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Kein Problem!

Rolli-Kurt

Folge 33 der MS-Gateway-Kolumne "Rolli-Kurt"

von Dirk Riepe

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Heute ist die Schiffsrundfahrt geplant. Gleich morgens gibt es einen kleinen Disput, weil Kurt seinen Rolli nicht mitnehmen will. Nach den bisherigen Fortschritten hat Kurt den Rolli in Gedanken schon wieder ganz weit weggeschoben. Mit Claudia fördert jeder Tag am Meer sein Gehvermögen wie ein Jungbrunnen. Jetzt sitzt er also murrend in seinem Ferrari am Kai, wo alle auf das Schiff warten.

Er zieht alle Blicke auf sich, besser gesagt: sein Rollstuhl. Man lächelt ihn an und die Behinderung verschwindet beim Anblick der sportlichen Schönheit des Gefährts. Sogar junge Leute schauen auf seine, sonst nur an sehr teuren Rennrädern verbauten Carbonräder. Gut, dass er den Rolli mitgenommen hat! Die Menschentraube wird größer und größer. Das zu befürchtende Stürmen des Transportmittels mit allen fairen und unfairen Mitteln steht kurz bevor. Jetzt hat Kurts Stunde geschlagen. Er reißt sich zusammen, wirft einen Blick zu Claudia und macht sich lautstark bemerkbar: "Dürfen wir bitte durch, wir müssen zuerst rauf! - Entschuldigung! Darf ich mal!"

So fährt er einfach in die Menschenmenge hinein und bahnt für Claudia den Weg zum Schiff. Das Murren der umstehenden Touris nimmt er zwar wahr, aber das stört ihn nicht. Was sollte nach gestern Abend noch Schlimmeres passieren? Tatsächlich schaffen sie es bis sehr weit nach vorn. Mit Hilfe zweier Matrosen wird Claudia mit Topi sicher aufs Schiff gebracht. Bei Kurt gestaltet sich der Einstieg deutlich schwieriger. Sein Ferrari ist zu breit für den schmalen Steg zum Boot.

"Kein Problem!", lächelt ihn ein kantiges, von der Sonne gegerbtes Gesicht mit auffallend wenig Zähnen im Oberkiefer an. Nicht gerade Vertrauen erweckend. Ein zweiter dunkler Geselle mit ebenso bedürftigem Gebiss steht bereit, die große Statur im schweißgetränkten Unterhemd und die kräftigen, tätowierten Oberarmen in die Seiten gestemmt.

"Kommen! Kein Problem." Für den kräftigen Naturburschen ist es kein Problem, über diesen Steg zu balancieren, aber Kurt ist vor Angst wie gelähmt.

"Ich halte.", verspricht der im Unterhemd vollmundig.

Nun nehmen die beiden istrischen Männer Kurt ins Sandwich. Der eine packt ihn fest wie in ein Schraubstock, und der andere greift vom Schiff aus Kurts Seeseitenarm mit nicht minderer Kraft. Sie spannen ihn auf wie ein Tennisnetz und geleiten ihn sicher auf das Schiff. Außer deutlich sichtbaren Fingerabdrücken auf Kurts Oberarmen gibt es nichts zu beanstanden.

Mit einem weiteren "Kein Problem!" holen sie den Rolli an Bord und lassen erst dann die Menschentraube losströmen. Das Hauen und Stechen der Gesunden beim Entern des Schiffes ist sehr viel gefährlicher als Kurts behüteter Transfer.


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Claudia und Kurt haben die besten Plätze bekommen. Sie beobachten belustigt und völlig entspannt die an Bord strömenden Massen. Einige sind mit dem Prozedere überhaupt nicht einverstanden. Sie hatten schon eine Stunde in der Sonne geschmort, um die begehrten Plätze zu ergattern. Mit bösen Blicken und Unmutsäußerungen wie "Unverschämtheit, sich so vorzudrängeln!" schleppen sie ihr mitgebrachtes Dosenbier an den beiden vorbei. Als das Schiff endlich ablegt, erschließt sich ein wunderschöner Blick auf den Hafen von Porec und den gesamten Küstenstrich. Die Meerseite ist mit vorgelagerten kleinen Inseln gespickt und man kann das offene Meer nur erahnen. Eine Bucht schöner als die andere zieht vorbei.

