Wenn zuviel des Guten schadet: Die Story von Lamin B, miR-23 und Myelin
Jeder weiß: Zuviel von einer guten Sache kann Schaden anrichten. Das gilt auch für Signale, die innerhalb von Zellen gesendet werden. Das hat jetzt eine neue Myelin-Studie gezeigt. Myelin ist ein Eiweißstoff, der für die Reizleitung in Nervenfasern sehr wichtig ist.
Normale Nervenzellen sind von Myelin umgeben. Wie die Isolierung eines elektrischen Kabels bewirkt es, dass Nervenreize schnell und fehlerfrei übertragen werden. Bei verschiedenen Krankheiten aber ist diese Isolierschicht beschädigt. Zum Beispiel bei Multipler Sklerose. So kommt es Fehlern bei der Wahrnehmung, bei der Bewegung, beim Verstehen usw. Deshalb forschen Forscher nach den Gründen für solche Schäden -- und danach, wie man solche Schäden vermeiden oder reparieren kann.
Wissenschaftler an der Universität von Kalifornien untersuchten die Rolle von Lamin. Lamin ist ein sog. Strukturprotein, ein Eiweiß, das wahrscheinlich für die Instandhaltung von Myelin wichtig ist. Die Forscher fanden heraus, dass das Lamin nötig ist am Anfang der Myelinbildung. Und sie fanden, und das ist interessant, dass zuviel von diesem Lamin dafür sorgt, dass das Myelin zerstört wird.
Die Forscher fanden auch heraus, welches Signal dazu führt, dass genau richtig oder zuviel Lamin vorhanden ist: ein winziges Stück Erbgut (mikro-RNA), das sog. miR-23, kann das Zuviel an Lamin unterdrücken. So kann miR-23 verhindern, dass Myelin durch zuviel Lamin zerstört wird.
Möglicherweise ist solch ein "Lamin-Schalter" ein Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Medikamente. Damit könnten dann Krankheiten behandelt werden, bei denen Myelinzerstörung eine Rolle spielt, wie z. B. Multiple Sklerose.
Quelle: Shu-Ting Lin and Ying-Hui Fu
miR-23 regulation of lamin B1 is crucial for oligodendrocyte development and myelination.
Disease Models & Mechanisms 2, 000-000 (2009) doi:10.1242/dmm.001065
