Mütter unter MS-Therapie: Entwicklung der Säuglinge

Ciplea AI et al. Annual Meeting of AAN 2018

Ciplea Säuglingsentwicklung

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Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Stillen unter der Medikation mit IFNβ oder GLAT die kindliche Entwicklung in den ersten 1,5 Lebensjahren nicht beeinflusst. Zudem besteht möglicherweise für MS-Patientinnen, die während ihrer Schwangerschaft IFNβ oder GLAT erhalten, in den ersten drei Monaten postpartal ein erniedrigtes Rückfall-Risiko.

Ein Forschungs-Team der Ruhr Universität Bochum untersuchte die Entwicklung von Stillkindern, deren Mütter während der Schwangerschaft mit Interferon β (IFNβ) oder Glatirameracetat (GLAT) behandelt wurden. Zudem überprüfte das Team, wie sich die Therapie auf den Krankheitsverlauf der MS-Patientinnen nach der Geburt auswirkt.

Die vorläufigen Studienergebnisse wurden 2018 als Poster beim 70. Jahrestreffen der American Academy of Neurology (AAN) in Los Angeles, USA, vorgestellt.

 

Methode

Die Studie basiert auf Daten des Deutschen Multiple Sklerose und Kinderwunsch (DMSKW) Registers. Das DMSKW besteht seit 2006. In der Datenbank werden Informationen aus Telefoninterviews mit schwangeren MS-Patientinnen gesammelt. Auch nach der Entbindung finden bis zum 6. Lebensjahr des Kindes regelmäßige Befragungen der Mütter statt.

  • Design: prospektive Beobachtungsstudie
  • Teilnehmende: 72 stillende MS-Patientinnen unter IFNβ- oder GLAT-Therapie mit insgesamt 76 Schwangerschaften
  • Einteilung der Schwangerschaften in drei Gruppen:
    • Gruppe 1: Therapie über gesamte Schwangerschaft bzw. erneuter Beginn in der Schwangerschaft
    • Gruppe 2 : Therapie-Wiederaufnahme innerhalb von 14 Tagen nach Geburt
    • Gruppe 3: Therapie-Wiederaufnahme frühestens 15 Tage nach Geburt
  • Ziele:
    1. Überprüfung der kindlichen Entwicklung innerhalb der ersten zwei Jahre nach Geburt
    2. Ermittlung des Rückfall-Risikos der schwangeren und stillenden MS-Patientinnen im ersten postpartalen Trimenon

 

Ergebnisse

Gewicht, Größe und Kopfumfang aller Kinder lagen im Normbereich. Die häufigste Entwicklungsverzögerung betraf die Motorik, drei Kinder (4%) waren davon betroffen. Dies ist vergleichbar mit der Prävalenz motorischer Entwicklungsverzögerungen in der Allgemeinbevölkerung (5-6%).

Im ersten und im zweiten Jahr war die mediane Anzahl der der Antibiotikabehandlungen ähnlich wie es allgemein bei gleichaltrigen Kindern in Deutschland der Fall ist.

Sieben Frauen erlitten einen Schub während ihrer Schwangerschaft. Dabei gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den drei Gruppen.

Keine der Frauen, die während der gesamten Schwangerschaft therapiert wurden, hatte in den ersten drei Monaten nach Geburt einen Rückfall.

MS-Rückfall

Gruppe 1 (n =29)

Gruppe 2 (n = 16)

Gruppe 3 (n = 31)

in Schwangerschaft

2

4

1

≤ 6 Mo nach Geburt

6

3

7

≤ 12 Mo nach Geburt

7

3

8

 

Fazit

Andrea Ciplea vom Sankt Josef-Hospital in Bochum präsentierte auf ihrem Poster erste Zwischenergebnisse ihrer Studie. Die Pharmazeutin vermutet, dass eine Behandlung mit Interferon beta oder Glatirameracetat stillender Mütter keinen negativen Einfluss auf die Kinder hat.

 Effekte auf die postpartale Krankheitsaktivität müssen genauer untersucht werden. Um diese vorläufigen Ergebnisse zu bestätigen, seien weitere Studien mit mehr Patientinnen erforderlich, so Ciplea.

 

Literatur

Ciplea AI et al.  Interferon-β/glatiramer acetate treatment during lactation in women with multiple sclerosis. Poster: P4.360, 70. Annual Meeting of AAN, 2018.

Autorin: ch/ktg

 

Mehr zum Thema

Register DMSKW. MS und Kinderwunsch. Webseite des St. Josef-Hospitals, Bochum.