Verlaufsformen der MS

Eine Multiple Sklerose verläuft nicht bei allen Betroffenen gleich. Es lassen sich verschiedene Verlaufsformen unterscheiden, die außerdem in ihrer Schwere variieren. Um welche Verlaufsform es sich bei einem selbst handelt, zeigt meist erst die Beobachtung des Krankheitsgeschehens über die ersten Jahre nach der Diagnose.

Für das Verständnis wichtig ist der Begriff des Schubes: Bei einem Schub handelt es sich nach offizieller Definition um das Auftreten neuer oder bereits bekannter Beschwerden, die länger als 24 Stunden anhalten. Ein solcher akuter Schub entwickelt sich meist innerhalb von Stunden oder Tagen. Der Abstand zwischen einem Schub zum nächsten kann Jahre, sogar Jahrzehnte betragen, manchmal aber auch nur wenige Monate (wobei das selten ist).

Allerdings gibt es auch Multiple-Sklerose-Formen, die ohne den klassischen Schub verlaufen. Es lassen sich drei Verlaufsformen der MS unterscheiden.

Schubförmig remittierende MS (Relapse Remitting MS bzw. RRMS)

Schubförmig remittierende MS

Die Symptome und Beschwerden treten in Form von Schüben auf und bilden sich nach Tagen oder mehreren Wochen ganz oder teilweise wieder zurück. Nach der offiziellen Definition müssen zwischen zwei Krankheitsschüben mindestens 30 Tage liegen, damit man das überhaupt als Schub bezeichnen kann. Bilden sich die Symptome komplett zurück, spricht man von vollständiger Remission. Bleiben Beschwerden oder Einschränkungen zurück, ist das eine inkomplette Remission.

Solche Schübe können mehrmals pro Jahr auftreten, aber auch viele Jahre lang ausbleiben. Nicht als Krankheitsschub bezeichnet man Beschwerden, die etwa aufgrund von Temperaturerhöhungen auftreten (Uthoff-Phänomen, Pseudo-Schübe).

Mit 85 Prozent aller MS-Erkrankungen ist die schubförmige Erkrankungsform in den ersten zehn Jahren am häufigsten.

Sekundär progrediente MS (SPMS) mit oder ohne aufgesetzte Schübe

Sekundär progrediente MS

Bei der zunächst schubförmig verlaufenden MS kann es nach 10 bis 15 Jahren zu einem veränderten Krankheitsverlauf kommen, bei dem dann auch unabhängig von Schüben zunehmend bleibende neurologische Beschwerden und Einschränkungen auftreten. Dabei können zusätzlich immer wieder Schübe auftreten, aber auch ausbleiben. Dies wird als sekundär-fortschreitender Verlauf bezeichnet.

Primär progrediente MS (PPMS)

Primär progrediente MS

Davon abzugrenzen ist der sogenannte primär-progrediente Verlauf. Hier treten von Anfang an keine Schübe mit entsprechenden Rückbildungen auf, sondern es kommt zu einer schleichenden Zunahme der neurologischen Beschwerden und Einschränkungen. Nur ganz selten treten auch hier einmal aufgelagerte Schübe auf. Etwa 15 Prozent aller Menschen mit MS entwickeln diese Verlaufsform.