Multiple Sklerose auf dem DGN-Kongress 2009
09.10.09 | Multiple Sklerose ist nach wie vor eines der sehr stark beforschten Gebiete innerhalb der Neurologie. Das zeigte sich auch auf der Jahrestagung der Deutschen Neurologischen Gesellschaft (DGN), die dieses Jahr vom 23. bis zum 26. September in Nürnberg stattfand. An die 5000 Neurowissenschaftler aus dem In- und Ausland trafen sich zum Austausch ihrer neuen wissenschaftlichen Ergebnisse.
Die MS-bezogenen Forschungsergebnisse wurden im wesentlichen in vier thematischen Abschnitten präsentiert: 'Poster-Sessions Multiple Sklerose 1-3' und 'Freie Vorträge 3'. Für wissensdurstige "informierte" Patienten haben wir die Forschungsergebnisse zur MS in Form von kommentierten Links zusammengestellt und bitten Sie, nach eigenem Interesse darin zu lesen. Unsere Zusammenfassung kann Ihnen einen ersten Überblick geben; für mehr Information benutzen Sie bitte die Links mit der Bezeichnung "Übersicht".
Bedenken Sie bitte, dass dies Forschungsergebnisse sind und dass Sie daraus keine Therapieempfehlungen für sich selbst ablesen können.
Donnerstag, 24. September 2009, Übersicht
Freie Vorträge 3, Übersicht
Auswahl:
- Prognostische Aussagekraft der Masern-Röteln-Zoster-Antikörper bei klinisch isoliertem Syndrom
Hier berichten Ulmer Forscher über einen neuen Laborwert, der die Aussagekraft von Lumbalpunktion und MRT-Befund zur MS-Diagnose ergänzt und die Diagnose damit sicherer machen kann. - Die Mehrheit der Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose bleibt unter oralem Fingolimod (FTY720) ohne erkennbare Entzündungsaktivität: 4-Jahres Ergebnisse der Phase II Studie
Zu diesem Ergebnis kommen Forscher aus der Schweiz, aus Deutschland und von Novartis.
POSTER-Session Multiple Sklerose 1, Übersicht
Auswahl:
- Cyclophosphamidtherapie bei Patienten mit sekundär chronisch progredienter Multipler Sklerose nach erfolgloser Mitoxantrontherapie
Hier berichten Kliniker aus Hannover über den derzeitigen Wissenstand über eine Cyclophosphamidbehandlung der MS. - Within-family associations and disease progression in familial multiple sclerosis
Diese Untersuchung bestätigt die Annahme, dass die MS Geschwistern von bzw. Familienmitgliedern möglicherweise eine Voraussagekraft für den Krankheitsfortschritt haben kann. Es fehlen aber größere Langzeitstudien, um einen solchen Prognosewert statistisch sicher festzustellen. - Kontrollierte, prospektive Studie zur Stressverarbeitung und Copingstrategien bei Beginn einer immunmodulatorischen Therapie bei neu diagnostiziertem klinisch isolierten Syndrom und schubförmiger Multipler Sklerose
Hier wird über eine Zwischenauswertung von 64 frisch diagnostizierten Patienten berichtet. Danach scheinen Patienten, die eine immunmodulatorische Therapie anfangen, eine höhere Neigung zu Depressivität oder Angst zu haben, als diejenigen, die sich keiner MS-Therapie aussetzen wollen. Möglicherweise spielen größere Bagatellisierungstendenzen und Vermeidungsverhalten als Copingstrategien hier eine erklärende Rolle. - P488 - Vaterschaft und Immunodulation bei Patienten mit Multipler Sklerose
Die Vaterschaft von Männern mit MS, die immunmodulatorisch behandelt werden, scheint sicher zu sein, so berichten Forscher aus Bochum. - Fatigue bei Multipler Sklerose und Korrelation zur Aufmerksamkeitsintensität im Verlauf einer stationären Rehabilitationsbehandlung Diese interessante Untersuchung von Neurologen aus Rostock und Bad Wildbad haben wir für Sie in einer Extra-Nachricht zusammengefasst.
Freitag, 25. September, Übersicht
POSTER-Session Multiple Sklerose 2, Übersicht
Hierunter Ergebnisse
- zur experimentellen Therapie mit FTY720 (drei Berichte),
- zum "Tysabri Beobachtungsprogramm TOP",
- zur Rehabilitation bei MS,
- zur Kognition im frühen Krankheitsverlauf der MS,
- zur Messung der Mobilität,
- zur Psychoedukation als Hilfe zum Coping,
- zu Kühlwesten,
- über den aktuellen Stand beim 2001 begonnenen Projekt "MS-Register": Patientenversorgung bei Multipler Sklerose: Vergleich der Basisdaten verschiedener Versorgungsstrukturen im Deutschen MS-Register
Die Auswertung der mittlerweile über 10.000 Datensätze zeigt deutliche Unterschiede in den verschiedenen Versorgungsstrukturen (Akut-Krankenhaus, MS-Schwerpunktpraxis und Rehabilitationseinrichtung), was die jeweils behandelte Patientenpopulation angeht. Dies hat Auswirkungen unter anderem auf Planung und Auswertung klinischer Studien, aber auch auf die Ressourcenzuteilung im Rahmen des deutschen Gesundheitswesens. Das Poster kann bei der DMSG abgerufen werden.
POSTER-Session Multiple Sklerose 3, Übersicht
Hierunter Ergebnisse zu
- Basis-, Eskalations- und experimentelle Therapien,
- MRT,
- Bericht über zwei Patienten, die mit Stammzellen behandelt wurden,
- Neuroimmunologie und
- Versorgungsstrukturen in Deutschland: Diese werden aktuell in drei Regionen (Bochum, Hamburg und Dresden/Ostsachsen) im Rahmen der MS-Expert-Studie untersucht und zeigen Unterschiede in der Versorgung in diesen drei Regionen.
Zusammenfassung: BETAPLUS-Serviceteam, 8. Oktober 2009
