Kein Hinweis auf erhöhtes Infektionsrisiko durch DMT der 1. Generation

Wijnands et al. Neurol Neurosurg Psychiatry 2018

In einer auf Krankenkassendaten beruhenden Studie von Wijnands et al. sind Interferon beta oder Glatirameracetat bei Multiple-Sklerose-Erkrankten seltener mit Infektionen assoziiert als DMT der 2. Generation.

Bisher gibt es keine Medikamente, mit denen Multiple Sklerose (MS) geheilt werden kann. So genannte krankheitsmodifizierende Therapien (DMT) können jedoch das Rückfallrisiko senken. José Maria Andreas Wijnands von der British Columbia University im kanadischen Vancouver und sein Team untersuchten anhand von bevölkerungsbasierten Gesundheits-Verwaltungsdaten aus Kanada, in wie weit die verschiedenen DM-Substanzen das Infektionsrisiko der PatientInnen beeinflussen.

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Studie kompakt

  • Kein höheres Infektionsrisiko unter IFNß oder GLAT im Vergleich zu PatientInnen ohne DMT
  • 59% höheres Infektionsrisiko unter Natalizumab im Vergleich zu PatientInnen ohne DMT

Methode

  • Design: retrospektive Kohortenstudie
  • Datenpool: prospektiv gesammelte bevölkerungsbasierte Gesundheits-Verwaltungsdaten der kanadischen Provinz British Columbia (1996-2013)
  • Teilnehmende: 6.793 Menschen mit MS, davon 4.999 Frauen
  • Outcome:
  1. Primär: Infektionshäufigkeit in der klinischen Praxis (ICD-9/10)
  2. Sekundär: Hospitalisierung wegen einer Infektion

 

Ergebnisse

1.716 MS-PatientInnen bekamen im Untersuchungszeitraum mindestens einmal eine DMT.

Infektionshäufigkeit in der klinischen Praxis: Unter einer DMT der 1. Generation (Interferon beta + Glatirameracetat) unterschied sich die Infektionshäufigkeit nicht signifikant von der Infektionsrate der MS-PatientInnen, die keine DMT erhalten hatten.  

Anders bei Substanzen der 2. Generation: Unter intravenös zu verabreichendem Natalizumab lag das Infektionsrisiko signifikant um 59% höher gegenüber keiner DMT, bei den oralen Substanzen waren es nicht signifikante 17%.

Graphik Infektionsrisiken Studie Wijnands

DM-Substanzen der 2. Generation waren mit 53% mehr Infektionsdiagnosen assoziiert als DM-Substanzen der 1. Generation (aHR 1,53; 95% CI 1,21 bis 1,95).

Zu den häufigsten Infektionskrankheiten zählten:

  1. Infektionen der oberen Atemwege (n = 1.938)
  2. Harnwegsinfekte (n = 1.247)
  3. Bronchitis (n = 788)
  4. Infektionen der Haut (n = 760)
  5. Lungenentzündung (n = 245)

Im Vergleich zu Patienten ohne DMT zeigte sich bei DMT der 1. Generation kein erhöhtes Risiko für Infektionen der oberen Atemwege, bei DMT der 2. Generation lag das Risiko für Infektionen der oberen Atemwege durchschnittlich um 58% höher.

Pneumonien traten unter DMT generell seltener auf als bei MS-PatientInnen ohne DMT.

Keine der untersuchten DMT beeinflusste das Auftreten von Harnwegsinfekten, Infektionen der Haut oder Bronchitiden.

Hospitalisierungen: MS-PatientInnen mit und ohne DMT kamen vergleichbar häufig wegen einer Infektion ins Krankenhaus.

 

Fazit

Wijnands et al. fanden in ihrer populationsbasierten Studie unter DMT der 1. Generation kein erhöhtes Infektionsrisiko. Unter Substanzen der 2. Generation traten dagegen mehr Infektionen auf.

Die AutorInnen fordern weitere Studien, die das Risiko nach Alter und Geschlecht stratifizieren, um das spezifische Infektionsrisiko in den individuellen Behandlungsplänen besser berücksichtigen zu können.

Literatur

Wijnands JMA et al. Disease-modifying drugs for multiple sclerosis and infection risk: a cohort study. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2018;89(10):1050-6.

Autorin: ch/ktg