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Wie ein Sommergewitter, heftig und kurz

Rolli-Kurt

Folge 2 in der MS-Gateway-Kolumne "Rolli-Kurt"

von Dirk Riepe

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<<< Transformationen

Darf ich dich fragen, wie es sich anfühlt? >>>

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"Dann wünsche ich Ihnen noch alles Gute und wenn was ist, anrufen!"

Kurt sitzt bewegungslos vor seinem Haus und beobachtet, wie der Sanitätshaus-Mensch mit seinem Kleintransporter davon fährt.

"Mein Neurologe hat mich angelogen.", schießt es ihm in den Kopf. "Der hat mir
zugesagt, dass ich nie im Rollstuhl landen werde. Wie kann der so etwas versprechen!"

Irgendwie kam ihm das damals schon komisch vor. Jedoch, die Überzeugung, mit der der Neurologe die Worte sprach, war glasklar. Es war unumstößlich. Ein Fundament, auf dem Kurt aufbaute. Die Gewissheit, nie zu der geringen Anzahl der Rollstuhlfahrer zu zählen, wurde der Motor für seine beruflichen Aktivitäten. Er spielte auch weiter Fußball. Und das einzige, was er spürte, war nachlassende Ausdauer. Dieses Handicap machte er mit seiner Erfahrung und unbändigem Einsatz mehr als wett.

Es gab jedoch auch Zeichen, die ihm jetzt erst wieder deutlich in Erinnerung treten.

Warum ausgerechnet jetzt, wo er bibbernd in dem neuen Rollstuhl vor der Haustür sitzt?

Beruflich lief es auch gut. Vom Autoschrauber zum Diplompädagogen! Er hatte problemlos einen Job in der Jugendarbeit der Stadt bekommen. Wer konnte besser mit den Kids umgehen als einer, der selbst aus dem Viertel kam? Er war authentisch. Die Jugendlichen hatten sofort Respekt. Sein Projekt, einem alten /8er-Mercedes neues Leben einzuhauchen, kam bei den Jungs gut an. Obwohl auf der Jugenddeele überwiegend Jungs zu Gast waren, hatten auch die Mädchen Spaß an der Autoaktion.


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Zu dieser Zeit spürte er das erste Mal, wie die rechte Hand den großen Maulschlüssel beim Lösen einer Schraube am Getriebekasten umklammerte, als wolle sie ihn nie wieder loslassen. Er schaute auf seine rechte Hand und war nicht in der Lage, den Befehl zum Loslassen zu geben. So stand er da, erstarrt in der Bewegung, während die Jungs ihn verdutzt anschauten. Irgendwie müssen sie geahnt haben, dass etwas ganz und gar nicht stimmte mit Kurt. Die Blicke sprachen Bände. Gesagt hat von den Jungs keiner etwas. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit, bis die Hand den Schlüssel endlich wieder preisgab.

Scheppernd fiel er ihm aus der geöffneten Hand auf den harten Deelenboden. Der Schlüssel tanzte neben dem ausgebauten Getriebe von einem Maul aufs andere und verschwand in der Grube unter dem /8er. Einer der Jungs rannte los, um den Schlüssel zurückzuholen. Die anderen schauten betroffen auf den Boden und wandten sich von Kurt ab. Er selbst stand da und schaute auf seine Hand, als wolle er sie hypnotisieren. Der Junge, der den Schlüssel aus der Grube geholt hatte, legte diesen wortlos auf den Werkzeugwagen und ging mit den anderen fort.

Das Gefühl, die Kontrolle über einen Teil des Körpers verloren zu haben, übermannte Kurt in einer Art und Weise, wie er es später nie wieder erlebte. Seine Hand kam ihm plötzlich wie ein Fremdkörper vor. Künstlich, unnatürlich gefühllos. Das, was aus seiner Schulter wuchs, gehörte nicht mehr zu ihm. Als würde es etwas ändern, drückte und rieb er an seiner Hand, bis der Schmerz ihm die Zugehörigkeit eindeutig signalisierte. Wie ein Sommergewitter, heftig und kurz, kam und ging es wieder. Nur das Angenehme, wie der Geruch der feuchten Blätter und Wiesen nach einem Gewitter, fehlte.

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Stattdessen blieb etwas übrig, wofür Worte zur Erklärung nicht ausreichten.

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Fortan konnte er sonntagmorgens das frisch gekochte Frühstücksei ohne besondere
Vorkehrungen mit bloßer Hand aus dem dampfenden Eierkocher nehmen. Es hat eben auch alles was für sich, wie seine Oma mütterlicherseits immer zu sagen pflegte.


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"Rolli-Kurt" ist eine Kolumne auf der MS-Gateway.

Dirk Riepe, Autor und Erfinder von Rolli-Kurt, legt großen Wert auf die Aussage, dass alle Personen frei erfunden und zufällige Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen rein zufällig sind.

Dirk Riepe und die MS-Gateway-Redaktion legen Wert auf die Feststellung, dass jeder, der mag, frei ist, aus der Kolumne zu kopieren und andernorts zu zitieren, sofern

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