Kaum Interferon beta-1a in der Muttermilch

Hale et al. Breastfeeding Med. 2012

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Viele an Multiple Sklerose erkrankte Mütter möchten ihre Kinder stillen, auch unter IFNβ Therapie. Eine texanische Forschungs-Gruppe bestimmte erstmals die IFNβ-1a Konzentrationen in der Muttermilch behandelter Frauen. Ihr Ergebnis: Der Übertritt von IFNβ-1a in die Muttermilch war minimal.

Studie kompakt

  • INF beta-1a ging nur in geringen Mengen in die Muttermilch über
  • INF beta-1a Exposition über die Muttermilch blieb für die Stillkinder ohne Nebenwirkungen
  • Oral aufgenommenes Interferon wird wahrscheinlich kaum vom Körper resorbiert

Bisher war unklar, wie und in welcher Menge Interferon beta in die Muttermilch gelangt. Thomas Hale und sein Team von der Texas Tech Universität im US-amerikanischen Amarillo haben 2012 erstmals den Übertritt von Interferon beta-1a in die Muttermilch quantitativ erfasst.

 

Methode

  • Design: prospektive Beobachtungsstudie
  • Teilnehmende: 6 stillende MS-Patientinnen unter IFNβ-1a Therapie
  • Vorgehen: Die Milchproben wurden vor intramuskulärer IFNβ-1a Injektion sowie 1, 4, 8, 12, 24, 48 und 72 Stunden danach gesammelt; untere Nachweisgrenze des ELISA-Verfahrens = 20pg/ml.
  • Ziel: Quantitative Erfassung der Interferon Konzentrationen in der Muttermilch

 

Ergebnisse

Alle 48 Milchproben konnten im Labor analysiert werden. In der Hälfte der Proben war kein IFNβ-1a nachweisbar. Die höchste Konzentration (179pg/ml) erreichte eine Frau 24 Stunden nach Injektion von IFNβ-1a. Die mittleren IFNβ-1a Konzentrationen je Frau reichten von 46,7pg/ml vor Injektion bis 124pg/ml nach 48 Stunden. 

Keine Mutter berichtete über kindliche Beschwerden.

 

Diskussion

Interferone sind große Glykoproteine, die im Körper an T-Lymphozyten und andere Immunzellen gebunden transportiert werden. Wegen dieser Bindung, dem hohen Molekulargewicht (22.500 Dalton) und niedrigem Blutplasmaspiegel, vermutete das Forschungs-Team bereits, dass nur geringe IFNβ-1a Konzentrationen in der Muttermilch auftreten würden. Die Messwerte haben diese Hypothese bestätigt.

Hale et al. bezeichneten den Übertritt von IFNβ-1a in die Muttermilch als „vernachlässigbar“. Sogar bei der höchsten IFNβ-1a Konzentration von 179pg/ml würde die relative kindliche Dosis nur 0,006% der mütterlichen Dosis erreichen. 

Ob oral aufgenommenes Interferon überhaupt in den Körper gelangt, ist umstritten. Die orale Absorption werde aber als sehr gering eingeschätzt, so die AutorInnen. Interferone sind zudem wenig toxisch, wenn sie nicht parenteral in sehr hohen Dosen verabreicht werden.

 

Fazit

Hale et al. halten das Stillen für Mütter mit Multiple Sklerose und IFNβ-1a Therapie für relativ sicher. Kein Stillkind hatte akute Beschwerden, die mit der IFNβ-1a Therapie in Verbindung stehen könnten. IFNβ-1a gelange, wenn überhaupt, nur in sehr geringer Konzentration in die Muttermilch, so die AutorInnen.

Literatur

Hale TW et al.  Transfer of Interferon b-1a into Human Breastmilk. Breastfeeding Med. 2012;7(2):123-5.

Autorin: ch/ktg