Warum man manche Medikamente spritzen muss

Die etablierten Basismedikamente bei Multipler Sklerose sind in Tablettenform nicht wirksam. Das gilt sowohl für die Interferone als auch für Glatirameracetat. Die empfindlichen Wirkstoffe würden nach einer Magen-Darm-Passage in zu geringer Menge ins Blut gelangen. Deswegen müssen sie gespritzt werden, entweder direkt unter die Haut oder in den Muskel.

Das hört sich zunächst vielleicht etwas unangenehm an. Aber die meisten kommen damit schon nach kurzer Zeit sehr gut zurecht. Ganz ähnlich den vielen Menschen, die Insulin oder Heparin spritzen müssen, empfindet man das Spritzen dann meist als zwar lästige, aber harmlose Routine. Im Falle der MS-Therapie werden die Spritzen unter die Haut meist als deutlich weniger unangenehm empfunden.

Da die Wirkdauer der Medikamente unterschiedlich ist, muss man die Interferone entweder alle zwei/drei Tage oder einmal wöchentlich spritzen. Bei einer Behandlung mit Glatirameracetat sind tägliche Spritzen erforderlich.

Selbst spritzen und unabhängig sein

Da man die Basismedikamente regelmäßig spritzen muss, ist es in jedem Fall sinnvoll, das Spritzen möglichst selbst zu erlernen. Dadurch wird man unabhängig von ständigen Arztbesuchen und kann seine Behandlung selbstständig steuern.

Das Spritzen lässt sich unter Anleitung erlernen. Injektionsschulungen durch den Arzt oder besonders geschulte MS-Schwestern stehen dafür zu Verfügung. Dabei geht es nicht allein um den Akt des Spritzens eines Medikaments, sondern auch um alle Fragen, die damit in Zusammenhang stehen.

Am Anfang ist die Selbstinjektion sicher fremd und ungewohnt und nicht wenige Betroffene entwickeln in den ersten Wochen sogar Angst vor dem Spritzen. Aber gerade dann helfen die oben genannten Service-Dienste, vor allem die geschulten MS-Schwestern, die auch ambulant unterwegs sind und ins Haus kommen. Meist wird man nach kurzer Zeit immer routinierter im Umgang mit seinen Medikamenten werden und die Unsicherheit oder Angst verschwindet komplett.

Intramuskulär oder subkutan?

Manche Medikamente werden direkt in den Muskel injiziert. Da Muskeln eine beträchtliche Blutversorgung aufweisen, stellt diese Art einen schnelleren Transportweg zu anderen Körperregionen dar, als die orale Verabreichung. Das Massieren des Muskels nach dem Spritzvorgang kann die Durchblutung erhöhen und somit auch die Verteilung in die restlichen Körperregionen. Intramuskuläre Injektionen können ziemlich schmerzhaft oder unangenehm sein, da man in Tiefe Muskelschichten eindringt, in denen viele Nerven liegen. Blutergüsse können auftreten, wenn ein Blutgefäß bei der Injektion getroffen wird.

Subkutane Injektionen transportieren den Wirkstoff nur in die Fettschicht der Haut. Sie sind nicht sehr schmerzhaft, da es dort nur sehr wenige Blutgefäße oder Nervenenden gibt. Das Medikament wird im Allgemeinen langsamer absorbiert (und dadurch stetig) als bei der intramuskulären Injektion. Lokale Hautreaktionen an der Einstichstelle können auftreten. Interferon Beta-1b wird z.B. subkutan verabreicht.