IFNß in der Schwangerschaft zeigt keinen Einfluss auf kindliche Messwerte bei Geburt

Burkill et al. Breastfeeding PLoS One. 2019

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Aufgrund der EU-weiten Zulassungsänderung im September 2019 wurde die Zulassung für Interferon Beta dahingehend aktualisiert, dass die Medikamente auch in der Schwangerschaft, wenn klinisch erforderlich, und in der Stillzeit eingesetzt werden können.

Studien zeigen, dass IFNβ den Schwangerschaftsverlauf nicht negativ beeinflusst. Diese Daten sind Grundlage für die neue Bewertung durch die EMA.
Ergebnisse aus nordischen Registern veröffentlichte Sarah Burkill vom schwedischen Karolinska Institut in Stockholm kürzlich in der Fachzeitschrift PLoS One.

 

Methode

  • Design: Retrospektive Beobachtungsstudie
  • Länder: Finnland und Schweden
  • Dauer: 2005-2014
  • Teilnehmende: Neugeborene von MS-Müttern mit/ohne INFβ Therapie:
    • 643 Neugeborene ohne INFβ Exposition
    • 1.166 Neugeborene mit INFβ Exposition
  • Ziel: Vergleich folgender Daten der Neugeborenen mit/ohne INFβ Exposition:
    • Gestationsalter
    • Geburtsgewicht
    • Größe
    • Kopfumfang

 

Ergebnisse

Die Schwangerschaftsdauer war in allen Gruppen vergleichbar. Für INFβ exponierte Kinder lag die Zeit in utero im Durchschnitt in Schweden bei 39,7 Wochen und in Finnland bei 39,4 Wochen. Die Kinder der Mütter ohne INFβ Therapie blieben in beiden Ländern im Schnitt 39,5 Wochen in utero.

Insgesamt waren das Geburtsgewicht, die Geburtsgröße und der kindliche Kopfumfang in beiden Ländern sehr ähnlich und unabhängig von einer INFβ-Behandlung der Mütter in der Schwangerschaft. Kein Unterschied war signifikant.

Burkill Kindliche Messwerte

Subanalyse: Burkill et al. verglichen auch die Daten von Neugeborenen, deren Mütter im Studienzeitraum mehrere Kinder bekommen hatten, von denen nicht alle in der Schwangerschaft INFβ ausgesetzt waren. Auch hier fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede der Messwerte zwischen INFβ exponierten Kindern und Kindern ohne Exposition.

 

Diskussion

Messwerte bei der Geburt, die deutlich unter dem Durchschnitt liegen, sind mit zahlreichen im späteren Leben auftretenden Erkrankungen assoziiert. Burkill et al. nennen als Beispiele Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS sowie koronare Herzerkrankung und Diabetes. Daher sei die Erfassung solcher Daten wichtig.

Eine intrauterine Exposition mit INFβ scheint die Schwangerschaftsdauer nicht zu verkürzen.

Warum das so ist, erklärten Burkill et al. folgendermaßen: Interferon beta 1a und 1b sind Polypeptide mit hohem Molekulargewicht (22.000 bzw. 18.500 Dalton). Durch die Plazenta gelangen jedoch nur Substanzen mit einem Molekulargewicht von 600-800 Dalton. Dass INFβ ins fetale Blut übertritt und die kindliche Entwicklung beeinflusst, sei daher unwahrscheinlich.

Die AutorInnen wiesen darauf hin, dass die Register nur Geburten nach der 22 Schwangerschaftswoche erfassen und nicht zwischen natürlicher Geburt und Kaiserschnitt unterscheiden. Fehlgeburt- und Kaiserschnittraten in den beiden Gruppen konnten daher nicht verglichen werden.

 

Fazit

Die Messdaten der Neugeborenen, deren an Multiple Sklerose erkrankte Mütter während der Schwangerschaft eine INFβ Therapie hatten, unterschieden sich nicht signifikant von denen, deren Mütter nicht behandelt worden waren.

Literatur

Burkill S et al.  The association between exposure to interferon-beta during pregnancy and birth measurements in offspring of women with multiple sclerosis. Breastfeeding PLoS One. 2019;14(12):e0227129.

Autorin: ch/ktg