Appetits (mehr oder weniger Hunger)
  • Magenbeschwerden (deshalb sollte ein Magenschutz eingenommen werden)
  • Schlafprobleme

Wichtig: Kortison und Alkohol vertragen sich nicht! Die Wirkung des Kortisons kann durch Alkoholkonsum herabgesetzt werden, ebenso wird der Alkohol weniger gut vertragen. Es kann zu einer lebensbedrohlichen Unter- oder Überzuckerung des Körpers führen. Deshalb gilt, kein Alkoholkonsum während einer Stoßtherapie.

Experten gehen davon aus, dass eine Kortison-Stoßtherapie etwa zwei bis vier Wochen im Körper nachwirkt. Auch das variiert allerdings von Patient zu Patient. Achte in dieser Zeit verstärkt auf dich und dein Wohlbefinden. Durch das Kortison wird dein Immunsystem geschwächt, schütze dich deshalb so gut es geht vor Infekten.

Abschließend habe ich für dich ein paar hilfreiche Ernährungstipps zusammengestellt, um dir die Zeit während der Kortison-Stoßtherapie etwas zu erleichtern. Während dieser Zeit solltest du besonders darauf achten, was du zu dir nimmst:

  • Bananen: Vielen helfen sie, um den Metallgeschmack loszuwerden. Auch Pfefferminztee kann helfen. Bananen sind aufgrund ihres hohen Kalziumgehaltes sowieso sehr gut.
  • Salzarme Ernährung: Greife stattdessen zu pflanzlichen Gewürzen.
  • Viel grünes Gemüse (Osteoporose-Prophylaxe) zuführen.
  • Fettarme Kost und – wenn möglich – pflanzliche Fette.
  • Kohlenhydrate über Vollkornprodukte zuführen.
  • Eiweiß durch Fisch und Milchprodukte zuführen.
  • Vitaminaufnahme durch eine Obst- und Gemüse-lastige Ernährung.
  • Viel Trinken.

Abschließend kann ich dir nur ans Herz legen: Ruh dich in dieser Zeit aus und tu das wonach dir ist. Nimm dir Zeit für dich und höre auf deinen Körper. Die Nebenwirkungen des Kortisons vergehen glücklicherweise wieder und ich bin sicher, dass auch die Symptome deines MS-Schubs dann schnell wieder abklingen!