Messung der kognitiven Beeinträchtigung bei MS-Patienten unter Interferon beta-1b-Behandlung: Eine offene prospektive Studie
06.09.07 | Die kognitive Beeinträchtigung kann sich bei der Multiplen Sklerose als mild oder mäßig ausgeprägtes Symptom manifestieren, das bei 45 bis 65% der Betroffenen gesehen wird und auch als Erstsymptom auftreten kann. Es kann planerisches Verhalten, Aufmerksamkeit, das Kurzzeitgedächtnis, die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und die Raum-Zeit-Wahrnehmung betreffen und einen einschneidenden Einfluss auf die Aktivitäten des Alltags haben. Um diese Beeinträchtigung zu messen, werden neuropsychologische Tests benötigt und möglicherweise auch rehabilitative Maßnahmen. In vielen Fällen steht die kognitive Beeinträchtigung nicht im Verhältnis zum Grad der neurologischen Behinderung und/oder der Krankheitsdauer.
In der hier berichteten Studie aus Israel sollte die Auswirkung einer Interferon-Behandlung auf die kognitive Leistungsfähigkeit und auf einen maßgeblichen Parameter für Kognition - ein bestimmtes elektrische Hirnpotential P300 - gemessen werden. Dazu wurden 16 Patienten (11 Frauen und 5 Männer) mit schubförmiger MS vor dem Beginn ihrer MS-Behandlung mit IFNB-1b untersucht und der EDSS-Wert sowie der P300-Wert bestimmt. Außerdem wurden mit Hilfe des Wisconsin Card Sorting Test (WCST) die Funktionen des Vorderhirns bestimmt. Anschließend wurde die IFNB-1b-Behandlung begonnen. Nach einem Jahr wurden diese Tests erneut durchgeführt und die "Vorher-/Nachher-Werte" miteinander verglichen.
Es zeigte sich, dass nach dem einen Jahr Behandlung eine signifikante Verkleinerung der relevanten P300-Teilwerte (Amplitude und Frequenz) eingetreten war, was als positiv hinsichtlich der Kognition zu werten ist. Auch die maßgeblichen Messwerte aus dem WCST zeigten signifikante Verbesserungen. Eine mäßige, jedoch nicht signifikante Verbesserung zeigten die EDSS-Werte der 16 Studienteilnehmer nach dem Behandlungsjahr. Die Forscher, die diese Studie durchführten, schlussfolgern, dass dies einen positiven therapeutischen Effekt des Beta-Interferons auf kognitive Funktionen darstellt, der nicht mit der Wirkung auf EDSS-Werte und den klinischen Krankheitsverlauf in Zusammenhang steht.
Quelle:
Flechter S, Vardi J, Finkelstein Y, Pollak L.
Cognitive dysfunction evaluation in multiple sclerosis patients treated with interferon beta-1b: an open-label prospective 1 year study.
Isr Med Assoc J. 2007 Jun;9(6):457-9.
http://www.ima.org.il/imaj/ar07jun-9.pdf
