Registerstudie zum Vergleich der Hirnatrophie-Raten von krankheitsmodifizierenden Medikamenten (DMDs) der ersten und der zweiten Generation bei MS-Patienten mit MS ohne Schübe

Masuda H et al.: Comparison of brain atrophy in patients with multiple sclerosis treated with first- versus second-generation disease modifying therapy without clinical relapse. Eur J Neurol.2020 May 19. Doi:10.1111/ene.14335. Online ahead of print1

 

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Studie kompakt

  • Die jährliche Schubrate war bei Patienten mit DMD der ersten Generation niedriger als bei Patienten mit DMD der zweiten Generation (Median 0,26 vs. 0,59; P < 0,001).
  • In der annualisierten Atrophie-Rate des normalisierten Gehirnvolumens gab es keinen Unterschied zwischen Patienten, die mit DMD der ersten oder der zweiten Generation behandelt worden waren (Median 0,13% vs. 0,59%; P = 0,17).

Ziel der Studie

Das Ziel dieser Studie war es, die Hirnatrophie-Raten von DMDs der ersten und der zweiten Generation bei MS-Patienten ohne Schübe zu untersuchen.

 

Methode

  • Retrospektive Untersuchung von 163 Patienten mit RRMS am Chiba University Hospital in Japan, die mit DMD behandelt worden waren.
  • Zwei Gruppen:
    • 1. Patienten mit DMD der ersten Generation (Interferon-beta-1a, Interferon-beta-1b oder Glatirameracetat)
    • 2. Patienten mit DMD der zweiten Generation (Dimethylfumarat, Fingolimod oder Natalizumab)
  • Zwei MRT Untersuchungen innerhalb >= 1 Jahres und keine Schübe in dieser Zeit
  • Das Gehirnvolumen wurde mit SPM12* berechnet.

*SPM = Statistical Parametric Mapping ist eine statistische Technik zur Untersuchung von Unterschieden in der Gehirnaktivität, die während funktioneller Neuroimaging-Experimente aufgezeichnet werden

 

Studienpopulation

Insgesamt 45 Patienten mit schubförmiger MS wurden in die Analyse aufgenommen:

=> DMD-Gruppe der ersten Generation (n = 22)

=> DMD-Gruppe der zweiten Generation (n = 23).

 

    Ergebnisse

    • Die jährliche Schubrate war bei Patienten mit DMD der ersten Generation niedriger als bei Patienten mit DMD der zweiten Generation (Median 0,26 vs. 0,59; P < 0,001).
    • In der annualisierten Atrophie-Rate des normalisierten Gehirnvolumens gab es keinen Unterschied zwischen Patienten, die mit DMD der ersten oder der zweiten Generation behandelt worden waren (Median 0,13% vs. 0,59%; P = 0,17).
       

    Clinical characteristics and brain volumes at MRI-1 and MRI-2 and the annualized atrophy rate in first- and second generation disease-modifying drug groups

    Schlussfolgerung

    Die mediane annualisierte Atrophierate des normalisierten Gehirnvolumens in der DMD-Gruppe der ersten Generation ähnelte der zuvor gemeldeten jährlichen Atrophie-Rate gesunder Kontrollen, was darauf hindeuten kann, dass die Behandlung mit einem DMD der ersten Generation nicht geändert werden muss, wenn Patienten mit MS klinisch inaktiv sind.

     

    Diskussion der Autoren zum Kontext:

    „Kürzlich wurde eine frühe Top-down-Strategie vorgeschlagen, mit dem Ziel „no evidence of disease activity“ zu erreichen.2 Dies hat eine Debatte nach sich gezogen, ob Patienten mit MS früh im Krankheitsverlauf mit DMDs der zweiten Generation therapiert werden sollten. Da jedoch das Risiko, einschließlich progressiver multifokaler Leukoenzephalopathie, bei DMD der zweiten Generation höher als bei DMDs der ersten Generation ist, müssen Kliniker eine Strategie für die DMD-Auswahl entwickeln.

    Unsere Studie hat gezeigt, dass MS-Patienten mit DMD der ersten Generation eine vergleichbare Hirnatrophie-Rate wie gesunde Kontrollen in der schubfreien Periode aufwiesen.

    Dies kann darauf hindeuten, dass es nicht notwendig ist, DMDs der ersten Generation zu ändern, wenn der Patient keinen Schub zeigt.“

    Literatur
    1. Masuda H et al. Comparison of brain atrophy in patients with multiple sclerosis treated with first- versus second-generation disease modifying therapy without clinical relapse. Eur J Neurol.2020 May 19. Doi:10.1111/ene.14335. Onlineahead of print
    2. Giovannoni G. Disease-modifying treatments for early and advanced multiple sclerosis: a new treatment paradigm. Curr Opin Neurol 2018; 31: 233–243.

     

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