Gestörtes Erkennen von Emotionen bei MS: Spurensuche im Vorderhirn
25.08.09 | Multiple Sklerose (MS) geht mit Läsionen in der weißen Substanz des Zentralen Nervensystems einher. Häufig liegen diese Läsionen an "Schnittstellen", die Emotionen verarbeitende Hirnareale miteinander verbinden. Obwohl jüngere Verhaltensstudien bei vielen MS-Patienten Störungen im Sozialverhalten und Gefühlserleben zeigten, gab es bisher noch keine Studien, die das "emotionale Erkennen" bei MS-Patienten mit bildgebenden Verfahren untersucht haben.
Neurowissenschaftler und Radiologen der Universität Greifswald haben nun mit Hilfe der "funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT)" und der Kartierung der MS-Läsionen erforscht, wie das Erkennen von Emotionen in Gesichtsausdrücken im MS-betroffenen Gehirn verarbeitet wird. Elf Patienten, deren Ausdrucksmöglichkeiten für Gefühle beeinträchtigt waren ("Affektstörung"), wurden mit elf Patienten ohne Affektstörung und mit elf gesunden Kontrollpersonen verglichen. Dazu wurde ein Test angewendet, bei dem Gesichter mit unterschiedlichen Gefühlsausdrücken zugeordnet werden mussten. Es zeigte sich, dass das Erkennen bei den Patienten mit affektiven Störungen auf unerfreuliche Emotionen beschränkt war (traurig, angstvoll, wütend), während die anderen elf MS-Patienten ohne Affektstörung und die gesunden Kontrollpersonen alle ausgedrückten Emotionenen "normal" verstanden.
Als die Wissenschaftler mit fMRT nachschauten, welche Hirnareale beim Erkennen dieser unerfreulichen Gesichtsausdrücke aktiviert sind, fanden sie bei den elf affektgestörten Patienten eine vergleichsweise geringer ausgeprägte Hirnaktivität in den Bereichen, die "Insel" und "ventrolateraler präfrontaler Cortex (VLPFC)" genannt werden. Die Forscher sahen einen engen Zusammenhang zwischen der Unfähigkeit, den "Gesichter-Test" zu bestehen, und der verminderten Aktivierung des linken VLPFC und der linken vorderen Insel. Außerdem entdeckten sie einen Zusammenhang zwischen geringerer Genauigkeit beim Lösen der Erkennungstestaufgaben und dem Vorhandensein von MS-Läsionen in dem Hirnbereich, der linker Temporallappen genannt wird.
Aufgrund dieser Ergebnisse vermuten die Forscher, dass solche Defizite im emotionalen Erkennen bei MS-Erkrankten auf eine Unterbrechung der Informationsübertragung im Hirn zurückzuführen sind, die zu einer verminderten Aktivierung des präfrontalen Cortex und der Insel führen.
Quelle:
Krause M, Wendt J, Dressel A, Berneiser J, Kessler C, Hamm AO, Lotze M
Prefrontal function associated with impaired emotion recognition in patients with multiple sclerosis.
Behav Brain Res. 2009 Aug 14. [Elektronische Veröffentlichung]
