MS Gateway – Der Multiple Sklerose Info-Dienst

Homepage :: Alles über MS :: Rolli-Kurt :: Rolli-Kurt: 1. Buch :: 15 - Ein richtiges Spaßgerät

Ein richtiges Spaßgerät

Rolli-Kurt

Folge 15 in der MS-Gateway-Kolumne "Rolli-Kurt"

von Dirk Riepe

°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°

<<< Was ist Ihr Ziel?

Mordsspaß an der Bordsteinkante  >>>

°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°


Kurt sitzt und wartet. Die Turnschuhe an den Füßen, den restlichen Kurt gekleidet in Fußballshorts und dem Vereinstrikot mit der Werbeaufschrift des zuhause ansässigen Frauenbuchladens - er spielte dort, nach langer Überzeugungsarbeit durch die Komilitoninnen im Psychologieseminar, den Rest seiner glanzvollen Karriere in der "Wilden Liga". So sitzt er startbereit, auf die quälend langsamen Bewegungen des Sekundenzeigers starrend. Wo bleibt der Rolldienst? Nach den Verirrungen des Morgens baut Kurt nun fest auf die helfende Hand des Rolldienstes. Er wird zu spät kommen. Er hasst es, zu spät zu kommen. Endlich klopft es an Loch Nr. 548.

Kurt hat sich fest vorgenommen, den Weg durch die Klinik unverrückbar fest in sich aufzusaugen, während der Rolldienst mit ihm in atemberaubender Geschwindigkeit durch die dunklen Gänge rast. Gut vierzig Zentimeter über dem Boden sieht die Welt jedoch ganz anders aus und schon nach zwei Gängen und einem Fahrstuhl weiß er nicht mehr, wo sie sich befinden. Mist!


°'°o.o°'° °'°o.o°'° °'°o.o°'°

Als sie im letzten Fahrstuhl in den tiefsten Tiefen der Klinik stehen, gesellen sich drei Rollifahrerinnen dazu. Der Fahrstuhl fasst fünf, wenn nicht sogar sechs Rollis. Bestens gelaunt schauen sie etwas mitleidig auf den Kurt-Express.

"Willst du auch zum Rollstuhlsport?"

"Bist du neu hier?"

"Wann bist du denn angekommen?"

"Auf Reha oder Krankenhauseinweisung?"

"Wo...?"

Kurt hat noch keine Gelegenheit zu einer Antwort gehabt. Zu schnell hintereinander prasseln die Fragen auf ihn ein. In kurzem Dialog beschließt man, ohne ihn großartig zu beachten, dass ihn die drei flotten Rollifrauen mit in die Sporthalle nehmen, während sich der Rolldienst mit einem anderen Unkundigen beschäftigen kann. Beim nächsten Halt ist der Rolldienst auch schon verschwunden.

Nach x-maligem Hin- und Herrangieren der in sich verkeilten Stühle verlassen alle den Fahrstuhl auf einen langen dunklen Gang. Sofort greifen die Frauen kräftig in die Greifreifen und zeigen, was sie drauf haben. Kurt gibt alles, aber er hat keine Chance zu folgen. Die langsamste der drei ruft ihm noch zu, er solle sich mal vom Rolli-Papst einen eigenen Stuhl anpassen lassen. Viel zu sehr damit beschäftigt, beim Fahren alle Finger zu behalten, registriert Kurt den Zwischenruf nur am Rande.

In der Mitte des endlos scheinen den Ganges wird er links ganz locker von einem rüstigen Mittsechziger in einem Rolli überholt. Der muss einen Motor haben, denkt Kurt bei sich. Wenn der einen Zug macht, hat Kurt schon dreimal zugreifen müssen. Am liebsten würde er aussteigen und den Rest zu Fuß gehen.


°'°o.o°'° °'°o.o°'° °'°o.o°'°

Schwitzend, mit leicht zitternden Beinen und zusammengekrallten Fingern kommt er als letzter in der Halle an. Das Anfängertraining ist zu Ende. Jetzt ist Training für Fortgeschrittene angesagt. Der Rolli-Papst meint, es sei problemlos für Kurt teilzunehmen. Er solle seinen Leihrollstuhl an der Wand abstellen und sich einen Sportrolli aus dem reichhaltigen Angebot im Vorraum aussuchen. "Umsetzen kannst du dich doch, oder?"

Wie - Leihrolli!

Kurt geht nicht weiter darauf ein und schnappt sich wortlos eins der sehr sportlichen Modelle. Schon die ersten Meter zeigen Kurt, warum er den Rolli tauschen sollte. Das Fahrgerät geht ab wie eine Rakete. Sein eigener Rollstuhl ähnelt da eher einem Ackergaul. Der Vorwärtstrieb ist fulminant. Die Wendigkeit atemberaubend. Ein richtiges Spaßgerät: So macht "Rollifahren" Spaß.

Kurt kreiselt vor sich hin und nimmt den Hinweis des Trainers auf die große Kippgefahr des Rollis nicht wahr.


°'°o.o°'° °'°o.o°'° °'°o.o°'°

Am Ende der Halle liegen Matten, vor denen sich die Teilnehmer, mindestens zehn an der Zahl, aufbauen. Die wenigsten der Teilnehmer sind auf den Rollstuhl angewiesen. Hier zählen vornehmlich der Spaß und der vorurteilslose Kontakt mit dem Rolli. Zwei Nachzügler rufen noch in die Halle und suchen sich einen Sportrolli aus.

Der Rollipapst ist Sportlehrer und gesund. Er steigt in seinen Rolli und dreht zu Demonstrationszwecken für die Neuen ein paar Runden auf zwei Rädern durch die Halle. Ein paar 180-Grad-Drehungen, natürlich immer noch auf nur zwei Rädern, und er hält vor den Bauklötze staunenden Neuankömmlingen an. Mit einem süffisanten Lächeln sagt er:

"Das lernt ihr bei mir auch noch alle! Üben, Üben, Üben!"


°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°

<<< Was ist Ihr Ziel? 

Mordsspaß an der Bordsteinkante >>>


°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°o.o°'°

"Rolli-Kurt" ist eine Kolumne auf der MS-Gateway.

Dirk Riepe, Autor und Erfinder von Rolli-Kurt, legt großen Wert auf die Aussage, dass alle Personen frei erfunden und zufällige Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen rein zufällig sind.

Dirk Riepe und die MS-Gateway-Redaktion legen Wert auf die Feststellung, dass jeder, der mag, frei ist, aus der Kolumne zu kopieren und andernorts zu zitieren, sofern

Über Dirk Riepe >>>


Communityticker

Mitglieder gesamt: 10612

Zur Zeit online: 142

Forenbeiträge: 94681

Community Login

MS-Gateway - Der Chat

BETAPLUS-Serviceteams

In Deutschland:
0800-2382337
oder
0800-BETAFERON

In Österreich:
0800-233099
www.betaplus.at

Fragebogen ms-gateway.de Schließen