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Nur der Bonsai guckt zu

Rolli-Kurt

Folge 28 der MS-Gateway-Kolumne "Rolli-Kurt"

von Dirk Riepe

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Sprachlos in Hamburg >>>

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Der Hausmeister, ein typischer Vertreter seiner Zunft, macht seinem Namen alle Ehre und bombardiert Kurt, der immer noch am Boden liegt, mit Vorwürfen. Was hätte da nicht alles passieren können! Er hätte ja auch mal frei und dann? Um alles muss man sich kümmern. Das bezahlt einem ja keiner.

Als er gerade in die Arie unbezahlter Überstunden einstimmen will, meldet sich Jean-Baptiste Hansen zu Wort. Ein Endvierziger, dunkler Typ, mit lockig wirrem, schon angegrautem Haar, dessen Ursprungsfarbe Pechschwarz noch zu erahnen ist, um den Hals eine schwere Goldkette, die unter seinem imposanten Vollbart fast vergraben wird und auf der Nase eine randlose, runde Brille. Er lugt hinter Claudia fragend um die Ecke und sieht Kurt hilflos auf dem Boden liegen. Die Sioux-Indianer haben sich jetzt auch noch zum Trommelkonzert dazugesellt. Der Hausmeister ist bei sozialer Ungerechtigkeit und Politik angelangt. Kurt starrt mit dem Blick eines frisch-gev***lten Eichhörnchens in Claudias Augen.

"Wo soll ich denn das..."

Jean-Baptiste schiebt sich an seiner Tochter vorbei in Kurts Wohnung, stellt den Willkommensbaum, einen niedlich verknöcherten Bonsai, auf dem Boden ab und geht festen Schrittes direkt auf Kurt zu.

"Jean-Baptiste!"

"Kurt."

Routiniert stellt man sich vor.

"Wo steht Ihr Rollstuhl?"

"Draußen, unter der Treppe."

"Wenn Sie fertig sind mit Ihrem Vortrag, würden Sie so nett sein und den Rollstuhl holen?", wendet sich Jean-Baptiste in perfektem Deutsch, aber mit unverkennbar französischem Akzent an den Hausmeister.

"Ich bin Claudias Vater.", sagt er zu Kurt.

"Ich bin die Reha-Bekanntschaft." Dümmlich, aber Kurt fiel nichts Besseres ein.

"Was ist hier denn los?", mischen sich völlig außer Atem Heiner und der nette Mann vom Schlüsseldienst unter die illustre Gesellschaft.

"Die Tür is ja auf?!", stellt der kompetente Schlüsselfachmann mit nur einem Blick fest. "Hören Sie! Das muss ich aber komplett berechnen! Ich musste einem anderen Kunden..."

Jean-Baptiste zieht eine Visitenkarte aus der Tasche und drückt sie dem Schlüsselmann in die Hand. "Anwaltskanzlei Dr. Hansen" steht darauf. "Schicken Sie mir bitte die Rechnung und vergessen Sie nicht, Ihre Arbeitsstunden detailliert aufzuführen.

Enttäuscht über das entgangene, schnell erschwindelte Geld, zieht der Schlüsselmann von dannen. Er macht Platz für die Nachrücker, Heiner und den Hausmeister mit dem Ferrari.

"Ich greife Ihnen unter die Schulter und Sie halten sich am Rolli fest. Moment, ich stelle erst die Bremsen fest."

Gekonnt wird Kurt mit ein wenig Hilfe in den Rolli gehievt. Langsam entspannen sich die Situation und Kurts Muskulatur. Das Klopfen geht in ein unrhythmisches, zeitweiliges Zucken über und die Starre weicht angenehmer Lockerheit. Heiner steht etwas deplatziert da. Der Hausmeister entscheidet sich mit einem Blick zur Uhr, dass er noch andere Türen öffnen muss, und Claudia steht wortlos an ihrem Rollator.

Jean-Baptiste bricht das Schweigen: "Claudi, ich muss los. Ich wünsche euch eine schöne Zeit und ruf mich an, wenn ich dich abholen soll. Tschüß, Kurt, wir sehen uns sicher noch." Der Mann hat Sinn fürs Wesentliche.

Außer der Erkenntnis, dass die Tür bei seiner Ankunft offen war, hat Heiner nichts beigetragen, aber der gute Wille zählt und darum geht´s. "Ich lasse euch dann mal allein." Und schon ist Heiner auch weg.


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"Ich bin gefallen."

"Ja, bist du wohl."

"Soll ich uns einen Kaffee machen?"

