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MS-Kolumne

Blick in die Zukunft

Nadines Kolumne

Manchmal wünscht man sich ja, einen Blick in die Zukunft werfen zu können. Wie wird mein Leben in zehn, zwanzig oder gar dreißig Jahren aussehen? Werde ich zufrieden sein? Was habe ich erreicht? Was hat sich verändert?

 

Eine chronische Erkrankung wie die Multiple Sklerose ist in diesem Gedankenspiel eine zusätzliche Unbekannte; sie kann sich von heute auf morgen verschlechtern und meine körperliche Verfassung verändern. Das würde sich dann – je nach Ausprägung – auf meinen Alltag und mein Leben auswirken. Ob ich darüber jetzt schon Bescheid wissen will? Ich glaube nicht! Aber gerne will ich dir mitgeben, wie ich mir mein Leben für die nächsten Jahre ausmale – und welche Rolle meine MS dann spielen soll.

Ich erinnere mich sehr genau: Als ich die Diagnose erhielt, zerbrach erst einmal alles. Träume und Ziele schienen plötzlich unerreichbar. Die Krankheit ließ mich mit häufigen Schüben und Symptomen spüren, dass nichts mehr planbar ist. Daran musste ich mich doch sehr gewöhnen. Es fühlte sich an, als hätte ich die Kontrolle über mein Leben verloren. Ich begann einfach zu leben. Ohne große Planungen, ich tat Dinge, die ich wollte und die mir Spaß machten. Aber mittlerweile habe ich wieder Träume und Ziele. Ich habe dir zusammengefasst, was ich mir für die verschiedenen Lebensbereiche für die nächsten Jahre so vorstelle.

 

Neuer Lebensabschnitt: Studium

Ich beginne demnächst mein Studium und das ist ein großer Traum von mir. Die nächsten zwei Jahre werde ich studieren und freue mich darauf. Sobald ich mein erstes Modul als Ernährungsberaterin abgeschlossen habe, kann ich auch direkt als solche arbeiten und parallel weiter studieren, um die anderen Module abzuschließen. Das möchte ich auch gerne tun – Fuß fassen und zurück ins Arbeitsleben. Aktuell möchte ich mich als Gesundheitsberaterin dann selbstständig machen. Dann arbeite ich für mich, ich denke, das nimmt mir viel Druck und Stress. Ich freue mich richtig auf die Arbeit. Das Thema Gesundheit ist so wichtig. Ich wünsche mir einfach, Menschen zu beeinflussen und ihnen aufzuzeigen, wie sie einen gesunden Lebensstil führen, Krankheiten vorbeugen oder positiv beeinflussen können. Für mich persönlich werde ich auch sehr viel mitnehmen. Was die Zeitplanung im Studium angeht, werde ich mir keinen Stress machen; wenn ich zwei, drei oder vier Monate länger brauche, ist es eben so.

 

Kinderplanung:

Das Thema Kinderplanung lasse ich mir auch gerne offen. Ich werde 32 und könnte mir vorstellen – wenn es passt – auch noch ein Kind zu bekommen.

 

MS-Therapie:

Aktuell bin ich sehr zufrieden mit meiner MS-Therapie. Die Infusionen alle vier Wochen vertrage ich gut. So denke ich auch nicht jeden Tag daran. Ich persönlich bin ein großer Freund von Therapie; sie gibt mir ein gutes Gefühl. Natürlich kann ich auch die andere Seite verstehen; diejenigen, die vielleicht mit schlimmen Nebenwirkungen zu tun haben und denen es besser ohne Therapie geht. Das muss ganz klar jeder für sich entscheiden. Am wichtigsten ist es letztlich, dass es sich gut und stimmig für dich anfühlt.

Sollte diese Therapie aufhören zu wirken, bin ich bereit eine neue zu starten. Davon geh ich jedoch erst einmal nicht aus. Mehr zu Auslassversuch und Medikamentenwechsel steht hier.

 

Ernährung:

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Ernährung. Im Großen und Ganzen esse und trinke ich doch sehr gesund. Genau wie Zeitdruck, mag ich auch überhaupt keinen Ernährungsdruck. Ich verbiete mir auch nichts. Verbote stressen mich zu sehr und umso mehr Lust habe ich dann zum Beispiel auf Schokolade und bin dann enttäuscht von mir selbst, wenn ich nachgegeben habe. Ich sündige aber nicht viel, da ich bzw. mein Körper direkt merke, wenn ich viel Zucker zu mir genommen habe. Dann geht es mir nicht so gut. Meine Arme und Beine zittern dann vermehrt. Das ist meine größte Motivation beim Verzicht und deshalb ist die Lust auch nicht oft da. Jeder kann mit Ernährung sehr viel beeinflussen kann und deshalb ist es ein superwichtiges Thema. Bei mir selbst ist sicher auch noch Luft nach oben. In meinem Studium mache ich einen Abschluss in Ernährungsberatung und bestimmt kann ich da auch ganz viel für mich selbst mitnehmen. Wenn ich dann „Expertin“ bin, teile ich gerne mein Wissen mit dir.

 

Meine Multiple Sklerose

Wohin meine MS-Reise geht, weiß ich nicht. Manchmal denke ich: Leider weiß ich es nicht, aber es ist bestimmt besser, die Zukunft nicht zu kennen. Ich habe meine MS nun seit sieben Jahren. Mir geht es gut, ich haben kleine Beeinträchtigungen, mit denen ich aber gut leben kann. Sicher habe ich auch mal schlechtere Tage, aber die guten überwiegen. Für diesen Verlauf und alles, was ich bisher gelernt habe, bin ich sehr dankbar. Ohne diese Krankheit würde ich sicher nicht so bewusst und dankbar leben. Es gehören aber auch Momente der Angst dazu, an denen ich die Krankheit am liebsten abgeben würde. Das wird wohl immer so bleiben. Was Therapien und die Zukunft angeht, bin ich sehr optimistisch. Wir wissen immer mehr über die Krankheit, es wird geforscht, neue Medikamente stehen in den Startlöchern. Studien und Beobachtungen zeigen ganz klar, dass der Verlauf für jeden Einzelnen immer besser wird. Für meine Kinder wünsche ich mir, dass es für ihre Generation ein Heilmittel gibt oder zumindest eine Therapie, die einen garantierten guten Verlauf verspricht.

 

Für mich wünsche ich mir ganz klar: Nichts Neues, also keine Schübe oder Verschlechterung, sondern einen guten Verlauf ohne neue Einschränkungen. Es wäre wirklich schön, wenn dies eintritt. Aber ich weiß mittlerweile: Egal was kommt, es geht immer weiter. Ich werde aus jeder Situation das Beste machen und ich nehme alles an, wie es kommt.

 

Und dir wünsche ich natürlich auch nur das Beste.

 

Fazit

Das sind meine groben Pläne oder Gedanken für die Zukunft. Ein Sprichwort heißt bekanntlich so schön: „Viele Wege führen nach Rom.“ Das Leben und die Zukunft sind nie planbar. Wir müssen manchmal Umwege gehen oder eine Pause einlegen. Das ist völlig in Ordnung. Ich glaube, das Ziel ist nicht das große Ganze, sondern eher der Weg dorthin und wie wir diesen bestreiten. Das liegt ganz an uns.


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