MS im Herbst und Winter

Nun ist es Herbst. Ich würde mal behaupten, die meisten MSler atmen jetzt tief durch und sind froh, dass der Sommer vorbei ist. – Ich auch. Normalerweise leide ich, wie ca. 80 Prozent aller MS-Betroffenen im Sommer doch sehr unter dem Uhthoff-Phänomen (eine vorübergehende Verschlechterung der neurologischen Symptome). Dieses Jahr erging es mir zugegebenermaßen nicht so; ich empfand es die meiste Zeit nicht als so warm und als es dann wirklich heiß wurde, saß ich mit gebrochenem Fuß zu Hause. Ich bin trotzdem froh, dass der Herbst jetzt da ist.

In einer großen internationalen Untersuchung vom Royal Melbourne Hospital (Australien) wurden 32.000 Schübe von knapp 10.000 MS Patient:innen analysiert. Dabei kam heraus, dass die meisten MS-Schübe im Frühjahr auftreten und die wenigsten im Herbst. Die Forschung ist der Meinung, es habe etwas mit dem Vitamin D-Haushalt zu tun. Im Herbst sind durch die Sommermonate die Speicher gut gefüllt und im Frühjahr hingegen leer. Allerdings hatte ich tatsächlich zu jeder Jahreszeit schon einen Schub.

Ich liebe den Herbst – die bunten Bäume, das Licht und die Temperaturen. Ich gehe mit den Kindern Kastanien, bunte Blätter und sonstige Schätze aus der Natur sammeln. Zuhause wird es dann ruhiger und heimelig; wir basteln, spielen und fangen die letzten Sommerstrahlen ein.

Körperlich geht es mir im Frühling und Herbst bei angenehmen Temperaturen am besten. Ich merke wie ich mit meinem Körper und Geist zur Ruhe kommen kann. Ich kann loslassen und liebe diesen modrigen Duft in der Luft. Zuhause genieße ich warmen Tee und liebe außerdem die Köstlichkeiten, die der Herbst mit sich bringt. Kürbis in sämtlichen Variationen, Esskastanien und jede Menge Äpfel aus dem Garten.

Verschlechterung im Winter

Wenn es sehr kalt draußen ist, werden meine Beine sehr steif. Es kostet mich enorm viel Kraft, draußen ins Laufen zu kommen. Meine Beine schmerzen auch sehr viel stärker als sonst. Dass sich bei Kälte die Bewegungseinschränkungen und Spastiken verstärken, davon berichten viele MS-Erkrankte.

Tipps für den Winter:

  • Bevor es rausgeht, Dehnübungen machen
  • Schnelle Temperaturwechsel meiden (zu Hause nicht überheizen)
  • Sich warm anziehen (warme Socken, Strumpfhose, Thermoleggings,…)
  • Hand- und Fußwärmer
  • Nicht zu lange draußen bleiben
  • Für den Rollstuhl einen guten, warmen Sitzsack

Ich muss gestehen, ich tat mich die letzten Jahre etwas schwer mit dicker Winterkleidung; sieht ja meistens nicht so schick aus. Im letzten Jahr habe ich mir dann eine warme Skihose besorgt, mit der ich draußen war. Ich war und bin so dankbar über diese Hose bei kalten Temperaturen und will sie nicht mehr wissen.

Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie kann eine Folge der MS sein und tritt recht häufig bei MS-Patient:innen auf. Der Trigeminusnerv, der über das Gesicht verläuft, ist bei der Trigeminusneuralgie gereizt. Betroffene berichten von sehr starken, einschießenden Schmerzen im Gesichtsbereich. Dies wird häufig durch Zugluft und Kälte hervorgerufen. Am besten ziehen sich Betroffene einen warmen Schal über das Gesicht und tragen Kälteschutzcreme im Gesicht auf.

Fazit

Wie bei allem gilt auch hier: Hör auf die Bedürfnisse deines Körpers. Spüre in dich rein, was tut dir gut und was nicht. Gerade mit der MS war es die ersten Jahre eine kleine neue Entdeckungsreise für mich selbst. Ich musste mich und meinen Körper plötzlich völlig neu kennenlernen. Früher war ich ein absoluter Sommermensch... Urlaub in Ägypten, Griechenland, der Dominikanische Republik und auf den Kanaren. Es konnte nicht heiß und sonnig genug für mich sein. Heute wäre das für mich undenkbar. Ich halte es noch nicht mal mehr 5 Minuten in der Badewanne aus – Uhthoff-bedingt. Vielleicht bedeutet Herbst/Winter für dich auch etwas zur Ruhe kommen. Weg von all der Hektik und Terminen. Ich wünsche dir eine gemütliche Zeit!