"Du hast mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt, als ich hier ankam und vor der verschlossenen Tür stand."

"Ja?"

"Wie ist das denn passiert?"

"Och, weißt du, ich habe nicht richtig aufgepasst und dann bin ich gestolpert und dann... Komm ich mache uns einen schönen Kaffee." Kurt ist schon im Begriff, sich aus dem Rolli zu bocken, als Claudia ihn harsch auffordert, sitzen zu bleiben. Sie hat recht, sonst würde bald wieder die ganze Bude voller Leute stehen.

"Ich zeige dir, wo alles ist.", gibt Kurt klein bei. 


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Bei einer gemütlichen Tasse Kaffee erzählt Kurt vom Kampf mit der Symbolik in Claudias Karte. Ein paar Kleinigkeiten lässt er natürlich weg. Dass Claudia da ist, erscheint mit einem Mal selbstverständlich. Sie hat einen kleinen Koffer dabei. Kurts Herz hüpft und tobt, was das Zeug hält.

Sie sitzen lange da und amüsieren sich über Claudias Ankunft und Kurts Galavorstellung. Besonders Claudias Vater hat einen tiefen Eindruck auf Kurt gemacht.

So kommen sie sich auf Kurts Kuschelsofa näher. Zum Kuss bereit bewegen sich ihre Köpfe aufeinander zu - nur vom Bonsai beobachtet. Die ängstliche Aufregung ist dem Gefühl großer Begierde gewichen. Fünf Zentimeter vor dem Touchdown beginnt Claudias Kopf mit unkontrollierten Bewegungen. Um Kurt nicht vorzeitig zu den "Dritten" zu verhelfen, wendet sie sich ab. Kurt streichelt sanft über ihren Kopf und arbeitet sich langsam hinunter. Die weicheren Regionen von Claudias Körper erscheinen ungefährlicher und machen unglaublichen Spaß.

Kurt denkt nicht darüber nach, wie ein "Hook" mit einer zappelnden "Tinkerbell" Sex haben könnte. Sie tun es einfach. Er hatte schon ewig keinen Sex mehr, und Claudia... So wirft er einen skeptischen Blick auf das Verfallsdatum der Kondome, die er in der Küche zwischen den Küchenhandtüchern gefunden hat. Viel schwieriger als der Akt selbst gestaltet sich der Akt der Verhütung. Kurts mangelnde Erfahrung im Umgang mit Kondomen mit seiner nicht voll funktionsfähigen rechten Hand führt fast zum vorzeitigen Interruptus. Die Tücke liegt eben im Detail. Der Versuch, und anders kann man es nicht nennen, die Lümmeltüte an die richtige Stelle zu bugsieren, lässt das illustre Pärchen vor Lachen beben. Sie entscheiden sich gegen Claudias tatkräftige Unterstützung. Der Spaß wäre sonst sicherlich schnell vorbei und überwiegend einseitig.

Als sie zusammen sinken und ihre Körper wie ihre Seelen zu einer Einheit verschmelzen, spielen körperliche Behinderungen keine Rolle mehr. Sie genießen den Moment, losgelöst vom Unbill des täglichen Lebens. Wie zwei junge Menschen, die sich lieben. Ohne Wenn und Aber. Auch die Rückkehr von Hook kann daran nichts ändern.


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"Hast du schon was vor in der nächsten Zeit?"

"Wieso?", lächelt Claudia verschmitzt.

"Ich habe da eine Idee."

"Jetzt spann mich nicht auf die Folter, Kurt."

"Was hältst du von einer Woche Sonne, Strand und Meer in einem 5-Sterne-Hotel auf der istrischen Halbinsel?"

"Wie kommst du denn jetzt da drauf?"

Kurt erzählt Claudia von seiner gewonnen Reise aus der Aktion Mensch Lotterie.

"Woher wusstest du eigentlich, dass ich noch Urlaub habe?"

"Wusste ich nicht."

"Vielleicht wäre ich nicht da gewesen. Und dann?"

"Du warst doch da."

"Hm. Und?"

"Und lass uns zusammen nach Istrien fahren."


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"Rolli-Kurt" ist eine Kolumne auf der MS-Gateway.

Dirk Riepe, Autor und Erfinder von Rolli-Kurt, legt großen Wert auf die Aussage, dass alle Personen frei erfunden und zufällige Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen rein zufällig sind.

Dirk Riepe und die MS-Gateway-Redaktion legen Wert auf die Feststellung, dass jeder, der mag, frei ist, aus der Kolumne zu kopieren und andernorts zu zitieren, sofern

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