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5.3 Betaferon bei Kindern mit MS / BETAPAEDIC

Es wurden keine klinischen oder pharmakokinetischen Studien bei Kindern oder Jugendlichen durchgeführt. In begrenztem Umfang vorliegende veröffentlichte Daten deuten jedoch darauf hin, dass das Sicherheitsprofil bei Jugendlichen von 12 – 16 Jahren, denen Betaferon 8,0 Mio. I.E. jeden zweiten Tag subkutan injiziert wird, ähnlich ist wie bei Erwachsenen. Zur Anwendung von Betaferon bei Kindern unter 12 Jahren liegen keine Daten vor. Daher sollte Betaferon bei dieser Patientenpopulation nicht angewendet werden.1

BETAPAEDIC ist die erste prospektive, internationale, multizentrische nicht-interventionelle Post-Authorisation Safety Study, die die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Betaferon (Interferon beta-1b) bei Kindern mit RRMS untersucht.2

In die Studie eingeschlossen wurden therapienaive Patienten in einem Alter von 12-16 Jahren, bei denen RRMS diagnostiziert wurde. Alle Patienten  wurden von den Studienärzten zur Behandlung mit subkutanem Interferon beta-1b in der empfohlenen Dosierung von 250 µg jeden zweiten Tag vorgesehen. Eine Aufdosierung wurde zu Therapiebeginn empfohlen und konnte nach Ermessen des behandelnden Arztes vorgenommen werden. Kontrolluntersuchungen fanden alle 6 Monate statt. Die Wirksamkeit von Betaferon wurde anhand der Schubrate und der Behinderungsprogression über einen Zeitraum von 2 Jahren beurteilt. Als Parameter für die Erkrankungsprogression wurde die Verschlechterung des EDSS um 1,0 definiert. Des Weiteren wurde die Fatigue anhand der Fatigue Severity Scale (FSS) beobachtet.

Die Studie untersuchte außerdem neuropsychologische Funktionen wie

  • Intelligenz (WIS-IV, SPM)3,4
  • Aufmerksamkeit und Konzentration (d2 test)5
  • Visuelle und motorische Koordination (Beery VMI)6

ebenso wie MRT-Befunde (Anzahl der neu-aufgetretenen T2-oder Gd+-Läsionen) und unerwünschte Ereignisse.

In die Analyse wurden 67 Patienten aus 14 Zentren in 6 Ländern eingeschlossen. Die Daten von 65 Kindern konnte zur Analyse der Wirksamkeitsparameter herangezogen werden, davon waren 76,9% Mädchen. Die durchschnittliche Krankheitsdauer zu Beginn der Studie lag bei 10,8 Monaten. 98,5% der Studienteilnehmer berichteten von mindestens einem klinischen Ereignis bzw. einem Fortschreiten im EDSS während der vorangegangenen 2 Jahre vor Studieneinschluss.2

Die durchschnittliche Anzahl der Schübe war während der Studiendauer niedriger (1,0; n=57) als in dem Zeitraum vor Einschluss in die Studie (2,2; n=65). Zu beachten ist dabei, dass der Studienzeitraum länger war als die mittlere Erkrankungsdauer davor.

Die jährliche Schubrate in der Subgruppe der Patienten (n=17), die ≥ 1 Jahr vor Studieneinschluss erkrankt waren, wurde von 1,6 auf 0,7 reduziert. Bei der Subgruppe (n=29), die ≥ 6 Monate vor Studieneinschluss erkrankt war, konnte eine Reduktion der jährlichen Schubrate von 2,4 auf 0,8 beobachtet werden (s. Abb. 35).

49,1% (28/57) der Patienten erlitten während der Studie keinen Schub. Der EDSS blieb während des zweijährigen Studienzeitraums stabil. Der durchschnittliche EDSS betrug  bei Baseline 0,6 (SD 1,0; n=36) und bei der letzten Visite: 0,6 (SD 0,9; n=40). Damit war die durchschnittliche EDSS-Änderung seit Baseline 0,0 (SD 0,9).

41,1% (23/56) der Patienten erreichten innerhalb des Studienzeitraums NEDA-2 (no evidence of disease activity), das als Freiheit von Schubaktivität und EDSS-Progression definiert war. Kein Patient (0/57) konvertierte während der BETAPAEDIC-Studie zur SPMS.2
Kraniale MRT-Daten waren von 48, 43, 38 und 29 Patienten bei der ersten, zweiten, dritten und vierten Nachbeobachtungsuntersuchung verfügbar. Im kranialen MRT wurde ein gewisses Maß an Krankheitsaktivität festgestellt, denn bei der letzten individuellen Nachuntersuchung hatten 78,2% der Patienten  (43 von 55)  neue T2-Läsionen und 52,7% der Patienten (29 von 55) neue Gd aufnehmende+- Läsionen. 10,7% der Patienten (6/56) mit verfügbaren MRT-Daten erreichten NEDA-3, d.h. hatten keinen Schub, zeigten kein Fortschreiten im EDSS und wiesen keine neuen T2-oder Gd+-Läsionen auf.

Abb. 35: Jährliche Schubraten vor und während der Studie

Die kognitiven Leistungen lagen sowohl zu Beginn als auch bei der letzten Folgeuntersuchung im Normalbereich. Der durchschnittliche FSS-Wert betrug 3,0 (SD 1,3; n=29) und der durchschnittliche FSS-Wert auf der visuellen Analogskala betrug 3,7 (SD 2,8; n=29) bei der letzten Nachuntersuchung. Diese Werte deuten auf eine fehlende Fatigue Symptomatik hin. Bei 18 von 49 Patienten (36,7%) war der durchschnittliche FSS-Wert zu irgendeinem Zeitpunkt der Studie > 4. Ein FSS-Wert ≥ 4 zeigt das Vorliegen einer Fatigue-Symptomatik an.2

Im Rahmen der BETAPAEDIC-Studie wurde von keinen neuen Sicherheitssignalen berichtet. 76% (51/67) der Patienten berichteten von medikamenten-assoziierten unerwünschten Ereignissen. Dazu gehörten vor allem Grippesymptome (46,3%), Kopfschmerzen (19,4%), Injektionsreaktion (16,4%) und erhöhte Leberwerte (11,9%).

Das Sicherheitsprofil von Interferon beta-1b bei Kinder scheint dem, was bereits in Studien mit erwachsenen MS-Patienten beobachtet wurde, ähnlich zu sein.

Die BETAPAEDIC-Studienergebnisse weisen somit darauf hin, dass die Therapie mit Betaferon für Kinder eine wirksame Therapie mit einem guten Sicherheitsprofil darstellen kann und bestätigen somit die Empfehlung der IPMSSG.7, 2

Literatur
  1. Fachinformation Betaferon, Stand März 2017.
  2. Gärtner J et al., MSJ 2017; DOI: 10.1177/2055217317747623.
  3. Wechsler D. Wechsler Intelligence Scale for Children - Manual. 4th ed. Pearson; 2003.
  4. Raven JC. Raven’s Standard Progressive Matrices (SPM) and Raven’s Standard Progressive Matrices Plus (SPM Plus) - Maual. Pearson; 1979.
  5. Brickenkamp R, Zillmer E. d2 Test of Attention Manual. 1st ed. Seattle, Toronto, Bern, Goettingen: Hogrefe & Huber; 1998.
  6. Beery KE, Buktenica NA, Beery NA. Beery-Buktenica Developmental Test of Visual Motor Integration - Manual. 6th ed. Pearson; 2010.
  7. Chitnis T et al., MSJ 2012; 18(1): 116-127.