Was haben Sie selbst beobachtet?

Leider ist die Diagnose einer Multiplen Sklerose zu Beginn oft sehr schwierig. So schwierig, dass man nicht selten mehrere Monate oder gar Jahre mit der Verdachtsdiagnose MS leben muss, ohne endgültige Gewissheit zu haben. Das hängt damit zusammen, dass die typischen MS-Symptome allesamt auch bei anderen Erkrankungen auftreten können und beweisende Untersuchungsbefunde fehlen.

Wenn es darum geht herauszufinden, ob man wirklich Multiple Sklerose hat, sind auch die subjektiv wahrgenommenen Beschwerden von großer Bedeutung. Für den Arzt sind diese Angaben oft sogar richtungsweisender als die neurologische Untersuchung, die diversen Funktionstests oder die MRT-Aufnahmen.

Es kann also hilfreich sein, sich zu merken, wann, wo und unter welchen Begleitumständen die Symptome in welcher Form und Intensität auftreten. Das bedeutet aber nicht, dass Sie über jede kleine Missempfindung oder alle Beschwerden streng Buch führen sollten. Selbstbeobachtung ist wichtig – aber nicht zu viel. Ein ständiges, ängstliches „In sich Hineinhören“ und eine zu intensive Selbstbeobachtung sind dem Wohlbefinden eher abträglich, zumal man dann nicht selten Empfindungen als gefährlich wahrnimmt, die es überhaupt nicht sind. Wer lange genug in sich hineinhorcht, entdeckt immer irgendwo ein Kribbeln.

Das gilt im Prinzip auch dann, wenn die Diagnose MS bereits feststeht. Lernen Sie, die Symptome selbst einzuordnen. Zu viel Selbstbeobachtung ist eher schädlich. Allerdings sollte man dann zumindest aufmerksam werden, wenn die Symptome plötzlich zunehmen. Das kann dann nämlich ein erstes Anzeichen für einen Krankheitsschub sein, der evtl. besondere therapeutische Maßnahmen erfordert (dann also nicht zu lange mit dem Arztbesuch warten).

Bei der chronisch-fortschreitenden MS-Variante (kein schubförmiger Verlauf) können sich die Symptome und Beschwerden aber auch langsam über die Zeit verstärken.

Davon abzugrenzen sind kurzfristige Verschlechterungen von meist bereits vorher bestehenden Symptomen, die vor allem unter Wärmeeinfluss recht plötzlich auftreten können. Diese als Uhthoff-Phänomen bekannten Beschwerden sind flüchtig und verschwinden nach Abkühlung des Körpers. Das Phänomen ist vielen Menschen mit MS bekannt. Es hat nichts zu tun mit einem Schub und hat auch keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.