Spätestens in der zweiten Bucht haben die meisten Anwesenden soviel Alkohol intus, dass an einem Blick aufs Festland kein Interesse mehr besteht. Das Grölen von "Wo die Weser einen großen Bogen macht" nimmt sie ganz in Anspruch. Beim Einbiegen in den Limski Fjord, dort wo einst "Winnetou" gedreht wurde und links und rechts die dicht bewachsenen Bergflanken steil hinaufragen, sind die alkoholisierten Frohnaturen bei deutscher Hochkultur angekommen und bieten dem geneigten Ohr "Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse" dar. Winnetou interessiert kein Schwein. Claudia und Kurt sitzen wie noch ein paar andere Paare eng umschlungen und genießen den romantischen Anblick, den sie sich durch das deutsche Liedgut nicht versauen lassen.

Ganz langsam tuckert das Schiff rückwärts wieder aus dem Fjord. Der erste Halt ist in Rovinj. Claudia und Kurt lassen ganz entspannt alle von Bord stürmen, bevor sie an Land gehen. Von der Schaukelei an Bord hat sich Kurts Gangunsicherheit verstärkt, und so setzt er sich in seinen Rolli. Rovinjs Innenstadt ist noch schöner als die von Porec. Der historische Baubestand ist erstaunlich gut erhalten und sehr gepflegt. Der Kampf mit dem historischen Kopfsteinpflaster ermüdet Kurts Arme schon nach kurzer Fahrzeit, so dass sie sich in ein kleines Café begeben und das südländische Treiben beobachten. Der Rest der Schiffsladung ist unter "Ihr könnt nach Hause gehen, ihr könnt nach Hause gehen" auf das Restaurant losgestürmt, das das kostenlose Mittagessen anbietet. Der Höhepunkt der Fröhlichkeit ist erreicht, das Liedgut macht den Deutschen alle Ehre, ab jetzt steht der Alkoholpegel den Sangeskünsten im Wege.


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Als Kurt sich erholt hat, stöbern die beiden durch die kleinen Geschäfte, die sich natürlich dem Massentourismus verschrieben haben. Man kann das kaufen, was es in Rimini, Arenal oder am Miami Beach auch gibt. Zum Schluss gehen die beiden noch zum Hafen hinunter, wo eine alte Frau in den traditionellen Kleidern der Sinti gestickte Deckchen an einem Stand feilbietet. In gebrochenem Deutsch beginnt sie sofort, auf Claudia einzureden. Angeblich stickt ihre Großmutter diese Deckchen (die wirklich nett aussehen) schon, seit sie ein kleines Kind war. Diese Qualität könne Claudia nirgends finden außer bei ihr. Dass Zahnpflege nicht groß geschrieben wird, ist Kurt ja am Schiff schon aufgefallen, aber dieser Frau fehlen keine Zähne - sie hat nur einen.

"Meinst du, dass das stimmt? Die Alte ist doch selbst schon 70.", flüstert Kurt Claudia ins Ohr.

"Ist doch egal, ich bringe eines meiner Mutter mit. Wenn ich es dann bei ihr sehe, werde ich mich immer an diese Woche mit dir erinnern."

Die Badeinsel schenken sich die beiden. Sie bleiben auf dem Schiff und genießen ein Glas billigen Rotwein und den Blick auf Küste und Meer. Das Grölen der anderen ist verstummt.

Mit der untergehenden Sonne kehrt das Schiff in den Hafen von Porec zurück und die Mitreisenden setzen zum Abgesang auf ein gelungenes Besäufnis an: "Einer geht noch, einer geht noch rein".


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"Rolli-Kurt" ist eine Kolumne auf der MS-Gateway.

Dirk Riepe, Autor und Erfinder von Rolli-Kurt, legt großen Wert auf die Aussage, dass alle Personen frei erfunden und zufällige Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen rein zufällig sind.

Dirk Riepe und die MS-Gateway-Redaktion legen Wert auf die Feststellung, dass jeder, der mag, frei ist, aus der Kolumne zu kopieren und andernorts zu zitieren, sofern

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