Prolaktin: Kann es die Remyelinisierung beim Menschen steigern?
28.02.07 | Die Myelinisierung, also der Prozess, in dem Oligodendrozyten die Nervenfasern mit einer Myelinschicht umkleiden, ist eine wichtige, aber noch wenig verstandene Form der neuronalen Plastizität[1]. Diese neuronale Plastizität ist bei Erwachsenen möglicherweise geschlechtsabhängig.
Die Beobachtung, dass sich eine Multiple Sklerose während der Schwangerschaft abmildert, brachte die kanadischen Forscher, die hier veröffentlichen, auf die Idee, dass die Remyelinisierung[2] im mütterlichen Gehirn verbessert ist. Sie schreiben: "Wir beobachteten im Mausmodell der MS eine erhöhte Bildung von Oligodendrozyten, die Myelin herstellen. Wir beobachteten auch eine Zunahme von (re-)myelinisierten MS-typischen Herden (= Läsionen). Bemerkenswert ist, dass schwangere Mäuse eine gesteigerte Fähigkeit zeigen, Läsionen in der weißen Hirnmasse zu remyelinisieren."
Das Hormon Prolaktin reguliert das Heranwachsen von Vorläuferzellen der Oligodendrozyten und ahmt somit die regenerative Eigenschaft der Schwangerschaft nach. Dies lege den Schluss nahe, so die Forscher, dass die Plastizität der weißen Hirnmasse es zulässt, dass diese erstaunliche Remyelinisierung stattfinden kann, und diese Ergebnisse identifizieren Prolaktin als ein neues mögliches Ziel der Entwicklung neuer Arzneimittel zur Behandlung der MS.
Wie immer bei solch positiven Forschungsergebnissen muss hier der Satz folgen: Dies sind Ergebnisse aus Tierversuchen. Eine klinische Entwicklung, aus der ggf. ein neues MS-Medikament hervorgehen kann, wird Jahre dauern.
Quelle:
Gregg C, Shikar V, Larsen P, Mak G, Chojnacki A, Yong VW, Weiss S.
White matter plasticity and enhanced remyelination in the maternal CNS.
J Neurosci. 2007 Feb 21;27(8):1812-23.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?db=pubmed&cmd=Retrieve&dopt=AbstractPlus&list_uids=17314279
--------------
[1] "neuronale Plastizität" bezeichnet die Fähigkeit des Gehirns/Zentralen Nervensystems, Bereiche, die durch irgendeine Schädigung funktional ausgefallen sind, aus eigener Kraft ganz oder teilweise zu ersetzen und auf diese Weise verlorengegangene Funktionalität wiederherzustellen.
[2] Remyelinisierung = Wiederaufbau der Myelinschicht
