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10.7.2 Reaktionen an der Einstichstelle

Folgende Punkte sollten beachtet werden:

  • Für jede Injektion sollte eine „neue“ Injektionsstelle gewählt werden und dabei jedes Mal der Injektionsbereich sowie Körperseite gewechselt werden. Weitere Informationen zu den acht möglichen Injektionsbereichen entnehmen Sie bitte der Abbildung 44 in Kapitel 10.5.1.1
  • Die Injektionsstellen sollten vor jeder neuen Injektion sorgfältig, z. B. auf Verhärtungen, Eindellungen und Verfärbungen kontrolliert werden.1
  • In eine noch alterierte Injektionsstelle sollte niemals injiziert werden. 
  • Ein Anwärmen der NaCI-Lösung vor der Rekonstituierung auf Körpertemperatur und Injektion des angewärmten fertigen Arzneimittels kann Schmerzen und Hautreaktionen vermeiden.1
  • Kanüle senkrecht und vollständig einstechen.1
  • Die Nadelspitze sollte bei der Injektion frei von Arzneimittellösung sein („trockene Nadel“).
  • Langsam injizieren (10 bis 20 Sekunden). 
  • Nach erfolgter Injektion sollte die Kanüle noch weitere 10 Sekunden in der Haut verbleiben, um ein Rückfließen der Injektionslösung durch den Stichkanal zu vermeiden. Eine Massage oder Reiben der Injektionsstellen sollte auf jeden Fall vermieden werden, da hierbei u.U. eine Verstärkung möglicher Hautreaktionen ausgelöst werden kann. 
  • Bei schmerzempfindlichen Patienten oder Patienten, die zu spontanen Hautreaktionen neigen, kann eine Kühlung der Injektionsstelle vor und nach der Injektion ratsam sein, sowie eine lokale Anwendung eines Anästhetikums.2
  • Injektionsstellen im Tagebuch oder mit dem mobilen Injektionsmanager myBETAapp aufzeichnen. 
  • Tritt bei einem Patienten eine Hautläsion auf, die mit Schwellung oder Flüssigkeitsabsonderung aus der Injektionsstelle verbunden sein kann, soll der Patient den Arzt konsultieren, bevor er die Betaferon-Injektionen fortsetzt.3
  • Bei Patienten, die an den Einstichstellen mit Verhärtungen, starken Schwellungen oder blauen Flecken reagieren, empfiehlt sich eine heparinhaltige Zubereitung. 
  • Treten nach der Injektion von Betaferon Schmerzen im Injektionsbereich auf, so kann eine Ibuprofensalbe hilfreich sein.4
  • Rötungen und leichte Schwellungen können im Ausnahmefall auch kurzzeitig mit Kortikoidcremes behandelt werden.5
  • Einige Patienten reagieren an den Einstichstellen photosensibel. Diese Patienten sollten sich nicht unnötig einer UV-Bestrahlung aussetzen (Vorsicht: Solarium). 

Durch optimales Nebenwirkungsmanagement kann die Inzidenz von Nekrosen auf circa 1 % gesenkt werden. Treten dennoch Nekrosen auf, muss je nach ihrer Größe und ihrem Ausmaß sowie nach Reaktion des Patienten individuell über eine Dosisreduktion oder einen Therapieabbruch entschieden werden. Auf jeden Fall ist eine Injektion in den Bereich der Nekrose zu vermeiden. 

  • Patienten mit einzelnen Läsionen können, vorausgesetzt die Nekrose ist nicht zu ausgedehnt, die Behandlung mit Betaferon fortsetzen, da bei einigen Patienten eine Abheilung der Nekrosen während der Behandlung mit Betaferon stattgefunden hat.3
  • Falls bei einem Patienten mehrere Hautläsionen bestehen, sollte die Behandlung mit Betaferon bis zur Abheilung unterbrochen werden. Danach sollte wieder einschleichend aufdosiert werden (siehe Schema zur Aufdosierung unter 10.2).3

Die Arbeit von Brochet et al., 2006 hat gezeigt, dass Hautreaktionen an den Einstichstellen durch die Verwendung eines Injektomaten signifikant reduziert werden können.6

Die ersten Injektionen sollten unter Anleitung von Fachpersonal (Arzt, MS-Schwester) durchgeführt werden. Auch der Vorgang der Selbstinjektion sollte regelmäßig überprüft werden, besonders dann, wenn Reaktionen an den Injektionsstellen aufgetreten sind.3 Ergänzend zur ärztlichen Beratung steht auch das BETAPLUS-Serviceteam zur Verfügung. Geschulte Pflegekräfte unterstützen den Patienten von Therapiebeginn an durch eine qualifizierte und patientengerechte Beratung zur Therapie, auch im häuslichen Umfeld. Weitere ausführliche Informationen zum BETAPLUS-Patientenbetreuungsprogramm finden Sie in Kapitel 12.

Literatur
  1. Albani C und Albani G, J Neurol Neurosurg Psychiatry 1997; 62: 418.
  2. Walther E et al., Nervenarzt 1996; 67: 452 – 456.
  3. Fachinformation Betaferon, Stand März 2017.
  4. The IFNB MS Study Group, Neurology 1993; 43: 655 – 661.
  5. Munschauer F und Kinkel R, Clin Ther 1997; 19: 883 – 893.
  6. Brochet B et al, Rev Neurol (Paris) 2006; 162: 735 – 740.