IFNß in der Schwangerschaft

Hellwig et al. J Neurol 2020

Für Interferon beta wurde im September 2019 nach erfolgter Bewertung durch die Europäische Arzneimittelagentur eine Zulassungsänderung zu Schwangerschaft und Stillzeit wirksam. Die Entscheidung basiert auf Register-Daten.

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Update Fachinformation

  • Einsatz von IFNβ in Schwangerschaft, wenn klinisch erforderlich, und Stillzeit möglich
  • Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwerwiegende angeborene Fehlbildungen unter IFNβ nach Exposition vor Empfängnis oder im ersten Schwangerschaftstrimenon
  • Daten weisen nicht auf ein erhöhtes Risiko von Spontanaborten hin unter Exposition von Interferon beta in der Schwangerschaft

Viele Frauen mit Multipler Sklerose (MS) und krankheitsmodifizierender Therapie (DMT) sind im gebärfähigen Alter. Für sie ist die Familienplanung ein wichtiges Thema. Bisher gibt es wenige Studien zur Sicherheit von DMT für Schwangere und die kindliche Entwicklung.

Kerstin Hellwig und KollegInnen vom Katholischen Klinikum Bochum werteten nun in ihrer Studie Daten des Europäischen Interferon beta Schwangerschaftsregisters aus, um das Sicherheitsprofil von Interferon beta (IFNß) in der Schwangerschaft zu untersuchen.

 

Methode

  • Design: prospektiv erhobene Daten der Zulassungsinhaber der Interferon beta Produkte (Bayer AG, Biogen, Merck KGaA, Novartis Pharma AG) aus 26 Staaten des europäischen Wirtschaftsraums
  • Zeitraum der Datenerhebung: 2009-2017
  • Teilnehmende: 948 schwangere MS-Patientinnen mit IFNβ
  • Ziel: Untersuchung der Schwangerschaftsausgänge bei Patientinnen mit IFNβ Therapie

 

Ergebnisse

Von 2.447 gesammelten Schwangerschaftsberichten war in 948 Fällen der Ausgang der Schwangerschaft bekannt. Bei mehr als 80% (n=777/948) der Schwangerschaften kam es zu Lebendgeburten ohne Fehlbildungen.

In 18% der Fälle kam es zu: ektope Schwangerschaft, geplanter Schwangerschaftsabbruch, Totgeburt, Spontanabort oder Lebendgeburt mit angeborenen Fehlbildungen. Dabei waren Spontanaborte und Lebendgeburten mit angeborenen Fehlbildungen ähnlich häufig wie in der Allgemeinbevölkerung.

Schwangerschaftsausgaenge_Hellwig_europaeisches_register

Fazit

Die Daten des europäischen Schwangerschaftsregisters deuten nicht darauf hin, dass eine Exposition mit IFN-beta vor Konzeption und/oder während der Schwangerschaft das Risiko für angeborene Fehlbildungen oder Spontanaborte erhöht. 

Hellwig et al. schließen daraus, dass Frauen im gebärfähigen Alter, die Interferon beta erhalten, diese Therapie bis zur Bestätigung der Schwangerschaft fortführen können.

Literatur

Hellwig K et al. Pregnancy outcomes in interferon-beta-exposed patients with multiple sclerosis: results from the European Interferon-beta Pregnancy Registry. J Neurol. 2020 Feb 26 (Epub ahead of print).

Autorin: biho/ktg

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