MS Gateway – Der Multiple Sklerose Info-Dienst

Bianca

Der Sommer 2007 war einer meiner schönsten. Meine kleine Tochter war gerade ein halbes Jahr alt und ich konnte entspannt die Sommertage zu Hause und nicht auf Arbeit genießen. Jeden Tag ging ich mit meiner kleinen Maus spazieren. Es war schön. Manchmal konnte ich nicht richtig laufen, weil ich meinen rechten Fuß nicht anheben konnte - ich dachte mir aber nichts weiter dabei, kann ja mal vorkommen, dass der Körper im Sommer nicht so richtig will. Etwas Sorgen machte ich mir erst, als ich in einer Phase besonders heißer Tage (das ist mir erst jetzt bewusst) mehrmals einfach mit meinem rechten Knie weggeknickt und hingefallen war. Ich bin dann mal zu meinem Hausarzt gefahren, wobei mir das Autofahren auch schwer fiel, da ich keine richtige Gewalt über mein rechtes Bein hatte. Der Arzt hatte leider Urlaub und ich bin unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren. Meine Beschwerden ließen dann auch wieder nach und ich dachte über einen Arztbesuch nicht mehr nach.

Im Herbst habe ich dann wieder angefangen zu arbeiten - das war toll, aber ich hatte jetzt immer öfter Probleme mit dem Laufen. Mein rechtes Bein fühlte sich schlapp an und ich hatte das Gefühl, die Kontrolle immer mehr darüber zu verlieren. An einen Arztbesuch dachte ich immer noch nicht. Über die Weihnachtsfeiertage hatte sich auch alles wieder normalisiert.

Bis zum Frühjahr. Ich hatte zwar zwischendurch immer mal ein Kribbeln und ein Taubheitsgefühl in den Beinen und Füßen, habe mir aber nichts weiter dabei gedacht. Ein paar Wochen vor Ostern wurden meine Beschwerden stärker. Ich hatte große Schwierigkeiten mit dem Laufen. Meine Mutti fragte mal beim Spazieren gehen, was mit mir los sei, ich laufe wie besoffen. Ich konnte mir und ihr die Laufbeschwerden nicht erklären.

Als ich im Gang immer unsicherer wurde, habe ich beschlossen, doch mal zum Arzt zu gehen - schließlich wollte ich nicht mal mit meiner kleinen Tochter auf dem Arm hinfallen. Ich wollte vom Hausarzt eine Überweisung zum Orthopäden, weil ich glaubte, dass bei mir nur eine Sehne etwas "überanstrengt" war. Als ich meine Symptome geschildert hatte, empfiehl mir mein Arzt auch mal einen Neurologen aufzusuchen. Ich wunderte mich etwas darüber, fragte aber nicht weiter nach - warum auch?!

Wie der Zufall es wollte, bekam ich zuerst bei einer Neurologin einen Termin. Ich stellte mich bei ihr vor, schilderte meine Probleme und kam mir dabei etwas komisch vor, weil ich seit einigen Tagen fast völlig beschwerdefrei war. Die Neurologin macht dennoch einige Tests und immer ein sehr ernstes Gesicht. Schließlich eröffnete sie mir, dass sie sich ihrer Diagnose nicht sicher ist und sie mich stationär untersuchen lassen wolle. Dass sie mich dabei nicht in die Neurologie unsreres Stadtkrankenhauses einwies, begründete sie mit ihrer eigenen Unzufriedenheit mit den dortigen Ärzten. Also war ich dann eine Woche später in der von ihr empfohlenen Klinik.

Hier wurde ich dann bei der Aufnahme mit folgenden Worten begrüßt: "Auch Sie sind wegen Verdacht auf MS hier!". Das war erst einmal eine Überraschung - ich habe hier zum ersten Mal von diesem Verdacht gehört. Aber ich war nicht sonderlich geschockt - ich und MS, das konnte doch gar nicht sein. Auf der Station angekommen wurde ich vom ersten Tag an gründlich untersucht, musste mich mehreren Tests unterziehen. Mittlerweile unterhielt ich mich mit anderen betroffenen MS-Patienten (nun hatte ich auch endlich gecheckt, dass ich in einer anerkannten MS-Fachklinik war) und begann doch mir Gedanken zu machen, eventuell an MS erkrankt zu sein. Meine bisherigen Beschwerden (nach genaueren Betrachten waren es mehr und wie ich jetzt weiß, typische MS-Symptome) deuteten jedenfalls darauf hin.

Die Diagnose wurde nun auch durch MRT und Lumbalpunktion bestätigt. Ich war auf die Diagnose irgendwie vorbereitet und konnte relativ gelassen mit ihr umgehen. Zumal ich die Kortisoninfusionen gut vertragen hatte und damals praktisch keine Beschwerden hatte. Ich wurde auf Beta-Interferon eingestellt und kam sehr gut mit der Situation klar. Ich erfuhr Unterstützung von meiner Familie, die, glaube ich, mehr geschockt war als ich.

Jetzt lebe ich optimistisch und bewusst für den Tag und die Zukunft und bin davon überzeugt, dass die MS bei mir nicht so akut wie bei anderen Betroffenen ist. Ich glaube, man darf sich nicht aufgeben und sollte trotz MS - Diagnose Zukunftspläne schmieden, denn das Leben ist nicht vorbei.

Seit dem Frühjahr hatte ich keinen Schub mehr.

Zur Zeit kann ich kein Beta-Interferon spritzen, weil ich mein zweites Kind erwarte.

Meine kleine Tochter und der kleine Wurm in meinem Bauch geben mir Kraft und viel Lebensfreude. Außerdem kann ich gar keine akuten Behinderungen in den nächsten Jahren bekommen, weil ich noch sooo viel mit meinen Kindern und meinem Lebenspartner unternehmen und erleben möchte.

Ich bin jetzt 35 Jahre alt und glaube, noch ganz lange mit gezielten Therapien von der MS nicht sehr stark beeinträchtigt zu werden.

Liebe Grüße und für alle: "Kopf hoch!", eure Bianca.


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