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Träume und Tänze eines stillen Schmetterlings

von TAYFUN

Musik ist wie die Liebe: sie funktioniert ohne Worte.

Nach zwei Alben, davon eines mit Gedichtvertonungen von Nazim Hikmet zusammen mit Otto Sander, die Tayfun schon veröffentlicht hat, gibt es nun seine dritte CD Dreams and dances of a silent butterfly.

Tayfun stammt aus der Türkei und studierte Musik in Istanbul und in den USA. Seit 1982 lebt er in Berlin und arbeitet dort als Komponist und Pianist. Seine kompositorische Arbeit gehört nicht in die Schublade der Weltmusik, sondern er schafft — diesmal zusammen mit neuen Kontrabass-Star Renaud Garcia-Fons — ein bezauberndes neues Klanguniversum, eine Synthese der Musik aus aller Herren Länder. Dreams and dances of a silent butterfly ist ein Titel, wie er treffender nicht sein kann: leicht, verspielt, tänzerisch wird hier das Ohr umgarnt, ganz nah an der Welt der Emotionen und ganz weit weg vom kühlen, distanzierten Zeitgeist. Diese Musik lädt zum Mitsummen ein und muss einfach als schön bezeichnet werden.



Der Künstler Tayfun über seine dritte Veröffentlichung auf CD – Dreams and Dances of a Silent Butterfly

Über mein drittes Album Dreams and Dances of a Silent Butterfly, das im Frühling 2001 erschienen ist, möchte ich Ihnen einiges erzählen.
Ich stamme aus Istanbul, dieser 15–Millionen–Hafenmetropole, dieser orientalisch–europäisch–byzanthinisch geprägten Weltstadt am Bosporus. Nach meinem Studium in den USA lebe ich jetzt als Komponist und Pianist in Berlin. Diese CD ist mein drittes Album nach Ararat — The Border Crossing (Eine musikalische Erzählung nach dem poetischen Roman von Yaschar Kemal) und Eisen, Kohle und Zucker mit Otto Sander als Erzähler und dem Orchester nach den Gedichten von Nazim Hikmet.
Was ist, werden Sie wahrscheinlich fragen, wichtig an dieser CD? Meiner Meinung nach ist es erstens, dass diese CD das Ergebnis einer ziemlich intensiven Arbeit von sechs Jahren (1994 bis 2000) ist. In den 90er Jahren habe ich eine gewaltige Abrechnung mit meinem bisherigen Leben gemacht und dadurch änderte sich nicht nur mein Leben, sondern auch meine Musik — und diese CD trägt all die Früchte dieser Auseinandersetzung. Zweitens, ohne Margit, ohne Margit, my Angel hätte es diese Musik nie gegeben. Nein, da bin ich mir sicher... auf keinen Fall... Mit Margit sind wir seit 1982 zusammen, und ´89, wo sie gerade mal 30 Jahre alt wurde und sie ihr Studium mit einem M.A. abschließen wollte, begann eine Krankheit, die sich sehr rapide verschlechterte und sie in zwei Jahren völlig lahmgelegt hat: MS...!
Seit 1994 kann sie auch nicht mehr sprechen. Aber trotzdem, trotz alledem, diese Weinkönigin aus Dernau an den Ufern des Rheins — seit der Römerzeit bewohnt von Weinbauern, sehr katholisch und sehr bescheiden — hat nie ihren Sinn für Humor verloren!
Sie besitzt einen unglaublichen Lebenswillen und eine Freude am Leben, die wir vielleicht nur in den besten Überlebensgeschichten von einem Jack London treffen können...

Und so strahlen ihre großen, tiefbraunen Augen, durch ihre immer zärtlichen Wimpern, wie ein einziger Leuchtturm in unsere Welt, in unseren ganzen erbärmlichen, armseligen und unbedeutenden Alltagstrott und geben dieser Welt überhaupt einen Sinn, eine Gestalt und einen Ton (natürlich, nur wenn wir die passenden Antennen dafür besitzen!)

Und wenn wir Glück haben, ein Leben lang, und wenn nicht, dann halt wenigstens für nur einige Sekunden... Und so ist es nur konsequent, dass all diese Musik zu ihr gehört — weil all die Energie dieser CD sowieso nur von ihr stammt — so dass die meisten Kompositionen nur für sie geschaffen sind als eine kleine Reverenz an Margit, dieser einzigartigen, wundersamen Frau von den Ufern des Rheins...

Tayfun, Berlin/Istanbul, September 2001
© 2001 Tayfun Erdem


Musikkritiken

... die originellste Platte des Jahres...
Wolfgang Schreiber in Süddeutsche Zeitung, 8. Dezember 2001

Tayfuns ohnehin sehr persönlicher Tonfall zeigt sich (nach sechsjähriger Veröffentlichungspause) durch besondere Lebenserfahrungen intensiviert. Die in ihrem Gestus unterschwellig geradezu (freuden–)hymnischen Lieder, der Freundin Margit gewidmet, sind Zeugnis des gemeinsamen Kampfes gegen deren lebensbedrohende Krankheit. Vor diesem Hintergrund haben der Schwung, der Optimismus, die Ausgelassenheit, die Experimentierfreude der Tayfun–Musik eine andere Qualität bekommen. Der zuversichtlich erhöhte Kunstanspruch tröstet über das Untröstliche.
Frankfurter Rundschau

Der in Berlin lebende türkische Komponist und Pianist Tayfun Erdem weiß verschiedene Stile zwanglos zu mischen. Seine klassische Ausbildung sorgt für klare Strukturierung seiner musikalischen Poeme. Neben klassisch Inspiriertem oder Folkigem — von einer gewissen Ellie richtig kitschig–schön vorgetragen — finden sich auch jazzige Stücke, bei denen der Meister selbst seine Vokalisen vorträgt. Die exzellenten Begleiter lassen die melancholische Seite der Stücke klingen und setzen feinfühlig improvisatorsische Akzente hinzu.
Reinmar Emans in Stereo 10/2001

(...) Jetzt hat der in Berlin lebende Tayfun ein sehr persönliches Album herausgebracht, seiner Liebe zu Margit gewidmet, und seine Musik radikal vereinfacht. Nämlich zu einer Art Jazz–Chanson–Stil, bei dem er erhebliche Zugeständnisse an neoromantische und Latin–Schreibweisen macht. Seine Lieder mit und ohne Worte erhalten vielmehr oft einen improvisatorischen Schub, etwa wenn Gast–Kontrabassist Renaud Garcia–Fons elegant das Ostinato in der Ballad for the imaginary Brazilian princess of Isaa verziert. Im Ganzen sind die mutig–einfachen Dreams and dances of a silent butterfly durchdachte Ensemblemusik mit feinsten solistischen Darbietungen.
Hans–Dieter Grünfeld in Jazz–Zeitung Nr. 9, 2001

... die Musik ist leicht verspielt, tänzerisch, so gar nicht einem Trend angepasst. Ja, sie wirkt unmodern. Und das macht sie so reizvoll...

... ein tief bewegendes musikalisches Porträt und eine anrührende Liebeserklärung...
Piano News

... eine originelle Mixtur aus Jazz, klassischen und diversen ethnomusikalischen Einflüssen, absolut Soundtracktauglich...
TIP (Berliner Stadtmagazin)

... Tayfun vollbringt das Kunststück, sehnsüchtige Musik zu schaffen, ohne jemals in schwülstige Gemütslagen zu verfallen. Er ist sensibel, aber nicht sentimental...
Philipp Lichterbeck in der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel 3. August 2001


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