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4.1 MS und Schwangerschaft

Bei der Multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter, Frauen sind zwei bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Entsprechend sind Fragen nach Fertilität, Schwangerschaft und Geburt ein bedeutsames Gesprächsthema zwischen Patientinnen und behandelndem Arzt.1

Bezüglich der Fertilität lässt sich feststellen, dass diese von Frauen und Männern mit MS nicht eingeschränkt ist.2, 3

Im Rahmen einer Schwangerschaft kommt es zu multiplen physiologischen Veränderungen, die auch zu einer Änderung des Immunstatus führen und so den Verlauf der Multiplen Sklerose (günstig) beeinflussen können.1 So nimmt die Schubrate in der Schwangerschaft meist kontinuierlich ab, bis zu 80% im letzten Drittel.

Postpartal kommt es in den ersten drei Monaten häufig zu einem signifikanten Schubanstieg, etwa 30 % der Frauen erleiden in diesem Zeitraum einen Schub. Im zweiten Trimenon nach der Geburt geht die Schubrate auf das präpartale (unbehandelte) Niveau zurück.Trotz möglicherweise postpartal temporär erhöhter Krankheitsaktivität lässt sich grundsätzlich sagen, dass eine Schwangerschaft keine längerfristigen negativen Effekte auf den weiteren Krankheitsverlauf hat.1

Die Schwangerschaftsverläufe von Frauen mit MS und gesunden Frauen sind ähnlich.3 Es wird davon ausgegangen, dass  kein erhöhtes Risiko hinsichtlich ektoper Schwangerschaften, Spontanaborten, Frühgeburten oder Komplikationen wie Eklampsie besteht. Es wurde ebenso kein erhöhtes Risiko für kongenitale Fehlbildungen bei Kindern von Frauen mit MS beobachtet.1

Auch hat MS keinen nachteiligen Einfluss auf die Geburt.Somit muss kein Kaiserschnitt nur aufgrund der MS durchgeführt werden, ebenso gibt es im Allgemeinen keine Einschränkungen für eine Periduralanästhesie (PDA).3

Daher sind namhafte Neurologen heute der Ansicht:

„Aufgrund zahlreicher neuer Daten ist heute keiner Frau mit MS von Ihrem Wunsch nach Kindern abzuraten, sondern es muss dahingehend aufgeklärt werden, dass durch die MS keine negativen Effekte für die kindliche Entwicklung und Geburt zu erwarten sind und der Krankheitsverlauf durch eine Schwangerschaft sogar eher günstig beeinflusst wird.“1

Schließlich ist auch das „Genetische Risiko einer MS“ ein Thema, das mit den Betroffenen besprochen werden sollte. Zwar ist MS keine Erbkrankheit1, geht aber doch mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko bei Kindern mit an MS erkrankten Blutsverwandten einher:3

  • MS-Risiko in der Allgemeinbevölkerung in Deutschland: 0,1– 0,2 %
  • Folgende Häufigkeiten werden je nach Verwandtschaftsgrad zum MS-Betroffenen angegeben:
  Cousin hat MS 0,7 %
  Nachkomme eines MS-Elternteils 2,0 %
  Geschwister hat MS  3,5 %
  Nachkommen von zwei MS-Elternteilen 20,0 %
  Monozygoter Zwilling hat MS 27,0 %

 

Literatur
  1. Berger T, Di Pauli F, Multiple Sklerose und Schwangerschaft. Journal für Neurologie Neurochirurgie und Psychiatrie 2009;10(1),26-31
  2. Schmidt RM, Hoffmann FA, Multiple Sklerose; Schwangerschaft bei MS, Urban & Fischer, 2012; 5. Auflage
  3. Kompetenznetz Multiple Sklerose, Qualitätshandbuch MS / NMOSD, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage Juli 2017