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Fatigue bei MS: Messbar und behandelbar

09.10.09 | Fatigue (sprich: Fatieg) zeichnet sich durch unkontrollierbare Apathie, Erschöpfung, Ermüdbarkeit, fehlende Energie aus und ist eines der häufigsten MS-Symptome.[1] Unsichtbar für Außenstehende und oft extrem einschränkend für die Betroffenen ist die Fatigue seit Jahren Gegenstand der MS-Forschung. Gleich mehrere aktuelle Studienergebnisse haben Wissenschaftler anlässlich der DGN-Jahrestagung im September vorgestellt.

Die forschenden Ärzte in der 'Praxisstudiengruppe Multiple Sklerose' fanden sehr deutliche Zusammenhänge zwischen Fatigue und dem klinischen Erscheinungsbild, dem Schweregrad der MS (EDSS), der emotionalen Grundstimmung des Patienten, seiner Persönlichkeitsstruktur und seinen Strategien der Krankheitsverarbeitung.[2] Diese Zusammenhänge konnten die Forscher schon in frühen Stadien der Erkrankung beobachten.

Eine andere Studiengruppe wollte Ergebnisse aus einem Vortest in einer unabhängigen Patientenpopulation bestätigen und gleichzeitig den Effekt einer zweiwöchigen Intervention aufzeigen.[3] In dem Vortest konnte gezeigt werden, dass die subjektive Selbsteinschätzung durch die Patienten selbst mittels eines standardisierten Fragebogens Würzburger Erschöpfungs-Inventar bei MS (WEIMuS-Fragebogen zur subjektiven Selbsteinschätzung)[4] gut mit der objektiven Messung der Aufmerksamkeitsintensität (eine Kriterium der Fatigue) korrelierte. Sie schlossen insgesamt 39 MS-Patienten (29 Frauen, 10 Männer) in eine kontrollierten Studie ein. Die Patienten (Teilnehmer an einer stationären Rehabilitationsmaßnahme im Neurologischen Rehabilitationszentrum Quellenhof) hatten einen EDSS von maximal 6.0 (d.h. die Gehfähigkeit war vorhanden) und klagten über eine Fatigue-Symptomatik.

Diese Fatigue-Symptomatik wurde zu Beginn und am Ende einer zweiwöchigen Therapie mit Hilfe des WEIMuS-Fragebogens erfragt und mit ebenfalls erhobenen Werten zur Aufmerksamkeitsintensität in Beziehung gesetzt. Die Therapie bestand aus Ergometer-Training bzw. dem üblichen MS-spezifischen Reha-Programm.

Das führte nach den zwei Therapiewochen zu zwei Ergebnissen:
Erstens verbesserten sich die "WEIMuS-Werte", d. h. die Patienten schätzten ihre Fatigue nach zwei Wochen als schwächer als vor der Behandlung ein, und zweitens zeigten die Patienten kürzere Reaktionszeiten, ein Zeichen für verbesserte Aufmerksamkeitsintensität. WEIMuS-Werte und Werte für Aufmerksamkeitsintensität sind, wie beschrieben, beides Messgrößen für die Fatigue, und hingen in dieser Untersuchung zu jedem Messzeitpunkt eng miteinander zusammen. Die Tauglichkeit von WEIMuS als zuverlässiger Test zur Einschätzung der Fatigue durch den Patienten selbst ist damit erneut erwiesen.

Diese Untersuchung zeigt auch, dass rehabilitative Maßnahmen, sportliches Training und körperliche Bewegung der Fatigue spürbar entgegenwirken können. Nimmt man die Ergebnisse der Praxisstudiengruppe hinzu, insbesondere jene, die sich auf die emotionale Grundstimmung und die Strategien der Krankheitsbewältigung ("Coping") beziehen, so lässt sich daraus der Schluss ziehen, dass körperliche Aktivität verbunden mit einer positiven emotionalen Verfassung eine gute Maßnahme gegen Fatigue sein kann und damit zur Steigerung der Lebensqualität ganz maßgeblich beitragen kann.

Quellen:

[1] Die große Müdigkeit. Fatigue: Woher sie kommt und wie man sie in den Griff kriegt
lidwina 1|2004, S.10-13.

[2] K. Kiltz, M. Lang, P. Flachenecker, H. Meissner, M. Freidel, H. Herbst, W. Hofmann, E. Schlegel, W. Elias, K. Gehring, U. Eckhardt, A. Bergmann, G. Reifschneider, S. Ries, H. Schreiber im Auftrag der Praxisstudiengruppe Multiple Sklerose
Fatigue, Kognition und Persönlichkeit bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose - eine Multicenterstudie
82. Jahrestagung der DGN, P 672

[3] H. Meißner, A. Pfitzner, U.K. Zettl, P. Flachenecker
Fatigue bei Multipler Sklerose und Korrelation zur Aufmerksamkeitsintensität im Verlauf einer stationären Rehabilitationsbehandlung
82. Jahrestagung der DGN, P 489

[4] "Fatigue" bei Multipler Sklerose. Entwicklung und Validierung des "Würzburger Erschöpfungsinventars bei MS"
MS-Gateway.de, Sept. 2005


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