Welche Risikofaktoren sind bekannt?

Der Vererbung kommt eine gewisse Bedeutung zu, obwohl die Multiple Sklerose keine Erbkrankheit im eigentlichen Sinne ist. Aber es gibt offenbar Erbfaktoren, die für die Erkrankung empfänglicher machen. Das bedeutet: Vererbt wird ein gewisses Risiko, nicht aber die Erkrankung selbst. Zum Beispiel beträgt das Risiko eines Zwillings 35%, wenn der andere Zwilling an MS erkrankt ist. Der Faktor Vererbung spiegelt sich möglicherweise auch in der ethnischen Zugehörigkeit Erkrankter wider.

Geografische Verteilung

So sind häufiger Nordeuropäer und Nordamerikaner von MS betroffen, seltener Afrikaner, Asiaten oder andere Völker.

Auch Infektionen stehen im Verdacht, an der Entstehung der MS mitzuwirken. Nach dieser Hypothese könnten sich Abwehrzellen, die aufgrund einer Infektion gebildet wurden, später gegen körpereigene Zellen richten und diese angreifen. Im Verdacht stehende Infektionen sind viraler oder bakterieller Natur, darunter Infektionen mit dem Eppstein-Barr-Virus, Humanen Herpesviren und Bakterien wie Chlamydien, Spirochäten oder Streptokokken.

Warum mehr Frauen und mehr Nordvölker?

Geschlechterverteilung

Frauen bekommen etwa doppelt so häufig MS wie Männer. Das Geschlecht scheint also eine Rolle zu spielen. Die eigentliche Ursache ist aber unklar. Möglicherweise spielen die Hormone eine ausschlaggebende Rolle. Aber auch die bei Frauen und Männern unterschiedliche Verteilung immunregulierender Gene wird mitunter als Erklärung für diese ungleiche Verteilung ins Feld geführt.

Nach einer weiteren Hypothese spielt Vitamin D eine Rolle in der Krankheitsentstehung. Demnach könnte ein hoher Vitaminspiegel in der Kindheit vor einer MS schützen. Die Annahme stützt sich auch auf die Tatsache, dass in der Nähe des Äquators lebende Menschen seltener MS entwickeln als Nordeuropäer oder Nordamerikaner. Denn Vitamin D wird vom Körper auch unter Einfluss von Sonnenstrahlen gebildet. Gleichwohl ist diese These sehr umstritten.

Auch andere Umweltfaktoren wie etwa die Hygiene stehen in der Diskussion. Neuere Untersuchungen belegen die schädlichen Auswirkungen des Rauchens auf das Immunsystem und die MS (Entstehung und Verlauf).

Ist Stress schuld?

Wo viele Unklarheiten sind, sind auch viele Spekulationen. Viele Betroffene fragen sich, ob Stress und Belastungen Ursache der MS waren. Auch als Auslöser von Krankheitsschüben wird Stress häufig verdächtigt.

Völlig aus der Luft gegriffen ist das nicht. Bei einigen Betroffenen können belastende Ereignisse oder anstrengende Zeiten in zeitlichen Zusammenhang mit dem Krankheitsbeginn oder auch späteren Schüben gebracht werden. Aber es gibt auch viele andere, bei denen das nicht der Fall ist. Die Studien zu diesem Thema sind rar und produzieren widersprüchliche Ergebnisse.

Faktoren für die Entstehung von MS

Sicher scheint, dass viele Faktoren zusammenkommen müssen, damit es zur Ausprägung einer MS kommt. Welche Faktoren das sind und wie diese zu gewichten sind, ist ein ungeklärtes Rätsel und könnte sich auch bei verschiedenen Menschen deutlich unterscheiden.