Hospitalisierung von Menschen mit Multipler Sklerose

Marrie et al. Neurol Neurosurg Psychiatry 2018

An Multiple Sklerose Erkrankte müssen heute seltener ins Krankenhaus als noch vor 25 Jahren. Auch die Einweisungsgründe haben sich geändert: MS-Symptome spielen dabei nur noch selten eine Rolle.

Studie kompakt

  • MS-Erkrankte müssen heute deutlich seltener ins Krankenhaus als noch vor 25 Jahren
  • MS-Symptome sind nur noch in 7,8% der Fälle der Einweisungsgrund
  • MS-Erkrankte werden häufiger wegen Infektionen eingewiesen als die Normalbevölkerung

In den letzten 20 Jahren hat sich für MS-Erkrankte viel verändert: Die Diagnostik hat sich verbessert, es vergeht weniger Zeit bis zur Diagnosestellung und für die Behandlung stehen wirksame krankheitsmodifizierende Therapien (DMT) zur Verfügung.

Wenig ist jedoch darüber bekannt, ob und wie sich diese Entwicklung auf die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems niederschlägt. Daher untersuchten kanadische WissenschaftlerInnen, wie häufig und aus welchen Gründen MS-Erkrankte ins Krankenhaus eingewiesen werden. 

 

Methode

  • Design: populationsbasierte Fall-Kontroll-Studie
  • Datenpool: prospektiv erhobene Krankenkassenverwaltungsdaten aus Manitoba, Kanada (1984-2011)
  • Teilnehmende: 5.797 Menschen mit MS, 28.769 Menschen ohne MS (Kontrollgruppe)
  • Ziel: Erfassung von Häufigkeit akuter Krankenhauseinweisungen und deren Indikationen

 

Ergebnisse

Häufigkeit von Krankenhauseinweisungen: 1984 kam fast jeder vierte MS-Erkrankte ins Krankenhaus, in der Kontrollgruppe war es nicht einmal jeder Zehnte.

Danach sank bei den MS-PatientInnen die Hospitalisierungsrate kontinuierlich und lag 2011 gegenüber 1984 um 75% niedriger. Höheres Alter und niedriger sozioökonomischer Status waren mit mehr Hospitalisierungen verbunden.

Indikationen für Krankenhauseinweisungen: 1984 hingen noch 43,4% der Einweisungen mit der MS-Erkrankung zusammen, 2011 waren es dagegen nur noch 7,8%.
Menschen im höheren Alter (60 Jahre oder älter) kamen häufiger ins Krankenhaus als unter 40-Jährige. Einweisungsgrund war jedoch seltener Symptome der MS als vielmehr andere Erkrankungen.

Bei Patienten mit MS waren die häufigsten Gründe für Einweisungen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, des Urogenitalbereichs oder des Herz-Kreislauf-Systems. In der Kontrollgruppe waren es Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Magen-Darm-Traktes und Tumore.

Bakterielle Pneumonien, Influenza, Urogenitalinfektionen und Druck-Ulcera traten bei MS-PatientInnen als Einweisungsgrund häufiger auf als in der Kontrollgruppe. Dagegen waren beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tumore bei den MS-Erkrankten seltener.

 

Ausgewählte Gründe* für Krankenhauseinweisungen (1984-2011)

Einweisungsgrund

Bezogen auf Hospitalisierungen

Anhand von ICD-Diagnosen

bei MS-Erkrankten

(n = 10.587)

in der Allgemeinbevölkerung

(n = 38.490)

Erkrankungen des MDT

1.541 (14,5%)

5.475 (14,2%)

Urogenitale Erkrankungen

1.475 (13,9%)

3.558 (9,24%)

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

1.106 (10,4%)

6.429 (16,7%)

…..

….

…..

Karzinome

    646 (6,1%)

4.316 (11,2%)

Infektionen und Parasiten

    244 (2,3%)

   521 (1,35%)

* ohne MS-Symptome als Einweisungsgrund; MDT = Magen-Darm-Trakt 

 

Fazit

MS-Kranke werden heute achtmal seltener ins Krankenhaus eingewiesen als noch vor 25 Jahren.  

Da nicht einmal mehr jede 10. Einweisung wegen der Erkrankung selbst erfolgt, müsse das Augenmerk auf die Prävention von Komplikationen gelegt werden, beispielsweise auf die Vermeidung von Infektionen, so die AutorInnen.

Literatur

Marrie RA et al. Dramatically changing rates and reasons for hospitalization in multiple sclerosis. J Neurology. 2014;83(10):929-37.

Autorin: ch/ktg