MS-Verlauf und Prognose

Wie sich eine Multiple Sklerose individuell entwickelt, ist leider überhaupt nicht vorherzusagen. Das ist von Person zu Person unterschiedlich und mit den diagnostischen Tests zu Beginn der Erkrankung nicht einschätzbar.

Fest steht aber, dass es mit den modernen Therapien gelingen kann, ein Voranschreiten der Erkrankung zu bremsen. Manchmal kommt eine MS sogar zum Ruhezustand, ohne dass man unbedingt weiß, warum. Sie ist dann nicht geheilt, aber subjektiv kaum noch spürbar.

Allerdings gibt es natürlich auch schwere Verläufe. Doch gibt es keine sicheren Merkmale wie Symptome oder Untersuchungsbefunde, die Rückschlüsse auf den zukünftigen Verlauf zulassen. Erst die zeitliche Entwicklung zeigt die Verlaufsform, z. B. ob es sich um einen schubförmigen Verlauf handelt und in welchem zeitlichen Rhythmus ungefähr neue Schübe auftreten.

Genau diese Unvorhersehbarkeit macht vielen Menschen, bei denen eine Multiple Sklerose festgestellt wird, Angst. Man weiß nicht, wie es bei einem persönlich laufen wird und neigt instinktiv dazu, den schlimmsten Verlauf anzunehmen. Vor dem inneren Auge entstehen möglicherweise Bilder von MS-Kranken im Rollstuhl oder pflegebedürftigen Kranken.

Das wird der Wirklichkeit aber nicht gerecht. Viele Menschen mit MS führen ein befriedigendes und unabhängiges Leben und bleiben zeitlebens von solch schweren körperlichen Einschränkungen verschont. Und auf der anderen Seite finden viele Betroffene, bei denen es nach Jahren oder Jahrzehnten doch zu einem schwereren Verlauf kommt, ihren eigenen Weg, mit möglichen Einschränkungen oder Behinderungen gut zurechtzukommen.

In jedem Fall ist es sinnvoll, sich nach der Erholung vom ersten Schock, die die Diagnose möglicherweise mit sich bringt, erst einmal ausgiebig über die Krankheit zu informieren. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann wohltuend sein und helfen, mit der Krankheit und Diagnose besser umzugehen.

Allerdings muss man sich dabei etwas vor passionierten Schwarzmalern hüten, die sich mitunter in MS-Foren aufhalten. Natürlich gibt es immer auch solche, die für sich einen positiven und lebensbejahenden Umgang mit der Erkrankung nicht hinbekommen haben und überhaupt nicht an die Chancen durch eine Behandlung glauben. Damit liegen sie nach aktuellem Stand des Wissens aber falsch. Und deshalb ist es moralisch fragwürdig, mit Inbrunst allen anderen ständig die eigene Resignation aufzwingen zu wollen.