Weitere medikamentöse Behandlungsansätze

Sowohl in der Basistherapie der MS als auch in der Behandlung eines akuten Schubes gibt es etablierte therapeutische Strategien, die derzeit für die meisten Experten als Option der ersten Wahl gelten. Dies sind in der Basis-Langzeittherapie die Interferone und auch Glatirameracetat, und in der Schub-Behandlung Kortison-Wirkstoffe.

Für den Fall, dass die Mittel der ersten Wahl nicht ausreichend wirken oder aus anderen Gründen nicht in Betracht kommen, muss man auf Reservemedikamente zurückgreifen. Die können in ihrer Wirksamkeit durchaus ebenbürtig sein, haben aber entweder ein deutlich ungünstigeres Nebenwirkungsprofil und werden deshalb erst als zweite Option eingesetzt. Oder aber es liegen noch zu wenige Daten vor, um die Wirksamkeit und Sicherheit auf längere Sicht zu beurteilen.

Glatirameracetat in der Basistherapie

Glatirameracetat ist ähnlich wie Interferon ein Immunmodulator, soll also das Immunsystem beruhigen. Es setzt an anderer Stelle des Immunsystems als Interferon an, verfolgt aber prinzipiell das gleiche Ziel.

Glatirameracetat senkte in Studien ähnlich wie Interferon nachweislich die Schub-Häufigkeit. Der Wirkstoff wird von den meisten Experten als gleichwertige Alternative zu Interferonen angesehen. Aufgrund der längeren Erfahrung und umfangreicherer Studiendaten bezüglich der Sicherheit werden aber Interferon-Präparate häufiger verordnet.

Im Gegensatz zu Interferonen handelt es sich bei Glatirameracetat nicht um eine körpereigene Substanz, sondern um ein synthetisch hergestelltes Medikament. Der Wirkstoff muss unter die Haut gespritzt werden. Im Unterschied zu Interferonen sind hier tägliche Spritzen notwendig.

Plasmapherese statt Kortison

Für die Akuttherapie steht Kortison zur Verfügung. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit besteht im Ersatz der Blutflüssigkeit, genauer des Blutplasmas. Man nennt das Verfahren Plasmapherese. Das ist im weitesten Sinne eine Blutwäsche, bei der immunologisch aktive Substanzen entfernt werden. Die Methode ist wegen ihrer hohen Belastung für den Körper aber nur etwas für Ausnahmefälle.