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MS-Kolumne

Ein Termin beim Neurologen, Teil 2

Nadines Kolumne

Willkommen zurück zu Part 2 meines Berichts rund um sämtliche MS-Untersuchungen beim Neurologen. In diesem Teil stelle ich dir die verschiedenen Tests vor, die der Neurologe bei dir durchführt.

 

1. VEP – Visuell evozierte Potenziale oder auch die „Schachbrett Untersuchung“

VEP stellt die Reizverarbeitung vom Auge bis zur Sehrinde im Hinterkopfbereich dar. Diese Untersuchung wird vor allem bei Verdacht auf eine Sehnerv-Entzündung durchgeführt. Aber auch als Verlaufskontrolle bei Multipler Sklerose. Die Untersuchung findet in einem abgedunkelten Raum statt. Zwei Elektroden werden am Kopf befestigt, eine im Bereich der Stirn und die andere am Hinterkopf. Eine weitere Elektrode kommt am Bereich des Handgelenks dran.

 

Wie läuft die Untersuchung ab?

Dann wird ein Auge abgedeckt und los geht’s. Der Patient hat dabei die ganze Zeit am besten den Mund geöffnet (Zähne sollten sich nicht berühren) und schaut auf einen Bildschirm, wo ein Schachbrett abgebildet ist. Dieses bewegt sich in kurzen Abständen hin und her. Der Untersuchte soll dabei die Mitte dieses Schachbrettes fixieren. Durch die Musterumkehrung kommt es zum visuellen Reiz, der mit Hilfe des Gerätes als Potenzial aufgezeichnet wird. Jedes Auge wird zweimal untersucht. Durch die Untersuchung kann der Arzt beurteilen, ob der Sehnerv gut leitet oder ob Verzögerungen zu erkennen sind.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich selbst es als sehr anstrengend empfinde, auf dieses Schachbrett zu schauen und die ständigen Veränderungen mich verwirren. Es kostet mich dann enorm viel Konzentration.

 

2. SEP – Somatosensibel evozierte Potenziale

Mit SEP können Nervenschädigungen im sensiblen Teil des zentralen Nervensystems beurteilt werden. Diese Schädigungen verursachen Sensibilitätsstörungen, wie sie bei MS oft auftreten.

 

Wie läuft die Untersuchung ab?

Zwei Elektroden werden an der Kopfhaut befestigt. Während der gesamten Untersuchung sollte man ruhig und entspannt liegen oder sitzen. Die Nerven werden mit elektrischen Reizen stimuliert und dabei die Weiterleitung gemessen. Eine Verzögerung deutet auf eine Schädigung im sensiblen Teil des Nervensystems hin. Die Untersuchung dauert in der Regel nur 5-10 Minuten.

Bei mir zeigt sich eine Verzögerung an. Im Alltag merke ich das kaum.

 

3. MEP – Motorisch evozierte Potenziale

Bei der MEP-Untersuchung können Schädigungen im motorischen Teil des zentralen Nervensystems beurteilt werden.

 

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Untersuchung findet im Sitzen statt und dauert ca. 10 Minuten. Hierbei werden Elektroden an Arme und/ oder Beine geklebt. Mit einer Magnetspule werden Nervenzellen an Kopf oder Wirbelsäule stimuliert, was ein Muskelzucken auslöst. Auch hierbei gibt die Zeit von Stimulation bis zum Muskelzucken dem Arzt Auskunft über die Funktionalität im motorischen Teil des zentralen Nervensystems.

Persönlich kann ich sagen, es tut mir nicht weh, jedoch empfinde ich das Muskelzucken manchmal als unangenehm.

 

4. Kognitive Tests

Kognitive Defizite werden meist bei einer neuropsychologischen Untersuchung diagnostiziert.

Die Untersuchung beinhaltet ein ausführliches Gespräch und mündliche, schriftliche oder computergestützte Tests. Es gibt viele unterschiedliche Tests. Bei mir wurden bereits die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und Exekutivfunktionen mit folgenden Tests getestet:

 

Aufmerksamkeit: Der Alertness Test. Dabei erscheint auf einem Computerbildschirm in unregelmäßigen Abständen ein Kreuz und bei jedem Erscheinen, muss der Patient so schnell wie möglich einen Knopf drücken.

Gedächtnis: Der Wechsler Memory Scale-Test. Du hörst zwei kurze Geschichten und gibst diese im Anschluss wieder.

Exekutivfunktion: Regensburger Wortflüssigkeitstest. Du wirst zum Beispiel aufgefordert, so viele Wörter wie möglich mit demselben Anfangsbuchstaben zu nennen.

Ich finde gerade bei MS, fallen die Tests sehr tagesabhängig aus. Ich habe Tage oder Momente, da bin ich super konzentriert und kann mir sehr viel merken und dann wieder andere Tage, da kann ich keine fünf Sätze lesen, ohne direkt wieder zu vergessen, was ich gerade gelesen habe. Deshalb ist das ausführliche Gespräch unglaublich wichtig. Wenn du das Gefühl hast, an kognitiver Beeinträchtigung zu leiden, sprich deinen Arzt darauf an.

 

Das ist schon eine Menge, was beim Neurologen gemacht wird! In der Regel solltest du einmal jährlich mit den oben genannten Untersuchungen richtig durchgecheckt werden. Hinzu sollte das jährliche Kontroll-MRT kommen. Je nachdem, welche Therapie du machst, sind regelmäßige Blutentnahmen nötig. Am besten, du machst dir einmal im Quartal einen Termin bei deinem Neurologen. Für deine Fragen, Sorgen und Untersuchungen sollte dort immer genug Zeit sein.

 


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